Die Stadtwerke Münster blicken positiv auf die ersten sechs Jahre E-Bus-Mobilität zurück. Foto: SWM

Es war im Mai 2015, so Florian Adler im Blog der Stadtwerke Münster, als in der großen Wagenhalle der Vorhang fiel. Dahinter befand sich der erste Elektrobus, der unter großem Medieninteresse seine Jungfernfahrt begann. Damit gehörten wir zu den ersten E-Bus-Betreibern in Deutschland, so Adler voller Stolz. Seitdem sind 16 weitere Busse hinzugekommen, die inzwischen fast 1,5 Millionen Kilometer elektrisch zurückgelegt haben. Immer wieder würden die Münsteraner gefragt werden, welche Erfahrungen sie gemacht hätten. Und auch der Wasserstoffbus, den die Stadtwerke testen, wecke Interesse. Die entscheidende Frage, so Adler, wenn es um Busse gehe, sei die, ob es funktioniere. Natürlich hatten die ersten Busse 2015 noch Kinderkrankheiten. Inzwischen haben die Stadtwerke – 2018, 2019, 2020 – drei weitere Generationen E-Busse bekommen und mit jeder Lieferung sei die Qualität weiter gestiegen. Das sei übrigens der Grund für die große Lücke zwischen den ersten Bussen 2015 und der zweiten Gruppe von 2018: Man wollte sicherstellen, dass man die Fahrzeuge kennenlernen könne und zusammen mit Hersteller VDL alle Schwachstellen finden und abstellen konnte, so Adler weiter. Eine Taktik, die funktioniert habe, so dass man die Frage beantworten könne mit: „Danke, läuft gut!“. Das sieht man ja auch täglich auf der Linie 14, auf der es nur noch ganz vereinzelt Dieselbusse zu sehen gibt, wenn ein eigentlich vorgesehener E-Bus mal in der Werkstatt steht. Und auch auf der 11 sind die Gelenkzüge zuverlässig unterwegs, noch im Mischbetrieb mit Diesel. Klar kommt es mal zu einer Störung, wie Florian offen in seinem Blog-Beitrag schreibt, die ist dann allerdings genauso häufig auf Türen oder andere Teile des Busses zurückzuführen wie auf den Elektroantrieb. Das alles beheben wir in unserer Werkstatt auf speziellen Dacharbeitsplätzen. Immerhin haben die Dieselbusse Jahrzehnte Entwicklungsvorsprung und entwickeln im harten Linienbetrieb trotzdem Störungen. Die Geschindigkeit, mit der sich die Elektrotechnik weiterentwickelt, sei schon sehenswert. Hatten die ersten Busse noch eine Reichweite von 50 Kilometern, so schaffe die aktuelle Generation bis zu 250. Daher baue man inzwischen nicht mehr zwei Ladestationen wie noch auf der 14, sondern nur noch eine pro Linie – und selbst dann könne die Ladung gut und gern vier Mal komplett ausgelassen werden. Das erleichtere den Betrieb erheblich, weil man mit kürzeren Wendezeiten arbeiten könne. Bei der Ladung mit 350.000 Watt Leistung reichen auch ein paar Minuten, um die Batterien soweit zu füllen, dass genug Strom für die nächste Runde da ist. Seit einigen Monaten testen die Stadtwerke Münster einen ersten Wasserstoffbus.  Er hat eine Reichweite von 350 oder mehr Kilometern pro Tankladung, womit er auf vielen Linien den ganzen Tag unterwegs sein kann und erst abends tanken muss – quasi wie ein Dieselbus. Auch hier mache man gute Erfahrungen, drei weitere Busse sollen bis Ende des Jahres in Betrieb gehen. Allerdings gibe es noch immer wenige Wasserstoffbusse am Markt, sonst hätte man schon vor Jahren die ersten Exemplare eingesetzt. Hinzu komme, so Adler, dass die Energiedichte der Batterien bei Elektrobussen immer größer werde. Wenn es so weitergehe, würden E-Busse bald auch ohne Brennstoffzelle ähnliche Reichweiten haben. Ökologisch haben Wasserstoffbusse den Vorteil, dass sie nur kleinere Pufferbatterien benötigen und damit weniger Ressourcen. Allerdings muss der Wasserstoff aus Ökostrom erzeugt werden – nur dann kann man von grünem Wasserstoff sprechen. Ein Prozess, der derzeit noch sehr viel Energie verschlingt und für den es erst wenige Elektrolyseure gibt. Daher geben sich die Stadtwerke Münster in ihrer Strategie technologieoffen, so Adler weiter. Einige Wasserstoffbusse werde man mit Sicherheit einsetzen, wie groß der Anteil werde, würde man dann flexibel nach Entwicklung der Technik und Wirtschaftlichkeit entscheiden. Letztere spreche aktuell klar für die Batterie, so ein erstes Fazit des Blog-Autoren. Die Elektrobus-Flotte in Münster werde weiter wachsen, das ist klar. Bis 2029 wollen die Stadtwerke diee Dieselbusse komplett ausgemustert haben und nur noch elektrisch fahren. Dafür müsse man von aktuell 17 auf dann über 100 E-Busse kommen, wie es in dem Blog-Beitrag heißt. Um das zu schaffen, plane man, allein in diesem Jahr die Flotte fast zu verdoppeln: 15 neue Busse werden kommen, die ersten sechs Gelenkbusse schon in den nächsten Wochen, sechs weitere dann im Herbst. Hinzu kommen drei Wasserstoffbusse. Auch in den Folgejahren planen die Stadtwerke ähnlich große Anschaffungen. Wie viele es genau werden, ist immer von der aktuellen Förderkulisse abhängig, denn noch kosten E-Busse deutlich mehr als Dieselbusse. Daher bekommen wir einen Teil dieser Mehrkosten gefördert, zum Beispiel vom Land NRW, dem Bund oder auch der EU.(StadtwerkeMünster/Adler/PM/Sr)

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