Neu von Brekina und zunächst bei Stadt im Modell zu haben: Der O 302 11 R St von Brekina im Maßstab 1/87. Foto: Daimler, Stadt im Modell, Montage: omnibus.news

Ein Tisch, zwei Personen. Stünde er in den Messehallen in Nürnberg wäre es vermutlich eine perfekte Inszenierung von Brekina. Wenn man dann noch “Good evening Mr Jabs, good evening” und darauf ein “Good evening, Matthias” hören würde, dann ist klar, es geht um etwas, was Tradition hat und jedes Jahr stattfindet. “The same procedure as every year…” möchte man im Zusammenhang mit den Neuheiten des Hamburger Fachhändlers Stadt im Modell meinen. Im letzten Jahr kündigte Christian Jabs den Magirus-Deutz Saturn II und den AEC Routemaster open top als Formneuheit an, beide Modelle stammen aus der Teninger Modellschmiede. Der Tradition folgend gibt es dieses Jahr mit dem Mercedes-Benz O 302 wieder einen Omnibus von Brekina im Maßstab 1/87, der zunächst exklusiv über Stadt im Modell den Weg zu den Modellbus-Fans finden wird. „Einer für alle“ – dieses Motto beschreibt den Mercedes-Benz O 302 am besten. Und scheint auch irgendwie mit Blick auf den Modellbus auch auf Brekina zuzutreffen. Stadtlinienbus, Überlandwagen, Reisebus – der O 302 ist ein echter Alleskönner, der letzte seiner Art, bevor die Spezialisierung auch den Omnibus nicht mehr verschont. Auf der 42. IAA, die 1965 in Frankfurt am Main stattfand, präsentierte Mercedes-Benz als Nachfolgemodell des O 322 den nach eigenen Angaben den hohen Beanspruchungen des Stadtverkehrs gewachsenen Stadtomnibus O 302. Und weil eine neue Baureihe allein nicht genügte, um den Stern richtig glänzen zu lassen, kam noch ein besonderer Korrosionsschutz hinzu: Kleinteile und auch größere Anbauteile wurden, wie auch das gesamte Omnibusgerippe, mit Zinkstaubfarbe behandelt. Und zusammen mit einem PVC-Unterbodenschutz war dann auch die Unterseite des Rahmenbodens des Omnibusses entsprechend versoegelt. Mercedes-Benz bot den O 302 St (St für Stadtbus) in zwei Grundversionen an: Mit 11 Sitzreihen und 10,2 m Länge und mit 12 Sitzreihen und 10,9 m Länge. Diese konnten variiert werden, u.a. bei der Breite der Einstiegstür, der Türenausführung (Dreh- oder Außenschwingtüren), der Federung (Luft – oder Stahlfederung), der Motorleistung (126 PS (OM 352) oder 150 PS (OM 327)) und einer Lenkhilfe (ZF-Kugelmutter-Hydro-Lenkung). Die Hamburger Hochbahn beschaffte 1967 die ersten 90 Stadtbusse des Typs O 302 11 R St  mit 10,2 m Länge und elf Sitzreihen. An Bord gab es neben 32 Sitz- noch 58 Stehplätze. Zahlen spielten beim O 302 eine große Rolle: Mit 18.000 Exemplaren in 13 Jahren war der Vorgänger, der O 321 H, ein echter (Welt-)Erfolg. Ist aber der Vorgänger mit seinen vielen Rundungen, dem ovalem Grill mit runden Lampen und seinen vergleichsweise kleinen Fenstern optisch den fünfziger Jahren verhaftet und zum Ende seiner Karriere ein wenig aus der Mode gekommen, so prägt den O 302 der klare automobile Bauhausstil der 60er-Jahre. Zwar ist das Dach gewölbt und der Rücken gerundet, doch dies ändert nur wenig an der Grundform dieses Quaders mit steil stehender Stirn und üppiger Verglasung, mit schlanken Fenstersäulen, langen Seitenfenstern und einer großen Heckscheibe. Den O 302 gibt es wahlweise entweder mit planen Seitenscheiben oder mit gewölbten Fenstern, die oben ins Dach hinein reichen und den Bus in einen klassischen Aussichtswagen verwandeln. Die hintere Tür wird der Seitenkontur in diesem Fall oben durch ein Füllfenster angepasst. Diese Panoramaverglasung wird für einen großen Teil der Reisebusse gewählt, ist aber auch für die Linienwagen zu bekommen, die sich durch Zielschildkästen auszeichnen. Anfangs ist als Ergänzung der planen Seitenfenster auch eine Dachrandverglasung zu bekommen. Das Fahrerhaus ist optisch ein wenig vom Fahrgastraum abgesetzt: Die Unterkante von Windschutzscheibe und den Türfenster vorn liegen auf einer Linie, deutlich unterhalb der Fensterbrüstung des Fahrgastraums. Bei den Varianten mit hohen und gewölbten Seitenfenstern ist das Dach im Bereich des Fahrgastraums etwas erhöht. Die Windschutzscheibe wird nur noch durch einen schmalen Steg geteilt. Sonst aber kennzeichnet den drei Meter hohen Hochbodenwagen eine enorme Vielfalt: vier Radstände und damit Längen von 9,6 bis 11,9 Meter (die längste Variante wird 1967 nachgereicht), Ausstattungs- und Bestuhlungsvarianten vom nüchternen Stadtlinienbus bis zum gehobenen Reisewagen, Schlagtüren vorne und hinten für den Reisebus, entsprechende zweiflügelige Außenfalttüren für den Überlandwagen, doppeltbreite Innenfalttüren vorne und in der Mitte für Stadtlinienbusse – der O 302 schöpft alle Möglichkeiten aus, die sein Aufbau bietet. Christian Jabs hat sich für den O 302 11 R St entschieden, die Ausführung mit besagten elf Sitzreihen und einer zweiteiligen Faltüre vorne sowie einer vierteiligen in der Mitte. Neben einer neutralen Version wird es drei Modelle der Hamburger Hochbahn-Ausführung mit unterschiedlicher Bandenwerbung geben, wie Stadt im Modell ankündigt. Wenn alles klappt, und das ist in der Zeit einer die Welt beherrschenden Pandemie eigentlich nicht genau zu sagen, sollen die neuen Modellbusse noch zum Weihnachtsfest lieferbar sein. Keine Frage, was hören wird zum Schluss? Natürlich den fragenden Christian Jabs: “The same procedure as every year, Matthias?” Und die Antwort des kreativen Kopfes von Brekina verwundert auch keinen Kenner der Modellfahrzeugszene: “Well, I’ll do my very best!”. Spannend, was es wohl im nächsten Jahr geben wird? Das Bus-Portfolio der Hansestadt hat noch den einen oder anderen interessanten Omnibus zu bieten… (Brekina/StadtimModell/PM/Sr)

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