Spannend: VDL und der schwedische Markt der Elektrobusse. Foto: VDL, Montage: omnibus.news

Das unschöne Wort des Reichweitenverlustes bei Elektrofahrzeugen in den Wintermonaten könnte dazu führen zu glauben, dass das Thema eines rein elektrischen ÖPNV in skandinavischen Ländern kein Thema sei. Batterien mögen es nicht kalt, keine Frage. Lithium-Ionen-Akkus, weisen, wenn sich unter dem Gefrierpunkt befinden, eine messbar verlangsamte chemische Reaktionen auf. Und die wirkt sich folgerichtig negativ auf die Leistungsabgabe an den Elektromotor aus. Der Großteil der aktuellen Lithium-Ionen-Batterien bringt die beste Leistung bei Temperaturen, die in etwa der menschlichen Körpertemperatur entsprechen. Je nach Hersteller liegt die Reichweite eines 12m langen Elektrobusses zwischen 150 und 450 Kilometern. In Sommermonaten und in südlichen Ländern Europas sind diese Werte ausreichend, spätestens im Winter sorgen jedoch zahlreiche Faktoren dafür, dass die Reichweite um Längen unterboten wird. Warum? Weil sämtliche Energie und damit die auch Wärme in einem Elektrobus auch aus der Batterie kommt, wenn keine zusätzliche Energiequelle an Bord ist – eine fossile Zusatzheizung widerspricht dabei der Philosophie eines emissionsfreien Antriebs. Durch die Kälte ist die Reibung im Antrieb deutlich höher, so dass mehr Energie benötigt wird. Viele Hersteller von Elektrofahrzeugen sind dazu übergegangen, dieses Problem mit unterschiedlichen Wärmesysteme zu lösen, so dass die Batterien im Winter vor zu großer Kälte geschützt werden. Und viele Hersteller verbauen ein Wärmepumpensystem. Auch das Laden von Elektrobussen dauert bei Minusgraden deutlich länger, wenn sie nicht in einem Depot stehen. Generelle Entlastung beim Batterieproblem verspricht ein Forschungsprojekt in Japan: Ingenieure an der Toyohshi-Universität arbeiten an einem Elektrofahrzeug ohne eigenen Akku. Der Strom für den Antrieb soll stattdessen aus der Straße kommen. Dank spezieller Räder soll das Fahrzeug die Energie aus Stahlleitungen unter dem Asphalt aufnehmen können. In Israel will man ein derartiges Konzept mit einem Linienbus erproben. Es bleibt spannend, keine Frage, in der Stadt wird der ÖPNV zukünftig ein rein elektrischer werden – europaweit, die skandinavischen Länder machen es vor. Schweden lag mit den zugelassenen Elektrobusse am Jahresende 2019 europaweit mit 235 Fahrzeugen auf dem 5. Platz. Die Norweger haben 173, die Finnen 95 und die Dänen 81 – in der Summe 584 Elektrobusse. Damit kommen die nordischen Ländern auf den 2. Platz nach den Niederlanden, wo Ende letzten Jahres 726 Elektrobusse auf der Straße waren. VDL feierte einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg ‘Aiming for Zero’: Die 670 Citea Electric, die derzeit in Europa fahren, haben zusammen mittlerweile 50 Millionen elektrische Kilometer zurückgelegt. Zeitgleich zu diesem Jubiläum haben die Niederländer neue Batteriepakete im Angebot und erweitern ihr Angebot an Betriebs- und Systemlösungen, um auch zukünftig dem Anspruch an die Marktführerschaft gerecht zu werden. “Im vergangenen Jahr haben wir unsere Position in der E-Mobilität weiter ausgebaut – auch geografisch”, so Henk Coppens, CEO von VDL Bus & Coach. “Unsere nächsten Schritte in puncto Weiterentwicklung sind die weitere Optimierung des Energieverbrauchs und die Einführung der nächsten Batteriegenerationen. Neben den vielen Einsätzen, die Schnellladen erforderlich machen, wird auch der Ruf nach einer Erweiterung der Aktionsradien lauter, umso mehr als auch der Regionalverkehr immer häufiger elektrifiziert wird. Akutell gibt es von VDL detaillierte Informationen zu den einzelnen Ländern, in denen die Niederländer mit ihren Elektrobussen aktiv sind, wie beispielsweise Schweden: Wie die Stadt Umeå in Schweden bekanntgab, hat VDL die Ausschreibung für 25 Elektrobusse gewonnen. Für Niederländer ist dies der größte Elektrobus-Auftrag aus Schweden. Als Systemlieferant wird VDL sowohl die 25 Citea SLFA-180 als auch die Ladestationen liefern und für die Implementierung sorgen. 43 Elektrobusse von VDL sind blaugelb, ein SLF-120 für Härnösand, 13 SLFA-181 für Helsingborg, 25 SLFA-180 für Umea und vier SLFA-181 für Karlstad. (VDL/Chatrou/PM/Sr)

In 2019 europaweit neu zugelassene Elektrobusse nach Herstellern. Foto: Chatrou

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