Zu Beginn der Elektromobilität waren die Batterien bei MAN in einem Anhänger hinter dem Fahrzeug verbaut. Foto: MAN

MAN startete mit einem 750 HO M10 E ins elektromobile Zeitalter. Foto: MAN

Werbewirksam setzte MAN die Elektrobusse auch im Rahmen der Olympiade 1972 ein. Foto: MAN

Zukünftig werden wir – zumindest im städtischen ÖPNV – rein elektrisch fahren. Was heute eMobility heißt, ist zwar technisch auf der Höhe der Zeit, aber keine neue Erfindung, wie ein Blick zurück in die 1970er Jahre zeigt: Bereits 1970 ging der erste Elektrobus von MAN auf die Linie. 50 Jahre später ist er wieder da, jetzt heißt der Elektrobus Lion’s City E. Im vierten Quartal 2020 sollen die ersten Kundenfahrzeuge aus der Serienproduktion ausgeliefert werden, wie MAN jetzt mitteilt. „Dass wir bereits vor fünf Jahrzehnten als eines der ersten Unternehmen überhaupt auf Elektromobilität gesetzt haben und seit vielen Jahren alternative Antriebe maßgeblich vorantreiben, zeigt die Innovationskraft und den Erfindergeist von MAN“, sagt Rudi Kuchta, Head of Business Unit Bus bei MAN Truck & Bus und ergänzt: „Jetzt, wo Zeit und Markt reif für diese wegweisende Technologie sind und die politischen Rahmenbedingungen passen, können wir unseren Kunden einen E-Bus als Serienfahrzeug bieten, der mit ausgereifter Technik und einem zukunftsfähigen Gesamtkonzept überzeugt. Nicht nur der E-Motor stammt aus unserem Haus, auch die im Elektrobus entscheidenden Kompetenzen, wie beispielsweise die Batterietechnologie, entwickeln wir im Konzern. Zudem stehen wir unseren Kunden mit kompetenter und ganzheitlicher Beratung zur Seite, um ihnen den Einstieg in die Elektromobilität so einfach wie möglich zu gestalten.“ Am 13. Februar 1970 präsentierte MAN gemeinsam mit den Partnerunternehmen RWE, Bosch und Varta nach zweijähriger Entwicklungszeit Pressevertretern aus ganz Deutschland einen rein elektrisch angetriebenen Stadtlinien-Omnibus. Die Präsentation des Modells 750 HO-M10 E fand auf der neuen Teststrecke 1 im Werk München statt. Der Bus sollte „einen positiven Beitrag der Industrie zur Bekämpfung von Luftverschmutzung und Lärm im innerstädtischen Straßenverkehr leisten“, hieß es in einer MAN-Pressemitteilung. Aufgrund der ständig fortschreitenden „Motorisierungswelle“ wurden schon damals Stimmen laut, die herrschenden Zustände in den Städten zu verbessern. Elf Monate nach der Präsentation übergab MAN im Januar 1971 den Prototypen nach eingehender Werkserprobung an die Koblenzer Verkehrsgesellschaft für eine einjährige Testreihe im Linienverkehr. Der Elektrobus, der auf der Linie 7 fuhr, konnte 99 Fahrgäste befördern und hatte eine Reichweite von 50 Kilometern. Die Batterien waren in einem Anhänger untergebracht und gewährleisteten einen Fahrbetrieb von zwei bis drei Stunden. Ein weiterer Einachs-Anhänger mit Batterien stand in einer Wechselstation bereit, damit ein zügiger Austausch stattfinden konnte, sobald die Batterien leer waren. „Dass zwei Anhängermodule mit Batterien zur Verfügung standen, hatte neben der ständigen Verfügbarkeit des Elektrobusses den Vorteil, dass die Batterien mit kostengünstigem Nachtstrom aufgeladen werden konnten“, so Stibbe. Bis Juni 1971 legte der MAN-Elektrobus rund 6.000 Kilometer ohne wesentliche Störung und völlig abgasfrei im Liniendienst in Koblenz zurück. Aber nicht nur in Koblenz kamen Busse mit alternativen Antrieben von MAN zum Einsatz: So wurden 1972 während der Olympiade in München die Athleten in zwei Elektro- und acht Erdgasbussen zwischen Olympiapark und Olympischen Dorf hin- und herchauffiert. Bis zu 20 Stunden täglich drehten die Fahrzeuge ihre Runden und brachten die Spitzensportler aus aller Welt sicher und umweltfreundlich ans Ziel. Zwei Jahre später, am 15. Oktober 1974, übergab MAN die ersten neuen batteriebetriebenen Elektrobusse an die Stadt Mönchengladbach. Bis 1979 waren die Elektrobusse der zweiten Generation vom Typ SL-E dort im Einsatz. Neu waren unter anderem ihre um 50 Prozent erweiterten Batterieeinheiten und das überarbeitete Anhängermodul. Auf diese Weise konnten Reichweiten bis zu 80 Kilometer erzielt werden und der Batteriewechsel vollautomatisch erfolgen. (MAN/PM/Schreiber)

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