Der Wrightbus Doppeldecker namens mit Brennstoffzellenantrieb feierte auf der Bus Expo 2018 seine Premiere. Foto: Schreiber

Im Innenraum merkt der Fahrgast nichts vom Brennstoffzellenantrieb. Foto: Schreiber

Wrightbus hat noch einmal 50 Brennstoffzellenantriebseinheiten für Doppeldecker bei Ballard Power Systems bestellt. Foto: Wrightbus

Elektrische Doppeldecker im Linienverkehr? Oder wohlmöglich schon mit Brennstoffzelle? Gibt es schon, ein Blick auf die Insel zeigt, dass es gleich mehrere Hersteller sind, die dieses Segment bedienen. Hintergrund sind die ambitionierten Pläne der britschen Regierung, den ÖPNV neu zu strukturieren und dabei 4.000 in Großbritannien gebaute Batterie- und Wasserstoffbusse anzuschaffen. Der Doppeldecker ist eine gängige Gefäßgröße, mit Alexander Dennis Ltd (ADL) in Kooperation mit BYD, Optare und Wrightbus haben bekannte Hersteller den Bedarf erkannt und jeweils spannende Doppeldecker auf die Räder gestellt. ADL, aktuell mit einer Lieferung von 200 konventionell angetriebenen Doppeldeckern an die Berliner Verkahrsbetriebe beschäftigt, könnte ganz im Sinne der Berliner nachlegen: Die Schotten bereiten einen Doppeldecker mit Brennstoffzelle vor, der eine Reichweite von bis zu 300 Meilen (knapp 500 Kilometer) haben soll. Er werde von einem Ballard-Brennstoffzellen-Leistungsmodul über ein Voith Electrical Drive System (VEDS) angetrieben. Der in Großbritannien entworfene und auch auf der britschen Insel komplett gefertigte neue Doppeldecker läute auch die nächste Generation von Doppeldeckern bei ADL ein. Das Doppeldecker-Projekt hört auf den Namen H2.0 und soll voraussichtlich noch vor Jahresende auf der Straße sein. Technische Details gibt es noch nicht. Optare will erste vom Elektro-Doppeldecker abgeleitete Metrodecker H2, wie die Brennstoffzellen-Doppeldecker heißen, noch dieses Jahr auf die Straße schicken. Basis ist die vorhandene BEV-Plattform, 90 Personen sollen mitfahren und laut Optare zwischen 320 bis 400 Kilometer weit kommen. Weitere technische Daten, auch zur Lage der Tanks und zum Fassungsvermögen, nennt Optare nicht. Arcola Energy, Lieferant des Brennstoffzellen-System, ließ aber durchblicken, dann man speziell für die Stelle der Batteriepacks ein Brennstoffzellen-Paket entwickelt hätte. Gefertigt werden die Brennstoffzellen in Liverpool und im Michelin Scotland Innovation Parc in Dundee. Die H2-Doppeldecker werden von Optare in Leeds gemeinsam mit dem Metrodecker EV auf eine Linie montiert. Interessant: Optare betont, dass die H2-Doppeldecker aber nicht nur in Großbritannien angeboten werden sollen, sondern auch ein Linkslenker für den internationalen Markt vorbereitet werde. Ob Deutschalnd und Berlin ein potentieller Markt wäre? Optare sieht Bedarf in Ländern mit hohen Umgebungstemperaturen, denn hier seien Brennstoffzellen besser geeignet als Batterien, wenn eine dauerhaft hohe Leistung der Klimaanlage gefordert sei. Wrightbus ist schon einen Schritt weiter: 50 StreetDeck FCEV wird der irische Bushersteller fertigen. Mit an Bord sind Bfrennstoffzellenmodule von Ballard Power Systems. Der StreetDeck FCEV feierte auf der Euro Bus Expo 2018 seine Premiere. Der 10,7 m lange Doppeldecker von Wrightbus bietet 64 Sitzplätze, in der Basis-Version liegt die Reichweite bei rund 320 km, optional bei 420 km, wie die Iren mitteilen. Wrightbus setzt neben dem BZ-System FCVelocity von Ballard Power Systems auf einen Antriebsstrang von Siemens. Mehrere britische Städte haben nach Angaben von Wrightbus zahlreiche Doppeldecker mit Brennstoffzellenantrieb bestellt, darunter Birmingham, Aberdeen und London. Die britische Regierung hatte entsprechende Unterstützung bei der Erneuerung und Umstellung des ÖPNV-Fuhrparks zugesichert, außerdem werden die Doppeldecker mit Brennstoffzellenantrieb noch teilweise im Rahmen des JIVE-Programms (Joint Initiative For Hydrogen Vehicles Across Europe) finanziert. Das JIVE-Programm bietet eine Teilfinanzierung für insgesamt 295 Brennstoffzellen-Elektrobusse, von denen 120 derzeit in Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Lettland und den Niederlanden im Einsatz sind. Die restlichen 175 FCEBs sollen bis Mitte 2022 in verschiedenen europäischen Städten eingesetzt werden. Ballard liefert Brennstoffzellenmodule für mehr als 85 % der FCEBs, die bisher im Rahmen des JIVE-Programms eingesetzt und bestellt wurden. Ballard Power Systems teilte in diesem Zusammenhang mit, bei mehr als 85 Prozent der bisher im Rahmen des JIVE-Programms ausgelieferten oder bestellten BZ-Fahrzeuge die Module zu liefern. Die spannenden Elektrifizierungspläne der Briten sind aber nur ein Teilaspekt des neuen britischen Bus-Strategiepapiers. Die neuen Omnibusse sollen die Fahrgäste „häufiger, zuverlässiger, verständlicher, besser koordiniert und preiswerter“ zu ihren Zielen bringen. Und, wer weiß, vielleicht profitiert dann ja auch noch die deutsche Hauptstadt von diesen ambitionierten Plänen und kann schneller als gedacht Doppeldecker mit batterieelektrischem oder sogar einem Brennstoffzellen-Antrieb bestellen. (ADL/BallardPowerSystem/BYD/Optare/Wirghtbus/JIVE/PM/Sr)

Optare bietet den Metrodecker BEV auch mit Brennstoffzellenantrieb an. Foto: Optare

ADL kündigt eine neue Doppeldecker-Baureihe mit Wasserstoffantrieb noch für dieses jahr an. Foto: ADL

Volvo B5LHC Euro Bus Expo Birmingham

Schon 2016 zeigt Wrightbus auf der Bus Euro Expo in Birmingham einen Elektro-Hybrid-Doppeldecker – Basis der bekannte Boris-Bus mit Volvo-Technik und Aufbau von Wrightbus. Foto: McGillivray

 

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