Neu im Modellbusmarkt Oberammergau: Ein Barreiros mit Ayats-Aufbau. Foto: van Unen

Ab sofort ist als 81. Modell aus der französischen Kiosk-Sammelserie namens Autobus et Autocars du Monde beim Modellbusmarkt in Oberammergau ein Modellbus der spanische Marke Barreiros erhältlich, wie Konrad Pernetta schreibt. Die hierzulande wenig bekannte Marke hat aber eine interessante Geschichte: Nach Ende des Bürgerkriegs litt Spanien unter einem internationalen Embargo, dazu verbot Diktator Franco zudem die Einfuhr ausländischer Nutzfahrzeuge. Hier schlug die Stunde des umtriebigen Eduardo Barreiros: Er eröffnete 1949 eine Werkstatt zum Umbau von Benzin- in Dieselmotoren. Bis 1953 hatte er über 700 der im Bürgerkrieg von den Russen gelieferten durstigen ZIS-5 Lastwagen auf Diesel umgerüstet. Mit dem gewonnenen Know-how gründete Barreiros dann 1954 eine Fabrik zum Bau seiner eigenen Dieselmotoren: Barreiros Diesel S.A.. Nach dem überwältigen Erfolg der Motoren wollte er auch komplette Nutzfahrzeuge herstellen, doch das Franco-Regime witterte Konkurrenz für den staatseigenen INI/Pegaso-Konzern und verweigerte die Erlaubnis. Erst als Barreiros eine Ausschreibung der portugiesischen Armee zur Lieferung von 400 Lastwagen gewann, gab Franco klein bei und erlaubte den Bau von 1.000 Nutzfahrzeugen pro Jahr. Mit Beginn der 1960er Jahren war der Import von ausländischen Nutzfahrzeugen immer noch verboten, doch jetzt durfte man wenigstens nach ausländischen Lizenzen fertigen. Barreiros schloss Lizenzabkommen mit vielen Firmen ab, darunter auch Rheinstahl. So entstanden in Spanien fortan Hanomag-Schlepper und Tempo-Kleinlaster, alle mit Dieselmotoren von Barreiros .1961 unterschrieb Barreiros dann ein Abkommen mit der britischen AEC zum Bau von LKW und Omnibussen unter dem Namen Barreiros-AEC. Der namhafte Hersteller aus England lieferte das Fahrgestell und Antriebs-Komponenten, den Unterflur-Dieselmotor steuerte Barreiros bei. Die Karosserien wurden von lokalen Aufbauer gefertigt. Bei dem von IXO für Hachette im Maßstab 1/43 hergestellten Modellbus stammt die formschöne Reisebus-Karosserie vom katalanischen Aufbauer Ayáts. Doch leider währte der Erfolg nicht lange – AEC wurde von Leyland (Lizenzgeber des Konkurrenten Pegaso) übernommen und das Abkommen wurde gekündigt. Nach finanziellen Schwierigkeiten wurde Barreiros nach und nach an die US-Firma Chrysler verkauft. Zu dieser Zeit wurde Van Hool auf der Suche nach einer Auslands-Produktion auf die hohe Qualität der Barreiros Busse aufmerksam. Als  dann 1971 auch Chrysler in Schieflage geriet, wurde die Omnibusfertigung in Saragossa von Van Hool übernommen. Bis Ende der 1970er Jahre wurden die Reisebusse noch mit Barreiros-Technik als Dodge/Van Hool vermarktet. Mit einer Produktion von über 500 Busse pro Jahr bediente Van Hool mit dem Typ Aragon nicht nur den den spanischen, sondern auch seine außer-europäischen Märkte mit großem Erfolg.

 

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