
Das Kässbohrer/Daimler Buses hat sich vom Kässbohrer/Setra-Museum im historischen Fischerviertel in Ulm getrennt. Foto: Schreiber; Montage: omnibus.news
Daimler Buses hat sich vom Kässbohrer/Setra-Museum getrennt. Wichtige Exponate aus dem Bestand des Museums, das im Ulmer Fischer- und Gerberviertel direkt am historischen Saumarkt gelegen war, wurden nach Neu-Ulm in die Kässbohrer-Halle auf dem Gelände in der Otto-Hahn-Straße gebracht. Auf dem Werksgelände – und damit nicht mehr öffentlich zugänglich – soll die Markengeschichte erlebbar gemacht werden. Dazu heißt es seitens Daimler Buses: „Manche Geschichte liest man. Manche kann man erleben.“ Und weiter: „Am neuen Standort erweckt die neue Kässbohrer-Halle das Erbe von Setra zum Leben.“
Mit 18 historischen Bussen, zwei Anhängern und fünf Schlitten beherbergt die Halle die größte Sammlung von Kässbohrer- und Setra-Fahrzeugen, die jemals zusammengetragen wurde. Viele der Fahrzeuge wurden liebevoll restauriert und sind bis heute fahrbereit. Doch die Halle bietet mehr als nur historische Fahrzeuge. Sie erzählt die Geschichte von Innovation, Leidenschaft und Pioniergeist – von der 1893 gegründeten Kässbohrer-Wagenfabrik über den ersten Linienbus des Jahres 1911 bis hin zum legendären S 8, der Setra seinen Namen gab.
Eine eigene „History Wall“ nimmt Besucher mit auf eine Reise durch mehr als ein Jahrhundert Mobilitätsgeschichte. Das klingt beeindruckend. Wer jedoch einmal das historische Kässbohrer-Haus in Ulm besucht hat, in dem sich über Jahrzehnte das Kässbohrer/Setra-Museum befand, weiß, dass die Halle auf dem Werksgelände mit ihrer angeschlossenen Oldtimer-Werkstatt keinen gleichwertigen Ersatz darstellt. Im Fischerviertel wurde nicht nur die Geschichte der Marke, sondern auch die der Familie Kässbohrer erzählt.
Im Herzen der Stadt Ulm gelegen, bot das Museum seit Anfang 1996 die Möglichkeit, im Rahmen von Führungen die Unternehmensgeschichte kennenzulernen. Öffentlich zugänglich war das Museum allerdings ebenfalls nicht. Es diente vor allem Kunden und Mitarbeitern als Treffpunkt und konnte nach vorheriger Absprache besichtigt werden. Untergebracht war es im historischen „Haus zur Weinrebe“, einem liebevoll renovierten Fachwerkhaus. Dessen Ursprünge reichen bis ins Jahr 1480 zurück. Das Wohnhaus entstand zu einer Zeit, als das Ulmer Münster noch nicht vollendet war.
Rund um die Familie Kässbohrer wurde hier die Geschichte der Omnibusproduktion in Ulm seit dem 19. Jahrhundert anschaulich dargestellt. Einen besonderen Schwerpunkt bildete die Persönlichkeit von Otto Kässbohrer bis zu seinem Tod am 20. Juni 1989. Themen wie die Entwicklung der ersten Busse, die Weiterentwicklung selbsttragender Fahrzeuge, Auslandsexporte sowie weitere Geschäftsfelder des Unternehmens – darunter Lastwagen, Pkw, PistenBully-Fahrzeuge und Lkw-Aufbauten – wurden ausführlich dokumentiert.
Im Erdgeschoss und im Keller befand sich der eigentliche Ausstellungsbereich. Dort stießen die Besucher auf zahlreiche interessante Exponate. Neben umfangreichen Dokumentensammlungen wurden historische Konstruktionszeichnungen, Fotografien, Fertigungsteile wie Achsen, Omnibusmodelle unterschiedlichster Größen – darunter auch ein Modell des selbsttragenden Gerippes – sowie wertvolle Pokale und internationale Auszeichnungen präsentiert. Das erste Obergeschoss war geprägt von den gut erhaltenen Wohnräumen der Familie Kässbohrer.
Die sogenannte „gute Stube“ war im Biedermeierstil eingerichtet und verfügte über eine original erhaltene spätgotische Holzbalkendecke. Darüber hinaus befanden sich auf dieser Etage ein großer und ein kleiner Konferenzraum. Das zweite Obergeschoss diente als Gästebereich mit zwei weiteren Konferenzräumen, einer Küche und einer Sitzecke. Im Dachgeschoss befand sich schließlich der eigentliche Meetingbereich des Hauses. Ein großer Konferenztisch bot Platz für Besprechungen mit bis zu 15 Personen. Eine Designer-Sitzecke lud zu informellen Gesprächen und zum Verweilen ein… (omnibus.news/Sr)