Der Elektrobus in Dresden kann nicht wie geplant eingesetzt werden. Foto: DVB

Schwer geladen sind die ÖPNV-Macher in Dresden, denn die Elektrobusse machen schlapp! Schon mittags müssen die Solaris Urbino 12 Electric der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) zurück an die Steckdose. Es sei aber kein Problem von Solaris, auch wenn man hier neben dem Bus noch die Schnellladestation gekauft hätte, wie man seitens der DVB mitteilt. Das eigentliche Problem ist auch nicht die Schnellladestation, sondern der Hersteller und die Bürokratie. Seit Monaten fehlt die technische Abnahme, deshalb darf die Schnellladestation nicht an das Netz gehen. Die Batterien des Solaris Urbino 12 Electric können deshalb an der Haltestelle nicht – wie geplant – in nur vier Minuten wieder aufladen werden. Was sich im Vorfled beim Testen und im Fahrversuch bestens bewährt hat, ist in der Praxis nicht erlaubt: Das Nachladen ohne technische Abnahme. Für den regulären Betrieb im Alltag werden noch Unterlagen vom Hersteller benötigt, wie die DVB mitteilt. Aus diesem Grund fährt der Elektrobus deshalb nur noch vormittags und auf wechselnden Linien. Mittags wird dann im Depot für den nächsten Tag geladen. Die DVB hatte mit Innovationen von Solaris bisher beste Erfahrungen gemacht:  In der sächsischen Landeshauptstadt fährt bereits seit 2007 ein Solaris  Urbino 18 Hybrid. Er war der erste diesel-elektrisch angetriebene Bus des polnischen Busproduzenten. „Ganz besonders freuen wir uns, dass in Dresden der erste reguläre Linienbus mit konduktiver Hochstrom-Überdachladung verkehren wird“, sagte DVB-Vorstand Reiner Zieschank seinerzeit beim Kauf des Stromers. Das Projekt wird durch die TU Dresden wissenschaftlich begleitet. Die DVB wollte Erkenntnisse zu Ladestrategie und Speichernutzung gewinnen, um den weiteren Übergang zur Elektromobilität mit Bussen gestalten zu können. Doch das klappt nicht so ganz wie gedacht, obwohl technisch alle Hürden genommen sind. Der elektrisch angetriebene Urbino für Dresden ist ein niederfluriges Fahrzeug in 12-Meter-Ausführung. Er bietet Platz für 45 Fahrgäste, ist außergewöhnlich leise und vor Ort emissionslos. Der Bus wird mit einem Elektromotor mit einer Stärke von 160 kW und mit Batterien mit einer Kapazität von 200 kWh ausgestattet. Die Batterien versorgen nicht nur den Antrieb, sondern auch alle andere Systeme im Fahrzeug, darunter Klimaanlage, Heizung, Servolenkung und Türsteuerung. Die Batterieladung sollte durch einen Plug-in-Anschluss und durch das automatische Dachladesystem erfolgen. Der Elektrobus wurde zunächst auf der Linie 79 zwischen Mickten und Übigau eingesetzt. Der Stadtteil Übigau erhielt damit und mit den in Mickten verkehrenden Straßenbahnlinien eine rein elektrische ÖPNV-Anbindung an den Fernreiseverkehr und die Innenstadt.  Die Traktionsbatterie des Busses sollte während der Wendezeit in Mickten konduktiv über ein Hochleistungs-Oberleitungssystem geladen werden, jetzt bleibt es beim Laden während der Nachtzeit im Depot über ein stationäres Ladegerät. Das Projekt „Elektrobus-Linie 79“ ist eines von insgesamt rund 40 Projekten im Schaufenster Bayern-Sachsen Elektromobilität verbindet. Es wird mit etwa 1,1 Millionen Euro vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur im Rahmen der Schaufensterinitiative der Bundesregierung gefördert.

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