Im Jahr 2020 wurden deutlich weniger Reisebusse neu zugelassen, wie ein Vergleich zum Vorjahr zeigt. Foto: omnibus.news/Schreiber

Wo geht die Reise hin? Die Reisebusbranche steht zweifelsohne vor strukturellen Veränderungen. Die BDO-Konjunkturumfrage (siehe Meldung auf omnibus.news vom 10.3.) zeichnet für die Bustouristik und den Fernbusverkehr ein düsteres Bild. Viele Busunternehmer erwarten langfristige Auswirkungen für ihren Betrieb und die Branche. Nach einem Jahr Pandemie ist nichts mehr, wie es war. Selbst bei den Zahlen der neu zugelassenen Reisebusse. Am 11. Januar gab es auf omnibus.news die Zahlen, die Auskunft über die neu zugelassenen Omnibusse des Jahres 2020 geben. Nach detaillierten Zahlen zu den neu zugelassen Elektrobusse, die es hier am 19. Februar zu lesen gab, rückt omnibus.news heute nun auch die Reisebusse in den Mittelpunkt. Genauer gesagt die Zahl der neu zugelassenen Fahrzeuge des Jahres 2020 in Deutschland. Die Zahlen lieferte mit Wim Chatrou von CME Chatrou Solutions ein Kenner der Busbranche und Analyst, der den europäischen Busmarkt seit Jahren fest im Blick hat. Das erste Quartal 2020 fällt mit Blick auf den Reisebus noch normal aus, die Welt war ja noch in Ordnung, 245 neue Reisebusse in 2020 standen 229 aus 2019 gegenüber. Wer zurück an den Jahresanfang 2020 blickt, der erinnert sich mit Sicherheit an den 27. Januar 2020. An diesem Tag wurde in Bayern der erste Fall einer Infektion mit dem Coronavirus in Deutschland bekannt. Ein 33-jähriger Mitarbeiter der Autozuliefererfirma Webasto hatte sich bei einer chinesische Kollegin aus Schanghai angesteckt, die mit ihm an einer Schulung des Unternehmens in Bayern teilgenommen hatte. Anfang des Monats März 2020 war die Zahl der Corona-Fälle in Deutschland noch überschaubar. Doch dann begannen bundesweit die Osterferien, viele Ski-Urlauber brachten bei ihrer Rückkehr das Virus mit. Die Politik handelte, Großveranstaltungen wurden ebenso wie Gottesdienste verboten, am 16. März wurden bis auf die Supermärkte fast alle Geschäfte sowie Schulen und Kitas geschlossen. Der Tourismus wurde komplett runtergefahren. Seit einem Jahr stehen die Reisebusse still, daran haben auch die vielen Demonstrationen nichts geändert. Selbst das laute Hupen am Fuße des Reichstags hat die Politker nicht beeindruckt, ebenso nicht, dass die Busbranche Lösungen entwickelt und umgesetzt hat, um das Fahren mit Omnibusse sicher zu machen. Die Chancen stehen aber gut, denn die jüngsten Einschätzungen des RKI, nach denen professionell organisierte Urlaubsreisen gerade kein Pandemietreiber wären, untermauern die Forderung der Busbranche nach einer zeitnahen Öffnung und einem Neustart. Das muss jetzt nur noch bei der Politik ankommen. Die Busbranche liegt am Boden, nach wie vor. Ein Blick zurück auf die Neuzulassungen von Reisebusse des 2. Quartals 2020 zeigt, was ein Reiseverbot auslöst: Ganze 84 Neuzulassungen in 2020 stehen 693 des Jahres 2019 gegenüber. Saisonbeginn, mit dem Frühling blühte auch der Verkauf der Reisebusse auf. Blühte, denn dieses Jahr ist es nicht so. Immer noch gibt es faktisch das Verbot von Busreisen und im zurückliegenden Jahr konnten Busunternehmer mit ihren Reisebussen auch nicht das Geld verdienen, um dieses jahr neue Fahrzeuge anzuschaffen. Auch danach bleibt die Zahl der neu zugelassenen Reisebusse in den beiden folgenden Quartalen deutlich hinter denen des Vorjahres zurück, 143 zu 244 in Q3 und 86 zu 174 in O4. In der Summe ein Minus von 58,4 Prozent im Vergleich zu 2019. Die BDO-Konjunkturumfrage zeigt, warum die Zahlen für den Bereich Bustouristik besonders dramatisch ausfallen. 97 Prozent der befragten Busnternehmer bewerten mit diesem Schwerpunkt im Vergleich zum Vorjahr die allgemeine Geschäftslage als ungünstig. Ein vergleichbares Bild gibt es im Fernbussektor, wo insgesamt 93 Prozent der Unternehmen die Geschäftslage des Jahres 2020 im Vergleich zum vorherigen Jahr als ungünstiger beurteilen. Auch hier setzten die Busunternehmer auf Reisebusse. Für die, die gekämpft haben, folgt nun der nächste Akt der Tragödie: Die Bundesregierung hat die Zahlung vieler Coronahilfen Ende vergangener Woche gestoppt! Es wurde festgestellt, dass sich Betrüger über die Anträge offenbar Millionensummen erschlichen haben. So schnell, wie die Bundesregierung mit dem Zudrehen des Gedhahns gehandelt hat, hat man sie in Sachen Hilfen für die Bustouristik noch nie erlebt. Wieder oder besser weiter werden so Existenzen ehrlicher Unternehmer auf dem Gebiet der Bustouristik aufs Spiel gesetzt. Wo führt das hin? Der Busbranche droht ein Kollaps, keine Frage. Vor dem Hintergrund der Entwicklungen des Jahres 2020 sind die Zahlen für die in Deutschland neu zugelassenen Reisebusse des letzten Jahres keine Überraschung. “Die Verkehrswende und die Klimaziele im Mobilitätssektor stehen auf dem Spiel”, so die eindringlichen Worte der BDO-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard an die Politik. Und nicht nur diese Ziele sind gefährdet, es geht mittlerweile um eine ganze Busbranche, die zweifelsohne am Abgrund steht. Einige Busunternehmer sind schon einen Schritt weiter, den abgemeldeten Reisebusse folgte die Insolvenz und das endgültige Aus. Auch sie werden in diesem Jahr garantiert keine neuen Reisebusse mehr bestellen. (BDO/Chatrou/KBA/PM/omnibus.news/Sr)

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