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Solaris hat den Urbino 40 electric in den USA vorgestellt. Foto: Solaris

Optisch unterscheidet sich die Solaris für den nordamerikanischen Markt entwickelte Elektrobus-Baureihe stark von den europäischen Fahrzeugen. Foto: Solaris

Solaris hat am 5. Oktober 2026 auf der APTA TRANSform & EXPO in Chicago den Urbino 40 electric vorgestellt. Der batterieelektrische Stadtbus wurde von Grund auf für den nordamerikanischen Markt entwickelt und markiert zugleich den offiziellen US-Markteintritt des polnischen Herstellers. Die Weltpremiere fand am ersten Messetag um 15 Uhr statt. Mit dem Urbino 40 electric wagt Solaris damit den bislang wichtigsten Schritt außerhalb des europäischen Kernmarktes. Der Hersteller gehört seit 2018 zur spanischen CAF-Gruppe und will deren langjährige Präsenz im nordamerikanischen Markt nutzen.

Solaris kündigt für Nordamerika ausdrücklich bewährte Technologie, lokale Fertigung und einen eigenen Kundenservice an. Der Urbino 40 electric ist dabei nicht einfach ein für die USA modifizierter europäischer Urbino 12 electric. Solaris hat eine eigene elektrische Plattform für den nordamerikanischen Markt entwickelt. Der Bus ist rund 40 Fuß lang und damit etwa 12,4 Meter lang. Die Modellbezeichnung Urbino 40 orientiert sich an der in Nordamerika üblichen Angabe der Fahrzeuglänge in Fuß.

Der Zweiachser ist 2,59 Meter breit und 3,43 Meter hoch. Das technisch zulässige Gesamtgewicht beträgt 20,3 Tonnen. Auch konstruktiv unterscheidet sich der amerikanische Urbino deutlich von seinen europäischen Verwandten. Der Wagen besitzt einen längeren Radstand, eine breitere Karosserie und eine für Nordamerika typische Low-Entry-Ausführung: Im vorderen Bereich befindet sich ein niederfluriger Fahrgastraum, während der hintere Fahrzeugbereich höher liegt. Damit orientiert sich Solaris bewusst an den Anforderungen nordamerikanischer Verkehrsbetriebe.

Die Batteriepakete befinden sich vollständig auf dem Dach. Solaris nennt für den Urbino 40 electric eine Batteriekapazität von 528 kWh. Die Dachanordnung soll unter anderem die Wartung vereinfachen und Vorteile bei der Sicherheit bieten. Zum Einsatz kommt ein integriertes Batterietemperaturmanagement. Solaris nennt für den 40-Fuß-Bus eine Reichweite von mehr als 150 Meilen, also mehr als rund 240 Kilometer. Damit soll der Urbino 40 electric auch für einen kompletten Betriebstag ohne Zwischenladung geeignet sein.

Als Antrieb kommt ein zentral angeordneter Elektromotor zum Einsatz. Solaris bietet Leistungsstufen mit 230 oder 300 kW an. Der Hersteller gibt an, dass der Bus Steigungen von mehr als 20 Prozent bewältigen kann. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 65 mph, also rund 105 km/h. Im Innenraum bietet der Urbino 40 electric bis zu 41 Sitzplätze. Davon sind 22 Plätze aus dem niederflurigen Bereich erreichbar. Hinzu kommen zwei vollständig ADA-konforme Rollstuhlplätze. Die Türen sind im 2-2-Schema angeordnet. Damit will Solaris einen schnellen Fahrgastwechsel ermöglichen.

Breite Gänge und Multifunktionsbereiche sollen gleichzeitig die Barrierefreiheit verbessern. Der Fahrerplatz wurde ebenfalls speziell für den nordamerikanischen Markt entwickelt. Der Urbino 40 electric verfügt über eine vollständig geschlossene Fahrerkabine, ein ergonomisches Cockpit, Außenkameras anstelle konventioneller Außenspiegel sowie Kurvenlicht. Zum technischen Paket gehören außerdem ein von Solaris entwickeltes System zur Batterieintegration und Fahrzeugüberwachung, ein energieeffizientes HVAC-System, das Batteriethermomanagement sowie verschiedene Fahrerassistenzsysteme. 

Der Urbino 40 electric ist allerdings nur der Anfang einer neuen nordamerikanischen Baureihe. Solaris hat bereits einen Urbino 60 electric angekündigt. Dabei handelt es sich um einen rund 60 Fuß beziehungsweise 18,59 Meter langen Dreiachs-Gelenkbus. Auch er basiert auf der neuen Nordamerika-Plattform. Der Urbino 60 electric soll über eine Batteriekapazität von 704 kWh verfügen und wird von zwei Elektromotoren mit jeweils 230 kW angetrieben. Das zulässige Gesamtgewicht liegt bei 32,1 Tonnen. Die maximale Sitzplatzkapazität beträgt 50 Plätze, insgesamt können bis zu 123 Fahrgäste befördert werden. 

Damit entsteht für Nordamerika eine eigenständige Solaris-Elektrobusfamilie mit 40- und 60-Fuß-Bussen. Bemerkenswert ist, dass Solaris den US-Markteintritt nicht erst mit der Premiere in Chicago vorbereitet hat. Die ersten Kunden sind bereits gewonnen. Die ersten batterieelektrischen Solaris-Busse für den US-Markt gehen an King County Metro im Raum Seattle und an die San Francisco Municipal Transportation Agency (SFMTA). King County Metro hat zunächst vier Fahrzeuge bestellt und eine Option auf zwölf weitere Busse.

San Francisco hat zunächst sechs Fahrzeuge bestellt. Beide Verkehrsbetriebe haben sowohl Solobusse als auch Gelenkbusse geordert. Damit verfügt Solaris bereits zum offiziellen US-Debüt über konkrete Referenzkunden. Auch in Kanada ist Solaris längst aktiv. Für TransLink in Vancouver liefert der Hersteller 107 Oberleitungsbusse. Für Solaris ist der Schritt nach Nordamerika strategisch besonders interessant. Das Unternehmen will nicht ausschließlich Fahrzeuge aus Europa exportieren, sondern spricht ausdrücklich von lokaler Fertigung.

Dabei kann Solaris auf die Infrastruktur der CAF-Gruppe zurückgreifen. CAF verfügt in Elmira im US-Bundesstaat New York bereits über einen Produktionsstandort. Solaris nennt diesen Standort als Bestandteil seines nordamerikanischen Produktions- und Unterstützungsmodells. Gleichzeitig sind Details darüber, wie genau die Produktion des Urbino 40 electric organisiert wird, bislang noch nicht veröffentlicht.  Das ist ein wichtiger Unterschied zu einem klassischen Exportmodell: Solaris will auf dem US-Markt offenbar nicht nur Fahrzeuge verkaufen, sondern eine dauerhafte industrielle und serviceseitige Präsenz aufbauen.

Der Schritt in die USA ist für Solaris alles andere als selbstverständlich. Der nordamerikanische Markt folgt bei Abmessungen, Fahrgastkapazität, Barrierefreiheit, Sicherheitsanforderungen und Fahrzeugarchitektur anderen Regeln als Europa. Genau deshalb wurde die neue Plattform entwickelt. Der Urbino 40 electric erfüllt die für den US-Markt relevanten Anforderungen, darunter die FMVSS- und ADA-Vorgaben. Die Konstruktion als Low-Entry-Bus, die vollständig geschlossene Fahrerkabine, die Kamerasysteme und die spezielle Türanordnung sind sichtbare Konsequenzen dieser Marktanforderungen.

Solaris bringt dabei seine Erfahrung aus Europa mit. Nach eigenen Angaben wurden inzwischen rund 30.000 Fahrzeuge in 34 Ländern beziehungsweise rund 900 Städten ausgeliefert. Das Portfolio konzentriert sich zunehmend auf emissionsfreie Fahrzeuge: Batterieelektrobusse, Wasserstoffbusse und Oberleitungsbusse. Die Premiere des Urbino 40 electric ist deshalb mehr als eine weitere Elektrobus-Neuheit. Solaris versucht mit dem Fahrzeug, sich in einem der weltweit wichtigsten Busmärkte zu etablieren – und zwar mit einem eigens für diesen Markt entwickelten Fahrzeug, einer eigenen Plattform und einer geplanten lokalen Produktions- und Service-Struktur.

Der 40-Fuß-Bus ist dabei der erste Baustein. Mit dem angekündigten Urbino 60 electric soll schon bald ein zweites, für den nordamerikanischen Markt typisches Format folgen. Für Solaris ist Chicago damit ein echter Meilenstein: Der Urbino 40 electric ist nicht nur eine US-Version des europäischen Urbino, sondern der Auftakt einer eigenen nordamerikanischen Elektrobusfamilie. (Solaris/PM/omnibus.news)

So sieht der Fahrerarbeitsplatz im nordamerikanischen Urbino electric aus. Foto: Solaris

Blick in den Fahrgastraum des Solaris Urbino 40 electric. Foto: Solaris

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