Die Neuzulassungen Januar bis September 2022 liegen mitunter deutlich unter den Vorjahreszahlen. Foto: Reim, Grafik: omnibus.news

Auf der Suche nach dem Weg: Auf welchen Antrieb müssen sich Busunternehmer einstellen, die Reisebusse in ihrem Fuhrpark haben? Wohin geht die Reise für die Busbranche überhaupt? Das Statistische Bundesamt kommt zu dem vorläufigen Ergebnis, dass die Menschen weniger mit dem Reisebus unterwegs sind.

Ein Blick auf die Neuzulassungen (>3,5t KBA/>8tCME) von Omnibussen in den Monaten Januar bis September 2022 zeigt, dass das Geschäft mit Linien-, Überland- und Reisebussen deutlich unter Vorjahresniveau liegt. Mehr Details und Informationen Im Detail gibt es in einer der nächsten Meldungen.

Im letzten Jahr nutzen nur 18 Millionen Reisende den Reisebus, das waren 59 Millionen weniger als zwei Jahre zuvor! Auch die Fahrleistung haben die Statistiker im Blick: Auch hier ein Minus für Reisebusse, ihre Fahrleistung verringerte sich auf 140 Millionen Kilometer. Das ist gegenüber 2019 mit 612 Millionen Kilometer ein Minus, ein dickes Minus!

Und noch etwas stimmt nachdenklich: Die Zahl der Unternehmen, die das Reisen mit dem Bus (und gemeint sind ausdrücklich keine gleichbleibenden Fernbuslinien bzw. -fahrten) anbieten, ist rückläufig: Von 2019 bis 2021 meldet das Bundesamt ein Minus von elf Prozent. In nackten Zahlen sind das 320 Busunternehmen! Im letzten Jahr wurde deren Bestand am Jahresende 2021 mit noch 2.650 ermittelt. 

Auch den Auslastungsgrad der Sitzplätze in einem Reisebus hatten die Statistiker im Visier: Durchschnittlich lag dieser im letzten Jahr bei 51 Prozent. Ja, auch hier gibt es gegenüber 2019 ein Minus, vor drei Jahren war es ein Wert von 59 Prozent. Wie lässt sich das eindeutige Minus erklären?

Ein Grund ist die Corona-Pandemie und die für die Reisebusbranche im März 2020 auf Bundes- und Länderebene verordneten eingeschränkten und absoluten Fahrverbote. Und natürlich hat dann nach der Pandemie noch das 9-Euro-Ticket dazu beigetragen, dass das Verreisen mit dem Omnibus durchaus ein teurer Spaß sein kann.

Und auch das Kraftfahrt Bundesamt mit der Statistik der Neuzulassungen oder auch Wim Chatrou als Marktbeobachter und Analyst dokumentieren Zahlen, die durchaus nachdenklich stimmen: Die ersten neun Monate des Jahres 2022 haben im Vergleich zum Vorjahr ein negatives Vorzeichen, was das Verhältnis der Neuzulassungen betrifft.

Waren es Anfang des Jahres im Januar in Summe 439 neue Omnibusse mit einem Minus zum Vorjahresmonat von 4,1 Prozent, so markiert der April mit nur 253 neuen Omnibussen und einem Minus zum Vorjahresmonat von 38,3 einen Jahreshöhepunkt (Stand Oktober 2022). Juni, Juli und August wiesen auch ein Minus von 33 bis 36 Prozent aus!

Blickt die Busbranche, insbesondere die, die auf Reisebusse setzen, jetzt noch optimistisch in die Zukunft? Ja möchte man meinen, wieso würde der RDA Internationaler Bustouristik Verband e.V. für die Jahrestagung Ende Oktober ankündigen, dass Daimler Buses und MAN die neuesten Antriebskonzepte für den Reisebus der Zukunft vorstellen?

Auf der Jahrestagung, die in diesem Jahr vom 24. bis 26. Oktober in Mannheim stattfinden wird, geht es nicht nur um die Frage, wie der Reisebus zukünftig angetrieben werden soll. Im Fokus steht auch der Transformationsweg. Wie sollen Busunternehmen für sich die Umsetzung der Antriebswende gestalten?

„Die Etablierung neuer Antriebsformen für den Reisebus wird nur dann erfolgreich verlaufen, wenn die Hersteller zuverlässige und ausgereifte Lösungen anbieten, die für die Unternehmen wirtschaftlich darstellbar, tragbar und betrieblich umsetzbar sind. Ein wichtiger Baustein wird die zeitnahe Errichtung und der Ausbau der notwendigen Ladeinfrastruktur bzw. der Wasserstofftankstellen in Deutschland und Europa sein,“ heißt es in der Mitteilung des RDA im Vorfeld der Jahrestagung.

Wer sich das aktuelle Branchenbarometer des RDA ansieht, der erkennt eine gewisse Skepsis in der Reisebusbranche: So weisen die RDA-Statistiker aus, dass die Busunternehmer mehrheitlich (87 %) auf eine fehlende Infrastruktur von Ladesäulen bzw. Wasserstofftankstellen hinweisen.

Ganze 74 % bemängeln die hohen Investitionskosten bzw. 64 % die geringe Reichweite der alternativ angetriebenen Reisebusse, so das RDA-Branchenbarometer. Und ein Drittel der befragten Busunternehmer fehlt Erfahrung mit der neuen Antriebstechnik. Jedes sechste Busunternehmen sieht noch unkalkulierbaren Wiederverkaufswerte.

Und es gibt durchaus noch weiteren Handlungsbedarf, denn nicht nur in Deutschland, sondern europaweit ist der Reisebus zwar gern gesehen, wenn er Gäste in die Städte bringt. Ihm aber einen entsprechenden Busparkplatz mit Serviceeinrichtungen bereitzustellen, habe viele Städte vergessen.

Skepsis und Zuversicht – wo bleibt die Zuversicht? Sie ist zumindest bei den Herstellern da, die mehr oder weniger freiwillig Dank der Umsetzung der Clean Vehicles Directive mit alternativen Antriebskonzepten an der Zukunft arbeiten. Ergebnisse für das Segment der Reisebusse wollen Daimler Buses und MAN den Busunternehmern auf der RDA-Jahrestagung präsentieren.

Daimler Buses hatte im Mai dieses Jahres auf den hauseigenen eMobilityDays angekündigt, bis zum Jahr 2030 in jedem Segment lokal CO2-neutrale Modelle auf der Basis von Batterien und Wasserstoff anzubieten. Und in das Segment der Reisebusse mit elektrischem Antrieb werde man ab 2030 einsteigen, wie Till Oberwörder, der die Bussparte unter dem Dach von Daimler Truck leitet, anlässlich der eMobilty Days erklärte.

Bei MAN gab es noch keine Aussagen zu einem elektrisch angetriebenen Reisebus, stattdessen gehen die Münchner genau wie die Stuttgarter den Weg über den Überlandbus. Daimler Buses kündigte den Nachfolger des Setra UL business mit einem elektrischen Antrieb an, MAN will den Lion’s InterCity LE elektrifizieren.

Beide Hersteller gehen über die Überlandbusse zum E-Reisebus und das bedeutet, dass die E-Reisebusse noch auf sich warten lassen. Bei MAN gab es zudem die Aussage, dass die Batterie gegenüber dem Wasserstoff einen deutlichen Vorteil habe. Beim Wasserstoff fließe nur etwa ein Viertel der Ausgangsenergie in den Antrieb, drei Viertel würden durch Umwandlungsverluste verlorengehen.

Daimler Buses hingegen werde ab Ende dieses Jahrzehnts Reisebusse mit wahrscheinlich wasserstoffbasiertem Brennstoffzellenantrieb anbieten, wie Till Oberwörder im Mai 2022 erklärte. Man setze analog zur Doppelstrategie des Mutterkonzerns Daimler Truck sowohl auf batterieelektrische als auch auf wasserstoffbasierte Technologien – denn nur so können maßgeschneiderte Zero-Emission-Lösungen für die vielfältigen Bedürfnisse der Kunden angeboten werden.

Es bleibt im wahrsten Sinne spannend: Schon heute sind mit rein batterieelektrischen Omnibussen – auch im Überlandeinsatz – Reichweiten von über 400 Kilometern möglich. Die technologische Entwicklung verspricht für die kommenden Jahre weitere Sprünge, da sind sich forschende Wissenschaftler und Ingenieure der Nutzfahrzeughersteller unisono einig.

Die Batteriekapazitäten steigen weiter und die Kosten für Batterien fallen deutlich stärker als in der Vergangenheit angenommen, wie Studien belegen. Bis zum Jahr 2030 könnten Festkörperbatterien womöglich in rund zehn Minuten aufgeladen werden – und der Ladevorgang damit das Zeitfenster des aktuellen Tankprozessen erreichen.

Lobenswert: Die großen Nutzfahrzeughersteller gehen in Vorleistung: Noch in diesem Jahr soll das gemeinsame Joint Venture von Daimler Truck, Traton und Volvo den Betrieb aufnehmen. Die drei Produdenten planen in den kommenden Jahren 500 Millionen Euro zu investieren, um in Europa 1.700 Hochleistungs-Ladepunkte für Ökostrom zu errichten und auch zu betreiben. omnibus.news/ Autor: Rüdiger Schreiber (DaimlerBuses/MAN/RDA/omnibus.news/Sr)

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