Die neue Citea-Generation feiert auf der InnoTrans in Berlin ihre Weltpremiere. Foto: VDL

Bislang wurde nur ein Versuchsträger gesichtet, wie das Foto des Erlkönig-Fotografen Stefan Baldauf in Südeuropa zeigt. Foto: SB-Medien/Baldauf

Im Mai 2021 hat VDL die neue Citea-Baureihe enthüllt. Foto: Scrennshot VDL/omnibus.news

Am 27. Mai 2021 fand die digitale Weltpremiere der neuen Citea-Generation von VDL statt. Vieles sei anders, so Henk Coppens, seinerzeit der Geschäftsführer der VDL Bus & Coach und Senior Vice President VDL Groep, anlässlich der  Vorstellung.

Eine Stunde lang nahmen sich die Niederländer Zeit, um aus einem schmucken Studio, das die typische Handschrift der VDL-Messestände erkennen ließ, die neue Baureihe vorzustellen und Fragen zu beantworten. Wie er die neue Baureihe mit nur drei Worten beschreiben würde, wollte omnibus.news seinerzeit wissen. Henk Coppens antwortete etwas ausschweifender, um dann aber doch mit nur drei Worten die Frage zu beantworten: Citea – Zero – Compromise.

Diese drei Worte spiegeln sehr gut die Philosophie, die die Niederländer bei der Konzeption der neuen Baureihe zugrunde gelegt haben. Kein vorhandenes Gefäß, sondern ein komplett neuer Bus, modular aufgebaut und mit revolutionären Neuerungen: Batterien im Fahrzeugboden, eine aus einem Stück gefertigte Verbundseitenwand, ein intelligentes Energiemanagement sowie ein ausgeklügeltes Klimasystem und eine ergonomische Fahrerumgebung.

Spannend, im wahrsten Sinne. Die Buswelt musste über ein Jahr warten, zahlreiche Auszeichnungen u.a. für das Design und viele Kundenbestellungen erhielt VDL – die Weltpremiere mit dem neuen Citea zum Anfassen hat aber noch nicht stattgefunden!

Noch nicht, denn nun scheinen die pandemiebedingten Absagen von Bus-Fachmessen der Vergangenheit anzugehören. Die InnoTrans und IAA Transportation im September 2022 hoffen auf ein Plus bei den Besucherzahlen. Für die Buswelt ist es die InnoTrans, die die interessantere Fachmesse sein wird.

Hier zeigt u.a. VDL die neue Citea-Generation. In Berlin wird der Elektrobus LF122 enthüllt werden. Alex de Jong, Business Manager Public Transport: “Mit der neuen Generation des VDL Citea bietet VDL eine ÖPNVProduktpalette, bei der es keinen Grund gibt, auf einen emissionsfreien ÖPNVBus zu verzichten.”

Aufsehen erregte VDL im Vorfeld der neuen Elektrobus-Baureihe beim Thema Reichweite: 500 bis 600 km Reichweite kündigten die Niederländer an. Das ist durchaus als Ansage zu verstehen, denn diese Reichweite wird beispielsweise von den Elektrobussen der deutschen Hersteller nicht erreicht.

Und selbst bei starkem Frot von -15 Grad Celsius schaffe der neue E-Citea noch mindestens 250 km, so VDL. Vieles ist neu im elektromobilen Zeitalter, so wird aus Treibstoffverbrauch in ­Litern wird Energie in Kilowattstunden. Die Batteriekapazität allein sagt wenig über das Leistungsvermögen und die Reichweite eines Elektrobusses aus, es ist der Energieverbrauch, der maßgeblich ist.

Und der wird bei ­einem Stromer sehr stark vom Kühlen und Heizen des Fahrgastraumes beeinflusst. Jetzt aber Zettel und Stift raus: Maximal 600 km bedeutet, dass die neue Baureihe mit Batterien von mindestens 450 kWh ausgestattet sein muss, damit die Rechnung aufgeht.

Und die Batterien werden natürlich nicht gen Null aufgebraucht bzw. entladen, der nominelle Wert von vermuteten 450 kWh kann nicht als Grundlage für das Rechenexempel verwendet werden. So sind dann bei einem Verbrauch von 0,6 kWh pro Kilometer rein rechnerisch die angegebenen 600 km locker darstellbar – 600 x 0,6 = 360 kWh.

Bei einem Batteriepaket von nominell 450 kWh sind sich Experten unisono einig, dass 360 kWh auf jeden Fall problemlos zum Fahren genutzt werden können. Und auf der Straße, also im realen Einsatz? Da kommt doch noch die Klimatisierung bzw. das Heizen des Fahrgastraumes hinzu.

Für das Thermomanagement gehen die Hersteller von Elektrobussen unterschiedliche Wege, was VDL für die neue Generation plant, ist offiziell noch nicht bekannt. Bei einer Außentemperatur von minus zehn Grad Celsius verdoppelt sich der Energieverbrauch eines Elektrobusses im Vergleich zu Fahrten, bei denen nicht geheizt werden muss.

Daher haben die Ingenieure der Elektrobushersteller ihr Augenmerk auf das Thermo­management gelegt. Geht man in der Rechnung für den Winterbetrieb wieder von 360 kWh aus, die für 250 km zur Verfügung stehen, dann kann die neue Elektrobusgeneration 1,44 kWh pro Kilometer verbrauchen, um die angegebene Reichweite zu schaffen und den Linienbus zu klimatisieren.

Auch diesen Wert sehen Experten als realisitisch an. Zum Vergleich: 101,65 kWh für 100 km haben Tester mit entsprechenden Messgeräten und unter Berücksichtigung von Ladeverlusten und Alltagsbedingungen für den eCitaro von Mercedes-Benz samt Stahlkarosserie – im wahrsten Sinne des Wortes – erfahren.

VDL ist in Berlin auf dem Freigelände präsent, wo die neue Generation auf dem so genannten BusDisplay vorgestellt werden wird. Henk Coppens machte seinerzeit mit Blick auf die Pandemie und die Auswirkungen auf die weltweiten Geschäftsbeziehungen deutlich, dass für VDL die Fertigungsindustrie in Westeuropa eine Zukunft habe.

Dieser Philosophie folgend habe die VDL Groep die Produktion für die neue VDL Citea-Generation entsprechend eingerichtet. Die Komponenten, die zusammen mehr als 80% des Busgewichts ausmachen, würden aus einem Umkreis von 1.250 km um die Montagelinien aus westeuropäischen Ländern geliefert werden, so VDL.

Der einzige Transport nach der Montage ist die Auslieferung an den Kunden, der den Elektrobus anschließend in Betrieb nimmt. Bedenkt man, dass beim Straßentransport pro Tonnenkilometer über 60g CO2 ausgestoßen werden und beim Seetransport bis zu 20g CO2, wird deutlich, dass durch eine Optimierung der lokalen Zulieferkette die Umweltbelastung erheblich gesenkt werden könne. (VDL/InnoTrans/omnibus.news/Sr)

VDL kann rein rechnerisch die Reichweite von 600 km mit dem neuen Elektrobus schaffen. Foto: VDL, Grafik: omnibus.news

VDL informierte im letzten Jahr mit einem kurzen Film über die sozialen Netzwerke über den Wintertest der neuen Citea-Generation. Foto. Scrrenshot VDL/omnibus.news

Zum neuen Fahrerplatz gibt es auch eine entsprechende Kabine. Foto: VDL, Montage: omnibus.news

Die Amsterdamer Verkehrsbetriebe (GVB) bauen, wie viele andere Betriebe auch, ihre Elektrobusflotte mit Citea der neuen Generation von VDL weiter aus und haben im Vorfeld schon bestellt. Foto:VDL

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