
Wo ist der Omnibus auf dem Plakat der IAA Transportation? Foto: VDA/IAATransportation
Erinnern Sie sich noch an die internationale Automobil Ausstellung 1989? Man fuhr nach Frankfurt, um sich über die Neuheiten bei Pkw und Nutzfahrzeugen zu informieren. Mit mehr als 1,2 Millionen Besuchern und rund 2.000 Ausstellern ein enormer Zuspruch. Um dem für die nächsten Jahre gerecht zu werden, musste mehr Ausstellungsfläche her. Aber: Das Messegelände in Frankfurt war zu klein. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) musste handeln und beschloss die Aufteilung. Die folgenden Ausstellungen fanden ab 1991 getrennt statt.
1991 fand die erste eigenständige IAA Personenkraftwagen in Frankfurt. Und 1992 die erste eigenständige IAA Nutzfahrzeuge am neuen Standort in Hannover. Dann gab es noch einmal eine wichtige Änderung: Bis 2018 firmierte sie als IAA Nutzfahrzeuge, die neben Lastkraftwagen auch Omnibusse zeigte. Auch 2020 hieß die Messe noch so, sie wurde aber pandemiebedingt abgesagt. In 2021 kündigte der VDA einen neuen Namen an: Aus der IAA Nutzfahrzeuge wurde die IAA Transportation. Der neue Name war also nicht nur ein Rebranding, sondern auch eine Ansage.
Die Busbranche horchte auf, Personen werden befördert, Güter transportiert. Wo ist der Omnibus im Verständnis der Macher der Messe geblieben? Der Omnibus ist nicht mehr ein zentraler Bestandteil der Veranstaltung, sondern nur noch eine von vielen Sparten. Auch wenn er noch im offiziellen Logo und den Key Visuals der Messe verhanden war und ist, auf der Messe selbst hat der Omnibus längst nicht mehr den Stellenwert, den er einst hatte. Die Bushersteller haben inzwischen ihre eigenen Leitmessen und wandten sich nach und nach von der IAA ab.
Für einen Bushersteller ist die IAA nicht mehr zwingend die wichtigste Messe. Für das Busprodukt seien spezialisierte Messen (z.B. Busworld Europe, Brüssel; Bus2Bus, Berlin; InnoTrans, Berlin und ElekBu/Mobility Move) wesentlich interessanter. Vor allem die Busworld ist für die internationale Busindustrie der zentrale Treffpunkt. Dort stehen Busse und deren Zulieferer tatsächlich im Mittelpunkt – nicht Lkw, Transporter, Trailer, Logistik und Ladeinfrastruktur nebeneinander, wie auf der IAA Transportation. Der VDA wusste offensichtlich, dass die Busbranche der IAA abhandenzukommen drohte.
Deshalb kündigte er für 2024 ausdrücklich einen „Bus-Themenpark“ an. Er sollte Busunternehmen, Güterverkehr und Logistik zusammenbringen und unter anderem Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren, Betriebshofplanung, Förderung und Second-Life-Konzepte zeigen. Aber die Resonanz blieb hinter den Erwartungen zurück. Besonders bemerkenswert: Daimler Buses und MAN verzichteten erneut auf eine reguläre Busausstellung. Die Macher der der IAA halten die Busfahne aber im Jahr 2026 immer noch hoch und bespielen das Thema Bus ganz geschickt:
So heißt es, dass noch mehr Komfort auf dem Messegelände die Omnibusse von Daimler Buses, MAN Truck & Bus und BYD sorgen würden. Mit insgesamt sechs neuen Fahrzeugmodellen bieten die Hersteller einen kostenlosen Shuttle-Service für Aussteller sowie Besucherinnen und Besucher an. Die Fahrzeuge fahren während der gesamten Veranstaltungszeit auf einem Rundkurs zwischen allen Hallen und dem Freigelände. Die IAA Transportation haben aber mittlerweile chinesische Bushersteller für sich als Leistungsschau entdeckt, wie omnibnus.news vor zwei Jahren berichtete (Omnibusse auf der IAA Transportation 2024).
Chinesische Hersteller wie BYD, Higer oder King Long spielten vor zwei Jahren auf der IAA plötzlich eine größere Rolle. Sie nutzen die internationale Transportmesse, um den europäischen Markt zu bearbeiten, während etablierte europäische Bushersteller ihre eigentlichen Busaktivitäten auf andere Veranstaltungen konzentrieren. Interessant: Die China NEV Commercial Vehicle Zone. Für 2026 wird eine noch größere gebündelte chinesische Ausstellungsfläche von 12.000 m² angekündigt – 50 % mehr als 2024. Dort werden unter anderem chinesische Elektro-Lkw, Wechselbatterie-Fahrgestelle und Wasserstoff-Lkw gezeigt.
Und auch Omnibusse seien dabei, so heißt es. Für 2024 nennt die offizielle Abschlussbilanz 464 chinesische Aussteller. Das entspricht bei 1.699 Ausstellern insgesamt 27,3 %. Unter den ausländischen Ausstellern stellte China sogar 38 % und war damit mit großem Abstand das wichtigste Herkunftsland. Für 2026 meldete die IAA im Januar zunächst rund 11 % mehr Anmeldungen als zum vergleichbaren Zeitpunkt 2024. Der Anteil ausländischer Aussteller lag bei 70 %, wobei China, Türkei und Italien besonders stark vertreten seien.
Man darf gespannt sein, wie die Zahlen für 2026 aussehen. Was wird man bei einem Rundgang über die IAA Transportation 2026 in den Messehallen und auf dem Feigelände an Omnibussen entdecken? Die legendäre Bushalle 11 mit der geballten Busshow gibt es ja schon lange nicht mehr… 2026 gilt beim Messebesuch also mehr denn je: Augen auf, wenn es um Omnibusse geht! (omnibus.news/VDA/PM/Sr)