Neu im Shop des London Transport Museums: Ein Routemaster-Kissen. Fotos: TfL/LTM, Montage: omnibus.news

Der Boris Bus ist Geschichte, der Brexit steht an – was ist das passender als ein weiches Kissen mit Tradition? Man könnte dem Shop des London Transport Museums einen gewisse Form von britischem Humor unterstellen, wenn sie gerade jetzt einen “plush red cuddly Routemaster” ins Angebot aufgenommen haben. Ganze 38 cm lang hat die rote rollende Ikone im wahrsten Sinne gewichtige Räder, damit das 11 cm breite Kissen steht und nicht umfällt, ganz im Sinnes des Brexits… 20 britische Pfund zuzüglich Versandkosten, wenn man denn nicht persönlich im Museumsshop erscheint, berechnen die Briten. Die Ikone des britischen Straßenverkehrs wurde im Jahr 1954 von Douglas Scott in Zusammenarbeit mit dem Ingenieur Eric Ottoway im Auftrag der Associated Equipment Company (AEC) eigens für London Transport entworfen und gilt als das erfolgreichste öffentliche Verkehrsmittel aller Zeiten. Sein wichtigstes Kennzeichen war das geringe Gewicht von sieben Tonnen. Inspiriert wurden Scott und Ottoway von der Rüstungsindustrie und dem Flugzeugbau. Komplett aus Aluminium gebaut war der Routemaster leicht, sparsam im Verbrauch und wenig anfällig für Rost. Scott setzte vor über 50 Jahren schon auf Traditionelles: Die Verwendung von Bezugsstoffen und Teak-Fußboden war ein Garant für den Erfolg bei den Briten. Die Technik war aber mit Blick auf die Zuverlässigkeit und Wartungsfreundlichkeit äußerst fortschrittlich für britische Verhältnisse. Rund 15 Jahre sollten sie halten, so das Versprechen anlässlich der ersten offiziellen Fahrt im Linieneinsatz am 8. Februar 1956. In den 60ern galten sie bereits als altmodisch, die Produktion wurde 1968 nach 2.800 Exemplaren eingestellt. In den 80ern wurden sie wieder entdeckt und seitdem geliebt. 500 Routemaster erhielten noch Anfang der 90er neue Motoren von Iveco, um die Verfügbarkeit sicherzustellen und den Verbrauch sowie die Emissionen zu senken. Spätestens seit dieser Frischzellenkur gehörten Routemaster zu London wie Big Ben und Tower Bridge. Dennoch kam nach fast 50 Jahren das Aus. Die Routemaster wurden Ende 2005 ausgemustert, zu unsicher sei das Auf- und Abspringen, und nicht behindertengerecht war der Bus, einfach nicht EU-konform, so die Begründung. Seitdem fuhren moderne Doppeldecker ohne offene Plattform und Niederflurbusse durch die Stadt, beide den europäischen Standards entsprechend. (Sr)

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