In Spandau könnten bald wieder O-Busse fahren. Foto: Szala, Montage: omnibus.news

Seit zwei Jahren taucht immer weider in unterschiedlichen Medien die Meldung einer Renaissance der Berliner Strippenbusse auf. 1973 fuhr zum letzten Mal ein so genannter Oberleitungsbus in der Hauptstadt. Weltweit sind es immerhin über 40.000 in knapp 50 Staaten. Strategieplaner der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) denken seit 2017 ganz offiziell in unterschiedlichen Mobilitätsszenarien darüber nach, ob es nicht sinnvoll wäre, wieder Linien mit “dem Strippenbus” einzurichten. „Für die Zukunft des Busverkehrs prüfen wir verschiedene Optionen. Dazu gehört auch die Option, in bestimmten Bereichen des Stadtgebiets Oberleitungsbusse einzusetzen“, sagt vor zwei Jahren der kommissarischer Bus-Chef Torsten Marek jetzt in einem Interview mit der Berliner Zeitung.In der letzten Woche meldete nun das Spandauer Volksblatt, dass ein erster O-Bus in den testbetrieb gehen könnte. Laut einer Machbarkeitsstudie wäre die Linie M32 besonders geeignet, denn sie bietet ein hohes Fahrgastaufkommen und eine geringe Entfernung zum Betriebshof. Entlang der angedachten Linie würde es nach Angaben im Spandauer Volksblatt zudem keine konkurrierenden Trampläne, und sie eigne sich gut für Streckenladung, weil sie als Stammstrecke von mehreren Buslinien befahren werd. Weshalb die Installation der Ladeinfrastruktur dort laut der Studie besonders effizient sei. „Die Ergebnisse der Untersuchung sind eindeutig. Der Bus wäre umweltfreundlicher und effektiver, da er wegen seiner Größe mehr Fahrgäste auf der vielgenutzten Strecke mitnehmen könnte“, so die Spandauer SPD-Abgeordneten Bettina Domer, die eine schriftliche Anfrage an die Senatsverkehrsverwaltung gestellt hatte. Die Experten hinter der Studie sehen für die Linie M32 den Einsatz eines Hybrid-O-Busses, es ist sogar von einem Doppel-Gelenkbusses die Rede. Bis es soweit sei, so die Zeitung weiter, werde es aber noch dauern. Vorher müssten die Fahrleitungsinfrastruktur installiert, die 17 Haltestellen pro Seite auf der Strecke verlängert, der Betriebshof angepasst und die Busse angeschafft werden. Laut Studie kostet ein entsprechender Doppel-Gelenkbus etwa 1,3 Millionen Euro, was in Berlin ohne entsprechende Zuschüsse nicht zu bezahlen wäre. Interessant: Im Berliner Nahverkehrsplan 2019 bis 2023 sind Oberleitungsbusse etwa für die Hälfte des Streckennetzes vorgesehen. Weitsichtig sind es eO-Busse, die Strom aus der Oberleitung beziehen, aber auch unabhängig mit entsprechender Energie aus einem Batteriespeicher fahren können. „Wo die Leitungen das Stadtbild stören oder an Knotenpunkten komplexe Anlagen wie Weichen erfordern, fahren die Busse dann einfach im Batteriebetrieb – ,abgedrahtet‘, wie Fachleute sagen“, so Marek gegenüber Medien vor zwei Jahren. Damals war noch der Bezirk Pankiw im Gespräch, jetzt scheint es vielleicht einen Testbetrieb in Spandau zu geben. Die Idee, wieder auf die bekannte Technik zu setzen, ist mehr oder weniger aus der Not geboren worden, denn mit der Ansage, in Berlin zukünftig nur noch rein elektrisch fahren zu wollen, müssen entsprechende Fahrzeuge her. Und weil der rein elektrische Batterienbetrieb mit einem Doppel-Gelenkbus nicht darstellbar ist, ist der Berliner Strippenbus mit Batterie mehr als nur eine Alternative. (PM/Spandauer Volksblatt/Sr)

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