Solaris hat Ende März in einer online Pressekonferenz die Zahlen 2021 veröffentlicht und eiunen neuen Wasserstoff-Gelenkbus angekündigt. Foto: Screenshot Solaris/omnibus.news

Der Solaris-Chef Javier Calleja ist, wie hier auf der Busworld, auf Messen und Presseevents immer persönlich anwesend – wenn es denn keine Pandemie gibt… Diesmal gab er sich online zuversichtlich, dass die Marke Solaris im Segment der emissionsfreien Omnibusse weiter zulegt. Foto: Schreiber

Solaris lud am 29. März zu einer online-Pressekonferenz, um die Zahlen der vergangen Jahres zu präsentieren. Und, darauf hat die Busbranche gewartet, einen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr zu geben. Nun sind die Zahlen, Marken und Anteile in Europa seit der Veröffentlichung des Marktbeobachters Wim Chatrou von Chatrou CME Solutions bekannt, doch Solaris schärft sie etwas und konzentriert sich auf mitunter weniger Länder in Europa.

Fakt ist, egal wie man rechnet – welche Länder und welche Kooperationen von Herstellern addiert werden – Solaris hat letzten Jahr mit 1.492 Einheiten neu zugelassen Omnibussen eine stolze Zahl erreicht. Die polnische Marke unter dem Dach der spanischen Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles Gruppe ist eine feste Größe in Europa. Und mit Blick auf den stark wachsenden Markt der Elektromobilität auch schon heute gut aufgestellt: Omnibusse mit Elektro-, Wasserstoff-, Hybrid- und auch Oberleitungsbusse gehören zum Portfolio.

Javier Calleja, der online aus Spanien zugeschaltete Geschäftsführer von Solaris, erklärte auf der online Pressekonferenz, dass Solaris gerade in dem Segment der emissionsfreien Antriebe stark wachse. Ganze 41 Prozent des Gesamtabsatzes in 2021 seien Omnibusse aus dem Bereich der alternativen Antriebskonzepte, in Summe seien es 400 Elektro-, Wasserstoff- und Oberleitungsbusse gewesen, die an Kunden in ganz Europa geliefert worden wären.

Im Detail seien es nach Angaben von Solaris von den insgesamt 18 Ländern besonders die Kunden in Polen gewesen, wo Solaris einen Marktanteil von gut 63 % hält. In Estland habe Solaris sogar einen Marktanteil von fast 95 Prozent, 150 Omnibusse von Solaris seien hier neu auf die Straße gekommen. In Deutschland stand Solaris im letzten Jahr nicht auf dem Siegertreppchen bei den Elektrobus-Neuzulassungen des Jahres 2021. Dennoch sind Omnibusse von Solaris hier – unabhängig vom Antrieb – eine feste Größe, wie es aus Polen hieß.

In Deutschland komme man auf einen Marktanteil von knapp vier Prozent, in 2021 wurden deutschlandweit 164 Omnibusse mit der Marke Solaris neu zugelassen. Ganz vorneweg fährt Solaris hier beim Thema Wasserstoff. Schon frühzeitig hat Solaris hier mit dem Urbino 12 hydrogen ein entsprechendes Fahrzeug auf die Räder gestellt. Fast ein Jahrzehnt nach der Premiere des ersten Elektrobusses aus polnischer Produktion hat Solaris den Urbino 12 hydrogen auf dem UITP Summit im Juni 2019 präsentiert.

Im letzten Jahr 2021 habe Solaris nach eigenen Angaben 54 Wasserstoffbusse an Kunden ausgeliefert. Neben Deutschland kamen die Aufträge dafür Italien, den Niederlanden und aus Schweden. Und im letzen Jahr seien auch schon Aufträge für Wasserbusse gezeichnet worden, die erst noch ausgeliefert werden würden. Javier Calleja erklärte, dass das Interesse an dieser Technik europaweit wachsen würde.

Der Markt der Anbieter ist so überschaubar wie deren Anteil. Mit Caetano, Safra, Solaris, Van Hool und Wrightbus bedienen nur wenige Hersteller von Omnibussen dieses Segment. Vor anderthalb Jahren hat die Bundesregierung ihre milliardenschwere Wasserstoff-Offensive verkündet. Die Erfolge sind bisher überschaubar, das Geschäft mit „hydrogen city buses“ kommt nicht so richtig in Fahrt. Da auch die benötigte Ladeinfrastruktur und -peripherie gefördert wird, gab es für dieses Segment in Deutschland 2021 schon 33 Einheiten, wie Chatrou CME Solutions ermittelt hat.

Den größten Zuwachs in der Statistik der europaweiten Neuzulassungen in 2021 erlebten FuelCell-Busse: Nach 47 in 2020 wuchs deren Bestand in 2021 auf 158 Fahrzeuge, wie Chatrou CME Solutions zeigt. Um die nach eigenen Angaben europaweit führende Rolle weiter festigen zu können, Solaris lag im Segment der Wasserstoffbusse im letzten Jahr nach Wrigth Bus mit 52 Prozent auf dem 2. Platz mit mit 27 Prozent und noch vor Van Hool mit 15 Prozent, wurde auf der online Pressekonferenz ein Wasserstoff-Gelenkbus angekündigt.

Noch im Herbst dieses Jahres soll der 18 Meter lange Wasserstoff-Gelenkbus auf einer Messe vorgestellt werden. Technische Details verriet Solaris noch nicht, hier sei man aber schon mit Kunden in einem Austausch und würde bedarfsorientierte Lösungen anbieten. Technische Neuerungen werden im Bereich der Brennstoffzellentechnik erwartet, so hat beispielsweise Ballard mit der nächsten FCmove-Generation 100-kW-Hochleistungs-Brennstoffzellen-Energiemodule angekündigt. Die würden dem neuen Wasserstoff-Gelenkbus von Solaris gutstehen.

Mit Blick auf die Auswirkungen der Pandemie auf das Portfolio und die Produktion erklärte Javier Calleja, dass man in der Lage gewesen sei, die Produktion während der gesamten Pandemie fortzusetzen zu können. Auch wenn man die Produktion an keinem Tag wegen der Pandemie hätte stoppen müssen, die Lieferungen bzw. Nicht-Lieferungen der Zulieferindustrie würden Auswirkungen auf den Produktionsprozess bedeuten.

Wie andere Bushersteller auch bewegt sich Solaris in schwierigen Zeiten. Die Auswirkungen der Pandemie hätten sich vor allem im Jahr 2021 beim Auftragseingang gezeigt. Dies bestätigen die Bushersteller unisono. Keine Frage, angesichts des Rückgangs der Fahrgastzahlen haben sich Verkehrsbetriebe mit ihren Investitionen zurückgehalten. In diesem Zusammenhang ist es für Solaris von Vorteil, dass keine Reisebusse mehr gebaut werden, denn hier ist der Rückgang der Neuzulassungen dramatisch.

In den Augen von Javier Calleja habe sich der Markt schon leicht erholt, denn die Auftragszahlen steigen. Ob sich die Verluste aus der Pandemie damit ausgleichen lassen, wird sich erst ganz am Ende derselben zeigen. Hat diese Situation auch Auswirkungen auf das Portfolio von Solaris? Der polnische Bushersteller werde profitabel das Portfolio mit den Kundenbedürfnissen vereinen, wie Javier Calleja in Aussicht stellte.

Solaris hat in 2021 mit Blick auf die Rahmenbedingungen solide Ergebnisse abgeliefert. Auch wenn derUmsatz und Absatz im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgingen, in Summe ist Solaris in der Pandemie mit einem guten Auftragsbestand (Ende 2021 lag er nach eigenen Angaben des Herstellers bei 1.260 Fahrzeugen) gut durch das letzte krisengebeutelte Jahr gefahren. Und wenn man dann noch dem Rechenweg von Solaris und nicht dem Chatrou CME Solutions folgt, dann kann man ein stolzes “Olé!” rufen.

Auch wenn das Absatzvolumen in 2021 leicht oder minimal rückläufig war, Solaris konnte die immer wieder kommunizierte Position des europäischen Marktführers für Elektrobusse verteidigen – wenn man in der Rechnung die europaweit und besonders in Großbritannien funktionierende Kombination von ADLmit BYD getrennt voneinander betrachtet. Es bleibt spannend, im wahrsten Sinne, denn Solaris ließ durchblicken, dass die bisher verwendeten hauseigenen High Energy- und High Power-Batterien ein neues Batteriemanagementsystem erhalten werden, das höhere Effizienz bei geringerem Verbrauch verspreche. (Solaris/omnibus.news/Sr)

Solaris zeigte auf dem UITP Summit in Stockholm den Urbino 12 hydrogen, jetzt folgt in diesem jahr die 18m-Variante. Foto: Schreiber

 

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