
Das Projekt sprechende hat das Ziel blinden und sehbehinderten Fahrgästen eine selbstständigere und sichere Nutzung des Nahverkehrs zu ermöglichen. Foto: BVG/FlorianBündig
In Berlin startet ein Testbetrieb mit sprechenden Bussen: Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sind in den Probebetrieb ihrer sprechenden Busse für eine akustische Fahrgastinformation auf der Buslinie 186 gestartet. Vorerst werden bis zu 20 Busse mit der neuen Sprechfunktion ausgestattet und bis Dezember 2026 im regulären Linienverkehr getestet. Begleitet wird die Erprobung von 20 Testnutzern, die ihre Erfahrungen und Rückmeldungen in die Weiterentwicklung des Angebots einbringen, und zusätzlich eine ergänzende App testen.
Ziel des Projekts ist es, blinden und sehbehinderten Fahrgästen eine selbstständigere und sichere Nutzung des Nahverkehrs zu ermöglichen. Zum Auftakt des Probebetriebs informierten sich Vertreter aus Politik, Verwaltung und Verbänden vor Ort über das neue Angebot, darunter Arne Herz, Staatssekretär für Mobilität und Verkehr, Christine Braunert-Rümenapf, Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen und Thomas Krämer, Geschäftsführer des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin (ABSV). Sabina Kusmin-Tyburski, Geschäftseinheitsleitung IT & Digitale Infrastruktur bei der BVG:
„Für blinde und sehbehinderte Menschen kann die Frage, welcher Bus gerade einfährt oder wo sich die richtige Tür befindet, im Alltag eine große Herausforderung sein. Mit den sprechenden Bussen wollen wir die Orientierung erleichtern und unseren Fahrgästen mehr Sicherheit ermöglichen. Im Probebetrieb wollen wir gemeinsam mit den Nutzern herausfinden, wie die neuen Funktionen im Alltag funktionieren und wo wir sie noch weiter verbessern können.“ Kern des Probebetriebs sind sogenannte „sprechende Fahrzeuge“.
Die Busse kündigen an den Haltestellen zwischen 6 und 22 Uhr ihre Liniennummer und ihr Fahrziel automatisch über Außenlautsprecher an. Ergänzend wird ein akustisches Tür-Findesignal („Klopfen“) erprobt, dass die Orientierung beim Einstieg erleichtern soll. So können blinde und sehbehinderte Fahrgäste insbesondere an Haltestellen mit mehreren Linien leichter erkennen, welches Fahrzeug vor ihnen steht und an welcher Tür sie einsteigen können. In einer zweiten Testphase wird eine Mobilitätsassistenz-App in den Probebetrieb integriert.
Die speziell für betroffene Menschen entwickelte Anwendung unterstützt bei der Orientierung und Navigation im Nahverkehr. Darüber hinaus können Nutzern in den Nachtstunden akustische Ansagen bedarfsgerecht auslösen, so dass diese nur ertönen, wenn sie auch wirklich gebraucht werden. Zusätzlich besteht jederzeit die Möglichkeit Ein- und Ausstiegswünsche bereits vorab digital zu übermitteln. Über eine Schnittstelle kommuniziert die App direkt mit dem Fahrzeug. Das Fahrpersonal erhält die Information ähnlich wie bei einem regulären Haltewunsch und kann sich dadurch frühzeitig auf Fahrgäste mit Unterstützungsbedarf beim Ein- und Ausstieg einstellen.
Arne Herz, Staatssekretär für Mobilität und Verkehr: „Wer den ÖPNV selbstständig nutzen kann, nimmt am städtischen Leben teil. Mit den sprechenden Bussen und der Assistenz-App erprobt die BVG einen wichtigen Schritt, um das den Berlinerinnen und Berlinern noch besser zu ermöglichen, die nicht oder nur stark erschwert sehen können. Mich überzeugt an diesem Projekt besonders, dass die Menschen, um die es geht, von Anfang an einbezogen sind. Ihre Rückmeldungen entscheiden darüber, was bis 2027 berlinweit ausgerollt wird.”
Mit dem Probebetrieb sammelt die BVG gemeinsam mit den Testnutzern wichtige Erkenntnisse für die schrittweise Einführung einer berlinweiten akustischen Fahrgastinformation im Busbetrieb bis 2027 und im gesamten Straßenbahnbetrieb bis 2028. Die Erfahrungen und Rückmeldungen der Teilnehmenden fließen dabei direkt in die Weiterentwicklung des Systems ein. Das Projekt wird in enger Abstimmung mit dem Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin (ABSV) umgesetzt. (BVG/PM/Sr)