Die SPD sieht das 365 €-Ticket als 3. Alternative im Diesel-Drama an. Foto: Bartol, Grafik/Fotomontage: omnibus.news

Wie der Berliner Tagesspiegel meldet, plant die SPD deutliche Preissenkungen im öffentlichen Nahverkehr, um so entsprechend auf den Klimawandel reagieren zu können. “Wir wollen, dass jede und jeder flächendeckend mit Bus und Bahn zu bezahlbaren Preisen, egal ob in der Großstadt oder auf dem Land, unterwegs sein kann”, heißt es nach einer Recherche der Zeitung in einer 30-seitigen Vorlage der Bundestagsfraktion zum Klimaschutz. Kommunen sollten “bei der schrittweisen Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets” unterstützt werden, heißt es dort weiter. Zu den größten Befürwortern des 365-Euro-Tickets zählt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller. Der Sozialdemokrat hatte den günstigen Jahresfahrschein nach Wiener Vorbild im Juli auch für die deutsche Hauptstadt ins Gespräch gebracht. Während die Linke die Idee als “Vorstufe zum langfristig fahrscheinlosen ÖPNV in Berlin” unterstützt, übten die Verkehrsbetriebe scharfe Kritik an dem Vorstoß. Müller will zur Finanzierung des 365-Euro-Tickets auch Einzelfahrscheine verteuern. Den ersten Überlegungen einzelner Bundestagsfraktionen in diesem Zusammenhang, ein bundesweites 365-Euro-Ticket einzuführen, erteilt VDV-Präsident Ingo Wortmann eine Absage. Die Belastung sei – ohne eine dauerhafte Gegenfinanzierung aus Steuermitteln in Millionenhöhe – für die Verkehrsunternehmen und Kommunen zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu stemmen. „Ein bundesweites 365-Euro-Ticket kann richtig teuer werden, denn dadurch würden der Branche rund dreizehn Milliarden Euro Ticketeinnahmen jährlich fehlen. Und davon fährt kein Bus, keine Bahn zusätzlich. Schon heute sind wir auf vielen Strecken an der Kapazitätsgrenze, die Pendler kennen das. Richtig ist, dass Bus und Bahn ein Schlüssel für die Verkehrswende sind. Dafür brauchen wir aber zuallererst die Unterstützung der Bundesregierung, um schneller zu planen und auszubauen und die Mittel auch für die dringend notwendige Grunderneuerung verwenden zu können“, macht Wortmann deutlich. Dass der Fahrpreis nicht das entscheidende Kriterium für den Umstieg auf Bus und Bahn ist, sondern vielmehr Angebot, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, sei darüber hinaus allgemein bekannt. Außerdem sei ein wichtiger Aspekt, dass künftig der Preis eines „365-Euro-Tickets“ nicht mehr verändert werden könne. Mit einem 365-Euro-Jahresticket seien moderne Fahrzeuge und Infrastrukturen, ausreichende Kapazitäten und gutes Personal nicht finanzierbar. Die oftmals als Vorbild genannte Stadt Wien mit ihrem „Wiener Modell“ gebe seit zwei Jahrzehnten jährlich rund 400 Millionen Euro für den Nahverkehr aus. Der eigentliche Erfolgsfaktor für die steigenden Fahrgastzahlen liege hier nicht an der Fahrpreisverminderung, sondern an der Attraktivität des Gesamtangebots. Es müsse also zunächst über Jahre erheblich in Fahrzeuge, Infrastruktur und Personal investiert werden, wenn man den erfolgreichen Wiener Weg gehen wolle.

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