Dr. Andreas Tostmann, derzeit Markenvorstand bei Volkswagen Pkw für Produktion und Logistik, wird den Vorstandsvorsitz der MAN Truck & Bus SE übernehmen. Foto: MAN

Joachim Drees hat mit dem neuen Lion’s City-Generation eine starke Baureihe auf die Räder gestellt. Foto: Schreiber

Andreas Renschler machte auf der IAA 2016 in Hannover keinen Hehl daraus, dass die Nutzfahrzeugsparte unter dem Dach von Volkswagen weiter expandieren werde. Foto: Schreiber

Gestern Abend gab Volkswagen eine Wachablösung bekannt, die nicht wirklich überraschend kam: Andreas Renschler scheidet um 15. Juli 2020 aus dem Vorstand der Volkswagen AG und dem Vorstand der TRATON SE aus. Die Trennung erfolge im besten gegenseitigen Einvernehmen, eine mittlerweile übliche Floskel in Mitteilungen an die Presse. Dann folgte am späten Abend noch eine zweite Presseinformation, die über die Neuordnung im Vorstand der MAN Truck & Bus SE informierte. Zuvor hatte Andreas Renschler gegenüber der Belegschaft in scheinbar turbulenten Zeiten versöhnliche Worte gefunden, Traton habe eine sehr starke Position erreicht, für ihn gebe es keinen besseren Zeitpunkt, als jetzt die Führung der Lkw-Sparte von Volkswagen in neue Hände zu übergeben. Bis gestern war es unruhig, besonders die Sanierung von MAN bereitete Sorgen, denn noch vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie stand die Ansage im Raum, mehr als 6000 Stellen streichen zu wollen. Mit der Pandemie wurde die Lage noch einmal schwieriger. Jetzt trennt sich der Volkswagenkonzern mit Andreas Renschler von dem Manager, der die Nutzfahrzeugsparten MAN und Scania bündelte und an die Börse brachte. Andreas Renschler hat maßgeblichen Anteil am erfolgreichen Kurs, den der Nutzfahrzeugbereich unter dem Namen Traton eingeschlagen hat. Nach dem erfolgreichen Börsengang von Traton in Frankfurt und Stockholm habe er zusammen mit dem Vorstand die Basis für die zukunftsweisende Aufstellung des Unternehmens gelegt und dafür gesorgt, dass das Unternehmen mit einem starken Netzwerk von strategischen Partnern über Zugang zu allen relevanten Märkten verfüge, erklärte Hans Dieter Pötsch, Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG und Traton SE. Er dankte Renschler ausdrücklich für die seit 2015 geleistete Arbeit und die erzielten Erfolge auf dem Weg der Traton SE zum „Global Champion“. Die Aufgaben von Andreas Renschler werden zukünftig von VW-Personalvorstand Gunnar Kilian und Matthias Gründler, übernommen. Das Handelsblatt vermutet, dass VW-Chef Herbert Diess die Führung der Sparten Lkw und Van umbaut, weil es “wohl Ärger um die Tochter MAN gebe”. Das könnte passen, denn die zweite wichtige Presseinformation spricht von einer Neuordnung des Vorstandsteams der MAN Truck & Bus SE: Dr. Andreas Tostmann, derzeit Markenvorstand bei Volkswagen Pkw für Produktion und Logistik, wird den Vorstandsvorsitz übernehmen. Er folgt auf Joachim Drees, der zum 15. Juli 2020 aus dem Vorstand von MAN Truck & Bus SE sowie Traton SE im besten gegenseitigen Einvernehmen ausscheidet, so der Wortlaut in der entsprechenden Mitteilung. Zudem wird Dr. Martin Rabe, bislang Leiter Organisation, HR Prozesse und IT bei MAN Truck & Bus, auf Prof. Dr. Carsten Intra als Personalvorstand und Arbeitsdirektor folgen. Einen entsprechenden Beschluss habe der MAN-Aufsichtsrat am gestrigen Dienstag getroffen. Der Aufsichtsrat dankte Joachim Drees für die in den vergangenen fünf Jahren geleistete sehr gute Arbeit. Mit Dr. Andreas Tostmann übernehme nun ein ausgewiesener Produktionsexperte mit langjähriger Erfahrung im Volkswagen Konzern das Ruder. Joachim Drees habe einen nachhaltigen Change-Prozess bei MAN initiiert und in den fünf Jahren seiner Zeit als CEO von MAN vorangetrieben. Das Produktportfolio wurde in kurzer Zeit komplett überarbeitet und erfolgreich am Markt gelauncht. Seinem Engagement ist auch der gelungene Einstieg in die Elektromobilität zu verdanken, so die Presseinformation wörtlich. Das scheint aber nicht gereicht zu haben, wie der Führungswechsel deutlich macht. Das Handelsblatt schreibt in diesem Zusammenhang, dass mit der Umstrukturierung der Wettbewerbsnachteil der Münchener Traditionsmarke gegenüber der Konkurrenz ausgeglichen werden sollte. Innerhalb des Konzerns sorgten die von Renschler betriebenen Pläne aber für große Unruhe, fürchteten Betriebsräte doch einen Verlust der eigenen Identität. Der Umbau sei daher nicht vorangekommen, was zu einer massiven Auseinandersetzung zwischen Firmenleitung und Betriebsrat geführt habe, so das Handelsblatt. Von dem Konflikt betroffen war auch Drees, der sich nicht gegen den Betriebsrat durchsetzen konnte, wie das Handelsblatt unter Berufung auf VW-Kreise schreibt. Joachim Drees hatte den Busbereich umgebaut und versucht, die Sparte stärker zu restrukturieren, um die relativ schwachen Gewinnmargen zu erhöhen. Doch das kam bei Vorstand und Betriebsrat scheinbar nicht an. (MAN/Handelsblatt/PM/Schreiber)

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