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Rafael Kisel, Präsident der Volvo Group México, war zur Premiere der mexikanischen 9700er nach Göteborg angereist. Foto: Schreiber

Volvo Buses lässt die 9700er Baureihe (rechts) für Europa jetzt auch in Mexiko bauen. Links die 9700er Version von Carrus Delta mit Elektroantrieb. Foto: omnibus.news

Optisch wird die 9700er-Baureihe (links im Bild) noch der Formensprache der neuen 9800er angepasst werden. Foto: omnibus.news

Auch wenn Anna Westerberg, die Verantwortliche für das Busgeschäft der Volvo Group, beim Comeback der 9700er-Baureihe in Göteborg nicht dabei war: Die Strategie von Volvo Buses ist dennoch klar und bedarf keiner Worte: Nach der Transformation des Busgeschäfts wollen die Schweden mit dem 9700 wieder gezielt im europäischen Reisebusgeschäft wachsen. Die Rückkehr der Baureihe ist Teil einer umfassenderen Neuausrichtung des Reisebusprogramms. Die wieder ins Programm genommene 9700er-Baureihe kommt aus Mexiko.

Zur Europa-Premiere war eigens Rafael Kisel, Präsident der Volvo Group México, nach Göteborg angereist. Der neue 9700 ist ein alter Bekannter. Er soll vor allem die klassischen Einsatzbereiche im Überland-, Fernlinien- und Reiseverkehr abdecken – also jene Segmente, in denen ein effizienter Diesel-Reisebus trotz der zunehmenden Elektrifizierung weiterhin gefragt ist. Kisel sagte gegenüber omnibus.news, dass Volvo Buses das Reisebusangebot in Europa wieder ausbauen und Marktanteile zurückgewinnen wolle.

Neben dem 9700 kommen deshalb auch der BZR Electric CD für den elektrischen Reisebusbereich und der B13R mit Marcopolo-Paradiso-G8-Aufbau hinzu. Volvo Buses bleibt dabei seinen Wurzeln treu und liefert ein batterieelektrisches Chassis an Carrus Delta, damit die Finnen einen E-Reisebus der 9700er-Familie bauen können. In der neuen Namensgebung wird der E-Reisebus als BZR Electric – also als Bezeichnung für das E-Chassis – mit dem Zusatz CD für Carrus Delta geführt.

Die mexikanischen 9700er wurden einst gerne als „Neunsiebener“ bezeichnet, firmieren aber auch in ihrer Neuauflage weiterhin offiziell als 9700. „Ich freue mich, dass wir die nächste Generation des Volvo 9700 bauen dürfen, die sich bei Busunternehmen, Fahrern und Fahrgästen über viele Jahre hinweg einen hervorragenden Ruf erarbeitet hat“, sagte Kisel in Göteborg. Technisch hat Volvo den 9700 weiterentwickelt. Die Baureihe erhält eine neue Einzelradaufhängung.

Der maximale Lenkeinschlag des kurveninneren Rades wurde von 54 auf 56 Grad vergrößert. Gleichzeitig steigt die Tragfähigkeit der Vorderachse von 7,5 auf 8,2 Tonnen. Zusammen mit Volvos Dynamic Steering sowie den aktuellen Assistenz- und Sicherheitssystemen soll sich daraus ein komfortables Fahrerlebnis für Fahrer und Fahrgäste ergeben. Für den Antrieb sorgt der bewährte 13-Liter-Motor von Volvo. Er ist in den Leistungsstufen 420 PS, 460 PS und 500 PS erhältlich.

Alle Varianten sind für erneuerbare Kraftstoffe wie HVO und Biodiesel geeignet und mit der neuesten Generation des automatisierten 12-Gang-Getriebes Volvo I-Shift kombiniert. Während Volvo Buses im Stadtbusgeschäft konsequent auf Elektromobilität setzt, zeigt sich der Hersteller beim Reisebus pragmatischer. Der neue 9700 bleibt beim konventionellen Antrieb, parallel dazu baut Volvo mit dem BZR Electric das elektrische Angebot in diesem Segment aus. Mit dem 9700 schickt Volvo Buses einen alten Bekannten mit der bekannten Flexibilität zurück auf die Straße.

Unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten mit entsprechend angepassten Ausstattungen sollen weiterhin möglich sein. Die Baureihe ist in drei Längen von 12,4, 13,1 und 13,9 Metern sowie in den Konfigurationen 4×2 und 6×2 erhältlich. Sicherheit gehört bei Volvo zum Markenimage und ist ein wichtiger Bestandteil des Busportfolios. Der Volvo 9700 verfügt über die bekannten Fahrerassistenzsysteme, die dazu beitragen sollen, Unfälle zu vermeiden und die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Im gesamten Reisebus können die Fahrgastsitze mit Dreipunktgurten ausgestattet werden. Zudem stehen ISOFIX-Verankerungspunkte, Sitzerhöhungen und integrierte, rückwärtsgerichtete Kindersitze zur Verfügung. Optisch bleiben die 9700er ihrer bisherigen Linie zunächst treu. Das Design wurde bereits 2018 vorgestellt. Nach der Einstellung der in Polen gefertigten Komplettbusse sollten die 9700- und 9900-Reisebusse zunächst in Lizenz beim spanischen Bushersteller Sunsundegui gefertigt werden.

Nach dessen Insolvenz musste Volvo Buses umdenken. Heute fertigt Carrus Delta die 9700er für die Anforderungen des skandinavischen Marktes. Die Reisebusse aus dem mexikanischen Werk sind für alle anderen europäischen Kunden vorgesehen. Die Fahrgestelle des Typs B13R, die die rollende Basis für die 9700er-Baureihe bilden, werden weiterhin im schwedischen Volvo-Werk in Borås gefertigt. Als zerlegte Bausätze werden sie nach Tultitlán geliefert. Dort entstehen die Reisebusse für Europa gemeinsam mit der 9800er-Baureihe auf einer Produktionslinie, wie Kisel erklärt.

Lediglich der Rohbau der Karosserien erfolgt getrennt, denn die Fahrzeugbreite erlaubt kein gemeinsames Schweißen auf einer Produktionsstraße. Für 2026 hat Volvo Buses zunächst 30 Fahrgestelle für die Produktion in Mexiko bestellt, um ausreichend Fahrzeuge für Vorführzwecke zur Verfügung stellen zu können. Eine Jahresproduktion von bis zu 200 Einheiten ist darstellbar, wie Kisel erklärt. Gleichzeitig könne man flexibel auf die Entwicklung der Marktnachfrage reagieren.

Erste Kundenfahrzeuge seien bereits aus Italien, Frankreich und dem Vereinigten Königreich bestellt worden. Das erklärt auch die in Göteborg gezeigte Rechtslenker-Variante des 9700. Bleibt die Frage: Kommt auch der 9900 zurück? Noch fehlte das Premiummodell mit Theaterbestuhlung im Portfolio, das Volvo Buses im Kundenzentrum und auf dem Testgelände in Göteborg präsentierte. Vertreter von Carrus Delta ließen hinter vorgehaltener Hand durchblicken, dass man auch das Premiummodell wieder ins Programm aufnehmen wolle.

Bei Volvo Buses blieb es dagegen bei einer diplomatischen Auskunft: Der Markt für den 9900 werde derzeit geprüft. Was bereits entschieden sei, ist ein neuer optischer Auftritt für die 9700er-Baureihe. Sie soll sich künftig stärker an der 9800er-Baureihe orientieren. Parallel zu den beiden aus Mexiko angereisten 9700ern stellte Volvo Buses zwei E-Reisebusse für Testfahrten zur Verfügung. In der Halle war außerdem die neueste Version des B13R-Fahrgestells zu sehen, das bereits vor vier Wochen in die Serienproduktion gegangen ist.

Mehr Details zum überarbeiteten Fahrgestell sowie weitere Informationen zu den 9700ern aus Mexiko und dem E-Reisebus aus finnischer Fertigung samt detaillierter technischer Daten gibt es in weiteren Meldungen in der kommenden Woche hier auf omnibus.news. (Volvo Buses/omnibus.news/Sr)

Die nächste 9700-Baureihe hat eine neue Einzelradaufhängung an der Vorderachse erhalten. Foto: omnibus.news

Der Fahrerarbeitsplatz der 9700er-Baureihe. Foto: omnibus.news

Der Fahrgastraum wurde minimal überarbeitet, so gab es ein neues Servicesetz und eine höhere Abtrennung vor der ersten Sitzreihe. Foto: omnibus.news

 

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