Der Tourrider wurde speziell für den nordamerikanischen Markt entwickelt. Foto: Screenshot Daimler/omnibus.news

Typische Markenwerte werden auch zukünftige Omnibusse von Mercedes-Benz immer wieder zieren. Foto: Screenshot Daimler/omnibus.news

Typisch amerikanisch: Hecktoilette und viel Unterhaltung – Daimler bietet jetzt noch das Glasdach für beste Aussichten aus dem Tourrider an. Foto: Screenshot Daimler/omnibus.news

Der Tourrider ist da! Tourrider klingt ein bisschen wie Easyrider und wird auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten fahren. Wieder war es eine online-Veranstaltung, die mit 19 Uhr deutlich machte, dass die Zielgruppe nicht unbedingt in unserer Zeitzone zu finden ist. Der Tourrider von Mercedes-Benz will mit dem positiv konnotierten Werten des Sterns das Herz amerikanischer Busunternehmer erobern.

Und denen wurde die große Freiheit mit einem Einspielfilm noch einmal verdeutlicht, Natur pur, dazu Hochhäuser in Großstädten – dass die instrumentalen Klänge im Hintergrund an Paradise von Coldplay erinnerten, soll vermutlich an eben solche Zustände erinnern, die Fahrgäste wie Unternehmer gleichermaßen erwarten dürfen.

Enttäuschend, aber vor dem Hintergrund des erreichten Markenwertes verständlich, ist die Tatsache, dass die Reisebusse der Marke Setra mit der Einführung des Tourrider von Mercedes-Benz in Nordamerika nicht mehr angeboten werden. Till Oberwörder, Leiter von Daimler Buses und Vorsitzender der Geschäftsführung der EvoBus GmbH, machte während der Vorstellung der neuen Baureihe aber deutlich, dass der Service für Setra so lange bestehen bleibe, wie Fahrzeuge auf dem Markt in Nordamerika auf der Straße unterwegs wären.

Zum Start bietet Daimler den Tourrider in zwei Ausführungen an: Business und Premium, wobei der Name jeweils Programm ist. Die Dreiachser sind 2,6 m breit und 13,71 m lang, was dem bekannten Maß von 45ft in Amerika für Reisebusse entspricht. Werden die Absorber-Stoßfänger mitgemessen, dann sind es 13,92 m bzw. 45,8 ft. Die im türkischen Hosdere bei Istanbul produzierte Baureihe erhält auf einer eigenen Linie im Werk ein Gerippe aus Edelstahl. Und die neueste Elektronikplattform, was den Tourrider nach dem Integro zum ersten Reisebus im Konzern macht, der auch mit dem neuesten Notbremsassistenten (Active Brake Assist 5) vorfährt.

So dürfte der Stern in Nordamerika richtig glänzen, denn kein anderer Reisebus kann dort aktuell eine automatisierte Vollbremsung auf sich bewegende Personen ausführen. Eine Zusatzfunktion des Active Brake Assist 5 ist der radargestützte Abstandsregel-Tempomat, der beim Tourrider Premium serienmäßig mit an Bord ist. Er entlastet den Fahrer auf Fernstraßen, denn das Assistenzsystem erkennt ein langsameres Fahrzeug voraus, bremst es den Omnibus automatisch ab, bis ein vom Fahrer vorgewählter geschwindigkeitsabhängiger Abstand erreicht ist, den das System dann konstant einhält. Zu den weiteren Sicherheitsausstattungen des Tourrider gehört beispielsweise noch der optionale radargestützte Abbiege-Assistent Sideguard Assist mit Personenerkennung.

Wem das noch nicht reicht, den könnte dann vielleicht das Mehr an Höhe der Premium-Version überzeugen, ganze sechs Zentimeter bzw. 2,34 inch mehr gibt es hier. Optional ist das Glasdach namens Top Sky Panorama erhältlich. Auch optional ist die Ambientebeleuchtung, bei der LED-Streifen links und rechts unterhalb der Gepäckablagen sowie unterhalb der Fensterbrüstung entlang für eine entsprechende Stimmung sorgen können.

Für den nordamerikanischen Markt verbaut Daimler Buses in beiden Varianten das vor Ort gewünschte 6-Gang-Wandlergetriebe von Allison vom Typ WTB 500R. Als Antrieb kommt der bekannte Reihensechszylinder Mercedes-Benz OM 471 zum Einsatz – aus 12,8 l Hubraum schöpft der Tourrider 450 PS (336 kW) und erreicht ein maximales Drehmoment von 2.300 Nm. Differenziert wird zwischen Business und Premium bei den Scheinwerfern, beim Tourrider Business gibt es Kalottenscheinwerfer, um dem Premiumanspruch gerecht zu werden, gibt es hier Voll-LED-Integralscheinwerfer. Ähnlich verhält es sich bei den Spiegeln,neben den direkt an der Karosserie verschrauben Kunststoffgehäusen gibt es die aus Europa bekannten langen und hochgehängten Spiegelarme des Tourismo in Karosseriefarbe.

Unterschieden beim Fahrerplatz gibt es auch, die Cockpits der Business- und Premium-Variante sind in Design und Aufbau sowie in ihrer Ausstattung verschieden: Der Tourrider Business hat das funktionelle Cockpit Basic Plus, in derPremium-Version wird das durchaus als luxuriös zu bezeichnende Cockpit Comfort Plus verbaut. Eine 360 Grad-Kamera soll das Rangieren vereinfachen und dem Fahrer mehr Sicherheit geben, wenn er die seitlichen Bereiche des Busses einsehen kann.

Als Sitze – serienmäßig bietet der Tourrider 56 Fahrgastplätze, darstellbar sind aber 46 und 60 Plätze – setzt Daimler Buses beim Tourrider auf hauseigene Produkte, in der Serienausstattung ist der Mercedes Benz Travel Star Eco in der Business-Version verbaut. Haltegriff, verstellbare Rückenlehne, gangseitig schwenkbare Armlehne und eine Fußstütze gehören dazu, optional gibt es einen Klapptisch an der Rückenlehne, ein Gepäcknetz oder einen Abfallbehälter. Der Tourrider Premium erhält die Mercedes-Benz Travel Star Xtra mit Luxline-Polsterung. Stoff, Lederfasermaterial Composition und Zusammenstellungen daraus oder verschiedene Dekore – dieser Sitztyp bietet zahlreiche Optionen.

Weil der Markt im Reisebusbusgeschäft 45 ft verlange, sei diese Gefäßgröße zum Start gewählt worden, so Till Oberwörder. Das modulare Konzept der völlig neuen Baureihe namens Tourrider erlaube aber auch andere Längen, wie Daimlers Bus-Boss deutlich machte. Weitere Angaben zum Ausbau des Tourrider-Portfolios gab es anlässlich der online Veranstaltung nicht, auch ein Basis-Listenpreis wurde nicht kommuniziert.

So gar nicht in das durchdachte Konzept der Weltpremiere passen einige Passagen in der Pressemappe: “Der Tourrider Business trägt anstelle des Fensters einen V-förmigen schwarzen Schild. Dessen strukturierte Fläche mit Lamellen ist eine Verbeugung vor der Form früherer amerikanischer Muscle Cars.” Ganz ehrlich, der Bus hat weder Muskeln, noch ist er ein Auto. Aber, Retroautos sind wieder im Trend in Amerika, aber von einem gedrungenen Coupé mit übertrieben viel PS unter der Haube und weit ausgestellte Radkästen oder ähnlichen optischen Attributen ist selbst die Business-Version auch mit einem v-förmigen Schild weit entfernt – zum Glück!

Der Designer Stefan Handt hat die Front des Tourrider und hier insbesondere den markentypischen Grill samt Stern sauber freigelegt und optisch in Szene gesetzt, das kommt in Amerika kann. Der neue Reisebus für Nordamerika ist sofort auf den ersten Blick als Produkt von Mercedes-Benz zu erkennen. Markentypisch ist der chromgefasste Grill mit Stern an zentraler Stelle, neu die optische Darbietung.

Wer das Heck des Tourismo kennt, der erkennt es beim Tourrider wieder. Vor vier Jahren bei der Tourismo-Premiere in Brüssel wurde das Heck als “Rücken mit kräftigen Schulterblättern und einer V-förmigen Einpressung” und einer “Lineinführung, die Ästheten mit der Form mit einer ionischen Säule vergleichen würden” dargeboten. Aber der Tourrider ist ja ein Bus für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, vielleicht kann man dann ein nahezu identisches Heck (bis auf eine Klappe in der Stoßstange) dann auch Verbeugung vor der Form der Muscle Cars darstellen.

Ab 2022 wird der neue Tourrider in Nordamerika vertrieben, der Verkaufsstart ist für Oktober geplant. Den Vertrieb übernimmt Daimler Coach North America, Service und Ersatzteile hingegen liefert die Truck-Sparte von Daimler. Auf die Nachfrage von omnibus.news, wie es im boomenden elektrobusmarkt Nordamerikas um eine Hybrid- oder elektrische Variante gestellt sei, antwortete Till Oberwörder, dass man sich zunächst auf den Launch des Tourrider mit Dieselaggregat konzentriere, den Markt aber genau beobachte und natürlich noch etwas Spannendes vorbereite. (DaimlerBuses/Mercedes-Benz/omnibus.news/Sr)

Die Omnibusse der Marke Setra wurden in Nordamerika mit Stern vermarktet, um die Wertigkeit noch weiter zu erhöhen. Foto: Screenshot Daimler/omnibus.news

Weltpremiere online ohne Bus auf der Bühne, der war schon auf dem Seeweg in die USA. Trotzdem konnten Orhan Dönmez (Projektleiter Coach North America), Moderatorin Jasmine Blair, Till Oberwörder und Dr. Thomas Rohde (CEO Daimler Coaches North Amerika) alle Details der neuen Baureihe vorstellen. Foto: Screenshot Daimler/omnibus.news

Flächendeckend nutzt Daimler Buses für Service und Ersatzteile das Netzwerk der Truck-Sparte von Daimler Truck bzw. Detroit Diesel. Foto: Screenshot Daimler/omnibus.news

 

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