Filip Van Hool kündigt einen neuen Bus und ein neues Werk an – beides in bzw. für die USA. Foto: Schreiber

Auch den belgischen Bushersteller Van Hool hat die Corona-Pandemie eiskalt erwischt: Dem Produktionsstopp folgten Entlassungen bzw. nicht verlängerte VArbeitsverträge in Mazedonien und Belgien, der Gewinn brach – wie bei anderen herstellern auch – ein. Obwohl die Belgier die Märkte Europas und Amerikas bedienen und mit einem großen Portfolio relativ gut aufgestellt sind, sind sie der Corona-Pandemie gegenüber machtlos. Dabei hat Filip Van Hool alles richtig gemacht: Ein Studium der Wirtschaftswissenschaften und eines der Ingenieurwissenschaften, danach praxisnahe Erfahrungen in Produktion und Verkauf, bevor er in Amerika bei Van Hools Tochter ABC leitende Aufgaben übernahm. Seit 2013 verantwortet Filip Van Hool nun die Geschicke des belgischen Busherstellers, der seine Nische gefunden hat. Auch deshalb, weil der Belgier den Bushersteller neu aufstellte, das Eigenkapital erhöhte und das Werk in Mazedonien initiierte. Und auch jetzt in Zeiten von Corona läuft es, auch wenn nur die Hälfte der Belegschaft arbeiten kann. Eine entsprechend strenge Koronapolitik macht es möglich. In einem normalen Geschäftsjahr fertigt Van Hool (Koningshooikt und Skopje) gut 1.000 Omnibusse. Für dieses Jahr plant Filip Van Hool mit nur noch 500 Einheiten. 2019 sei ein gutes Jahr gewesen und der Umsatz auf 629 Mio. Euro gestiegen, als Bruttobetriebsergebnis nannte der Belgier 32 Mio. EUR und als Netto seien fast 10 Mio. EUR geblieben. Nachdem die beiden ersten Monate gut liefen, kam mit Corona der Einbruch. Seit dem Zwangsstopp der Produktion würden kaum noch Omnibusse die Fabriken verlassen, entweder seien Bestellungen verschoben oder storniert worden. Kein Wunder, denn die Busbranche liegt europaweit am Boden. Einen Gewinn erwartet Filip Van Hool erst wieder in zwei Jahren. Bis dahin seien es die Banken, die mit ihren Krediten die Zukunft von Van Hool sichern würden. Und auch das Eigenkapaital würde nun dazu dienen, weiter am Markt bestehen zu können, wie der Belgier voller Stolz erklärt. Auch wenn ein Geschäft mit 300 Bussen für die USA storniert wurde, ein kleines bisschen Hoffnung macht der Auftrag über 82 Doppeldecker für kalifornische HighTech-affine Kunden sowie 39 für das Kennedy Space Center. Aber: Wenn diese Fahrzeuge ausgeliefert sind, dann seien wirklich alle Aufträge für den amerikanischen Markt abgearbeitet. Für Europa seien aktuell noch Trolley- und Hybridbusse in der Produktion, für den Herbst seien bis jetzt aber keine neuen Aufträge für Reisebusse da. Der Plan, in den USA in Tennessee ein neues Werk für den amerikanischen Markt zu errichten, ist vorerst auf Eis gelegt. Die geplante Investition von 40 Millionen sei derzeit nicht darstellbar, in Zeiten, wo Arbeitsplätze abgebaut bzw. befristete Verträge nicht verlängert werden, müsse man jede Investition neu überdenken. Und weil das letzte große Geschäft mit 300 Omnibussen für Amerika weggebrochen sei, sei dort auch aktuell keine Fabrik mehr angedacht. Weil das Eigenkapital in den letzten Jahren immer weiter aufgestockt wurde, könne Van Hool nun davon zehren, wie Filip Van Hool sagt. Ohne diese 140 Millionen Euro hätte Van Hool heute wohl ein riesiges Problem und vermutlich mehr als nur ein dickes blaues Auge. (DeTijd/VanHool/PM/Schreiber)

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