Start frei: Volvo schickt den ersten autonomen, rein elektrischen Linienbus in Singapur auf die Straße. Foto: Volvo

Es ist soweit: Nach einer langen Testphase wird nun auf dem Campus der Nanyang Technological University (NTU) in Singapur in den kommenden Monaten der erste rein elektrische und autonome fahrende 12m Linienbus eingesetzt werden. Autonome Busse sind bisher stets kleine Gefäßgrößen der Kategorie Peoplemover gewesen, mit dem Volvo 7900 Electric feiert der erste große autonome Elektro-Linienbus nun seine Weltpremiere. In Singapur haben sich schon Shuttle von Navya bewährt, der große Bruder soll zeigen, dass das auch in der 12m-Kategorie funktioniert. Nicht nur auf dem Gelände der Universität, sondern auch auf öffentlichen Straßen. Singapur hatte 2017 angekündigt, dass man Vorreiter beim autonomen Fahren werden wolle. Volvo hat zusammen mit NTU zwei Linienbusse vorbereitet, seit drei Jahren kooperieren die Schweden mit der Universität. Der Testbetrieb soll laut NTU-Präsident Subra Suresh in den kommenden Monaten beginnen, sobald die zuständigen Behörden die Genehmigung erteilt haben. Basis ist ein konventioneller Elektrobus, Volvo hat zwei 7900 Electric zur Verfügung gestellt.Mit an Bord sind beispielsweise Lichterfassungssensoren (LIDARS), Stereo-Vision-Kameras, die Bilder in 3D aufnehmen sowie ein globales Navigationssatellitensystem, das Echtzeitkinematiken verwendet. Dies ist mit jedem globalen Positionierungssystem (GPS) vergleichbar, es werden jedoch mehrere Datenquellen verwendet, um eine punktgenaue Ortsgenauigkeit von bis zu einem Zentimeter zu erreichen. Außerdem ist das System mit einer „Inertial-Management-Einheit“ verbunden, die wie ein Zwei-in-Eins-Gyroskop und ein Beschleunigungssensor wirkt und die Quer- und Winkelgeschwindigkeit des Busses misst. Dies verbessere die Navigation, wenn der Linienbus beispielsweise über unebenes Gelände oder durch scharfe Kurven fahre, so die Volvo-Ingenieure. Die Sensoren und die Navigationskontrolle werden von einem an der NTU entwickelten System für künstliche Intelligenz erweitert, das  vor Eingriffen von außen geschützt sei, wie es in einer entsprechenden Meldung von Volvo und der Universität heißt. Beim Testen wurden nichts dem Zufall überlassen: Für die Tests wurden verschiedene Straßen der Stadt Singapur nachgeahmt. Inklusive der dazu gehörenden Verkehrszeichen, Bushaltestellen und Fußgängerüberwege. Auch wurde getestet, ob der Bus für das dort herrschende tropische Klima, für Starkregen und überschwemmte Straßen, geeignet ist.

Sicher ist sicher: Für Testfahrten werden zunächst Puppen auf die Straße gestellt… Foto: Volvo

Der NTU-Präsident Professor Subra Suresh sagte: „Dieser vollständig autonome Elektrobus wird eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Zukunft des öffentlichen Verkehrs spielen, die für alle Pendler sicher, effizient, zuverlässig und komfortabel ist.” Håkan Agnevall, Präsident von Volvo Buses, sagte: „Wir sind sehr stolz darauf, unseren Elektrobus mit autonomer Fahrtechnologie präsentieren zu können. Es ist ein wichtiger Meilenstein für die Branche und ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer saubereren, sichereren und intelligenteren Stadt. Der Weg zur vollen Autonomie ist zweifellos ein komplexer Weg, und unsere geschätzte Partnerschaft mit der NTU und LTA ist für die Verwirklichung dieser Vision von entscheidender Bedeutung, ebenso wie unser Engagement, einen Safety-First-Ansatz zu verfolgen. “ Während der Test des ersten Busses auf dem Gelände der NTU geplant ist, wird ein zweiter autonomer 12-Meter-Volvo 7900 Electric-Bus in einem von SMRT verwalteten Busdepot getestet. Es bietet eine reale Umgebung, in der die Fähigkeit des Fahrzeugs beurteilt wird, autonom in Fahrzeugwaschplätzen zu navigieren und an Ladebereichen sicher zu parken. Herr Tan Kian Heong, Managing Director von Buses & Roads Services und Senior Vice President, Human Resources, sagte: „SMRT freut sich, die Forschung und Entwicklung dieser umweltfreundlichen autonomen Elektrobusse zu unterstützen. Im Rahmen des Autonomen Elektrobus-Versuchs werden wir unser Know-how in Betrieb und Wartung von Bussen nutzen und eng mit unseren Partnern zusammenarbeiten, um das für den Betrieb einer Flotte autonomer Fahrzeuge erforderliche Steuerungssystem zu testen. Dies wird uns helfen, mit den neuesten städtischen Mobilitätslösungen zukunftsfähig zu bleiben, um die Erreichbarkeit und Vernetzung unseres öffentlichen Verkehrsnetzes zu verbessern. “ Ein weiterer Partner, ABB, ein wegweisender Technologieführer in der digitalen Industrie und Weltmarktführer bei Schnellladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, wird eine intelligente Schnellladelösung entwickeln. Basierend auf dem OppCharge-Konzept ist das Schnellladesystem HVC 300P von ABB ideal für das autonome Laden in Busdepots sowie für den laufenden Verkehr geeignet. Mit einem Ladestrom von 300 kW über einen an der Infrastruktur montierten Stromabnehmer laden die Schnellladegeräte eine Batterie in nur drei bis sechs Minuten auf. Dies ermöglicht das Laden während der Zwischenzeiten am Ende der Busroute, ohne den normalen Betrieb zu beeinträchtigen. Tarak Mehta, President des Geschäftsbereichs Electrification Products, sagte: „ABB bekennt sich zu technologischen Innovationen für eine nachhaltige Zukunft. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit bei einem solchen wegweisenden Projekt, das einen positiven Schritt in Richtung Elektrifizierung des öffentlichen Verkehrs in der Region und darüber hinaus darstellt. “

Zunächst wird der autonome Bus nurauf dem Campus der Nanyang Technological University (NTU) in Singapur fahren. Foto: Volvo

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