Edgar Isermann (unten, 3. v.l.), Leiter der Schlichtungsstelle, mit seinem Team. Foto: SÖP

Ist die Bahn einmal zu spät oder geht auf einer Fernbus-Reise etwas schief, können sich Fahrgäste an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) wenden. Rund 360 Verkehrsunternehmen arbeiten mit der von der Bundesregierung anerkannten Institution zusammen und ermöglichen es Reisenden so, Fahrgastrechte ohne größeren Aufwand oder erhebliche Kosten durchzusetzen. Im ersten Halbjahr 2017 verzeichnete die Schlichtungsstelle knapp 7.000 eingegangene Fälle, von denen etwa 80 Prozent erfolgreich gelöst werden konnten. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet dies einen Anstieg von rund 27 Prozent. Diesen erklärt die SÖP jedoch nicht mit schlechteren Reiseleistungen der Verkehrsunternehmen, sondern vielmehr mit der größeren Akzeptanz, die der Schlichtungsstelle entgegengebracht wird. Während 2016 noch etwa 260 Unternehmen mit der SÖP kooperierten, sind es mittlerweile rund 360, was wiederum bedeutet, dass mehr Reisende auf den kostenlosen Service zurückgreifen können. Im Gegensatz zur Bahn, die sich mit 1.200 eingegangen Beschwerden auf dem Vorjahresstand einpendelt, stieg die Anzahl der Fernbus-Beschwerden um rund 29 Prozent auf insgesamt 202 Fälle an. Die SÖP begründet dies mit der gestiegenen Nachfrage nach Fahrten mit dem Fernbus. Wer auf einer Reise eine negative Erfahrung macht, sollte sich zunächst über seine spezifischen Fahrgastrechte informieren, rät das Online-Portal fernbus.de. Wartet man beispielsweise mehr als zwei Stunden lang vergeblich auf den Bus, hat man ein Recht auf die volle Rückerstattung des Fahrpreises. Möchte man dieses geltend machen, muss zunächst der jeweilige Fernbus-Anbieter direkt kontaktiert werden. Erst wenn dieser Versuch fehlgeschlagen ist, kann man sich an die Schlichtungsstelle wenden. Die Volljuristen, die von der SÖP beschäftigt werden, versuchen dann eine Lösung auszuarbeiten, die sowohl für das Verkehrsunternehmen, als auch für den Kunden zufriedenstellend ist. Dabei ist die Dienstleistung der SÖP für Reisende völlig kostenlos. Bezahlt werden die Schlichtungen durch die Mitgliedsbeiträge, die die teilnehmenden Unternehmen erbringen. Zu diesen zählen neben der Bahn und den großen deutschen Fernbus-Anbietern wie FlixBus, Eurolines und IC Bus auch zahlreiche Fluggesellschaften sowie Nahverkehrsverbände.

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