Keyou bietet keinen neuen Bus, sondern ein Umrüstkit vom Verbrenner- zum H2-Motor. Foto: Keyou

Die Wasserstoffmobilität nimmt allmählich Kontur an: Zahlreiche namhafte Hersteller entwickeln wasserstoffbetriebene Nutzfahrzeuge, arbeiten mit Hochdruck an Brennstoffzelle und Wasserstoffmotor. Neue Konsortien entstehen und die Investitionen in H2-Infrastruktur steigen. Als weltweit erstes Unternehmen präsentiert der Wasserstoffspezialist Keyou nun einen 12m-Stadtbus mit Wasserstoffmotor auf Basis einer bereits vorhandenen Dieselmotorplattform.

Bereits seit 2015 entwickelt Keyou H2-spezifische Technologien, Komponenten und Brennverfahren, mit deren Hilfe konventionelle Verbrennungsmotoren zu emissionsfreien Wasserstoffmotoren
transformiert werden können. Dabei ist es gelungen, den bis heute weltweit effizientesten H2-Motor aus einer Dieselmotorplattform zu entwickeln. Der vorgestellte Bus-Prototyp basiert auf diesem entwickelten 7,8-Liter Wasserstoffmotor.

Mit dem 12m-Stadtbus, der auf einem Chassis eines führenden europäischen Busherstellers basiert, stellt Keyou ein weiteres Nullemissionsfahrzeug mit „Keyou-inside Wasserstoffmotor“ vor. Entwicklung und Aufbau des Fahrzeugs werden vom Bayerischen Wirtschaftsministerium unterstützt. Die Paul Nutzfahrzeuge GmbH übernahm die Integrationsarbeiten. Die Besonderheit bei diesem Fahrzeug: Der Wasserstoffmotor wird hier als Mild-Hybrid-Variante betrieben, erfüllt damit in besonderem Maße jene Anforderungen, die ein Verkehrsbetrieb an einen Stadtbus stellt.

Der 12m-Stadtbus wird erstmals live im September auf der diesjährigen IAA Nutzfahrzeuge einem breiten Publikum vorgestellt. „Mit unseren Prototypfahrzeug zeigen wir, dass die Technologie des Wasserstoffmotors auch praktisch funktioniert und eine kosteneffiziente und robuste Alternative zu Batterieelektrischen- oder Brennstoffzellenfahrzeugen darstellt“, erklärt Thomas Korn, CEO und Mitgründer der Keyou GmbH.

Die Art, wie Keyou Wasserstoffmotoren entwickelt und Fahrzeuge umrüstet, schließt die Lücke zwischen „Null Emissionen“ und Wirtschaftlichkeit. So bieten der Stadtbus nach Angaben von Keyou Reichweitenpotenziale von über 500 Kilometern. Mit einer Leistung von 210 kW wird nicht nur ausreichend Leistung bereitgestellt, der Bus bleibt in den anspruchsvollen WHTC-Referenzzyklen auch unter der von der EU definierten Zero Emission CO2-Grenze und erfüllt gleichzeitig problemlos die EURO-6-Abgasnorm, ohne dass es einer teuren Abgasnachbehandlung bedarf.

Ein Novum, ging man doch bisher davon aus, dass diese zwingend notwendig sei. Im nächsten Schritt sollen diese Werte nun auf Teststrecken und öffentlichen Straßen unter Beweis gestellt werden. Erste Pilotprojekte mit Pionierkunden sind geplant, zudem werde ein verstärkter Fokus auf Bestandsfahrzeuge gelegt, wie es seitens Keyou heißt.  Das Plus für die von Keyou entwickelte Technologie ist die, dass diese ist auch auf den Bestandsmarkt anwendbar ist. „Hier sehen wir“, so Thomas Korn weiter, „den größten Hebel für den Wasserstoffmotor bzw. Fahrzeuge mit Wasserstoffmotor.“ Denn die Technologie ist nicht nur langlebig, robust und unabhängig von “Seltenen Erden“, sondern bietet – insbesondere bei der Gesamtkostenbetrachtung – eine dieseläquivalente Kostenstruktur für den Endkunden.

Nicht zuletzt deshalb, weil nur geringe Anpassungen am zugrunde liegenden Basismotor nötig sind und in der Produktion der Motoren und Fahrzeuge auf bestehende Verbrenner-Infrastruktur zurückgegriffen werden kann. „Man kann also sagen: Kunden bekommen ein Nullemissionsfahrzeug zu dieseläquivalenten Betriebskosten, ohne dabei Abstriche machen zu müssen,“ betont Thomas Korn.

Anders als andere Hersteller, plant Keyou keine Eigenproduktion von Fahrzeugen und Motoren. Stattdessen konzentrieren sich die Münchner Wasserstoffspezialisten auf die Weiterentwicklung und
Umrüstung von Neu- und Bestandsfahrzeugen. „In den nächsten zehn bis 15 Jahren werden weltweit noch millionenfach Dieselfahrzeuge produziert, insbesondere für den Nutzfahrzeugbereich. Wir stehen hier also vor einem riesigen Markt, den wir mit unserer ‚zero-emission‘ Technologie bedienen wollen,“ sagt Thomas Korn.

Nach den diesjährigen Fahrzeugtests will Keyou Ende 2023 gemeinsam mit Pionierkunden eine intensive Feldtestphase durchführen. Hier sollen verschiedene Anwendungsszenarien abgebildet und
Technik und Fahrzeug unter realen Bedingungen getestet werden. 2024 kommen zwei weitere Motorplattformen hinzu, mit denen dann verstärkt der Bestandsmarkt angegangen wird. (Keyou/PM/Sr)

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