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Scania teasert in den sozialen Netzwerken die nächste Touring-Generation. Foto: Scania; Montage: omnibus.news

Aufbruch in eine neue Bus-Ära? Scania hat seine Bussparte in den vergangenen Jahren grundlegend umgebaut. Der schwedische Hersteller ist heute weniger ein klassischer Omnibushersteller mit eigener Karosserieproduktion und deutlich stärker ein Anbieter von Fahrgestellen, Antrieben und integrierten Systemlösungen mit Partneraufbauten. In Europa konnten die Schweden mit dieser Philosophie besonders mit dem Touring punkten. Der erste Scania Touring wurde am 15. Oktober 2009 auf der Busworld in Kortrijk (Belgien) als Weltpremiere vorgestellt.

Scania bezeichnete ihn damals als neuen Reisebus und als Ergebnis der strategischen Partnerschaft mit dem chinesischen Aufbauhersteller Higer. Scania lieferte das Fahrgestell und die Erfahrung mit internationalen Kundenanforderungen, Higer brachte seine Kompetenz im Karosseriebau ein. 2026 steht nun offenbar die nächste große Entwicklungsstufe an. Die zahlreichen Teaser-Fotos lassen den Namen Touring eindeutig erkennen, auch die Marke Scania ist präsent. Auf einer Blende im Bereich der B-Säule ist zudem der Schriftzug „Super“ zu sehen.

Optisch wurde die Baureihe offensichtlich deutlich weiterentwickelt. Sollte Scania tatsächlich einen grundlegend neuen Touring präsentieren, wäre das nach 17 Jahren ein ausgesprochen großer Modellwechsel. Und angesichts der heutigen strategischen Ausrichtung des Unternehmens wäre ein solcher Schritt besonders interessant: Scania als Fahrgestell- und Antriebsspezialist, Higer als Aufbaupartner – und der Touring als gemeinsames Produkt.

Scania hat seine Busstrategie neu ausgerichtet

Scania hat seine Busstrategie 2023 neu ausgerichtet. Im Zuge dessen wurde beschlossen, die Karosserieproduktion im polnischen Słupsk einzustellen. Die Produktion von Komplettbussen endete dort Anfang 2024. Gleichzeitig wurden die Baureihen Citywide und Interlink sowie die Low-Floor-Fahrgestelle aus dem Programm genommen. Die Fahrgestellproduktion in Słupsk blieb dagegen bestehen. Scania konzentriert sich seitdem stärker auf Fahrgestelle, Antriebe und die Zusammenarbeit mit Aufbauherstellern.

Das Unternehmen betont dabei ausdrücklich sein modulares System, das weltweite Servicenetz sowie die Zusammenarbeit mit starken globalen und lokalen Karosseriepartnern. Komplettbusse und Reisebusse bleiben ausdrücklich Bestandteil des Angebots – sie entstehen jedoch zunehmend in Kooperation mit externen Aufbauherstellern. Der strategische Wandel lässt sich auch an den Produktionszahlen ablesen: 2025 lieferte Scania weltweit 6.485 Busse und Reisebusse aus.

Neue Antriebsgeneration für Busse und Reisebusse

Parallel dazu hat Scania 2025 eine komplett neue Antriebsplattform für Busse und Reisebusse eingeführt. Sie basiert auf Komponenten und Entwicklungsleistungen der aktuellen „Super“-Antriebsgeneration aus dem Lkw-Bereich, wurde aber speziell für den Einsatz in Bussen und Reisebussen angepasst. Zum Portfolio gehören Verbrennungsmotoren für Diesel und erneuerbare Kraftstoffe ebenso wie Plug-in-Hybrid- und batterieelektrische Lösungen. Besonders interessant ist der neue 11-Liter-Super, der zwischen dem 9- und dem 13-Liter-Motor positioniert ist.

Der 11-Liter soll dort zum Einsatz kommen, wo der 9-Liter an seine Grenzen kommt, ein 13-Liter aber nicht erforderlich ist – beispielsweise im Regional- und Intercityverkehr. Scania nennt für den neuen 11-Liter in Verbindung mit dem neuen Getriebe einen repräsentativen Kraftstoffverbrauchsvorteil von bis zu zehn Prozent gegenüber dem Vorgänger. Beim 13-Liter-Super werden bis zu acht Prozent angegeben. Auch der Plug-in-Hybrid gehört inzwischen fest zur neuen Bus- und Reisebusstrategie. Der 13-Liter-Super wird dabei mit zwei Elektromaschinen und einer 89-kWh-Batterie kombiniert.

Reisebus-Elektrifizierung mit Augenmaß

Bei Reisebussen ist Scania weiterhin aktiv. Ein besonders interessantes Beispiel ist der Scania Irizar i6S Efficient PHEV. Irizar liefert den Aufbau, Scania Fahrgestell und Antrieb. Die Kombination aus 13-Liter-Scania-Super-Motor mit 338 kW (460 PS), zwei Elektromaschinen mit jeweils 145 kW und einer 89-kWh-Batterie ermöglicht je nach Ausführung bis zu 70 Kilometer elektrische Fahrt beim Dreiachser beziehungsweise bis zu 80 Kilometer beim Zweiachser. Unter günstigen Einsatzbedingungen kann der Plug-in-Hybrid laut Scania den Kraftstoffverbrauch gegenüber einem konventionellen Antrieb um bis zu 47 Prozent reduzieren.

In Kombination mit HVO werden zudem CO₂-Einsparungen von bis zu 94 Prozent angegeben. Das Konzept ist bemerkenswert: Scania versucht beim klassischen Reisebus nicht, die Elektrifizierung ausschließlich über einen batterieelektrischen Fernreisebus voranzutreiben. Stattdessen wird mit dem Plug-in-Hybrid ein pragmatischer Zwischenschritt angeboten, der elektrisches Fahren beispielsweise in Städten, Terminals oder Umweltzonen ermöglicht, gleichzeitig aber die Reichweite eines konventionellen Reisebusses erhält. Der Ansatz wurde gerade erst bestätigt: Der Scania Irizar i6S Efficient PHEV erhielt im September 2026 den Sustainable Bus Award 2027 in der Kategorie Coach.

Kommt mit Higer jetzt der elektrische Touring?

Diese Frage ist mit Blick auf die bevorstehende Touring-Premiere besonders interessant. Denn Scania baut parallel sein batterieelektrisches Angebot aus. Die neue High-Floor-BEV-Plattform richtet sich ausdrücklich auch an Anwendungen, bei denen bisher klassische Hochboden-Fahrgestelle zum Einsatz kommen. Das aktuelle Scania K-Chassis HF kann als batterieelektrische Variante mit bis zu 535 kWh installierter beziehungsweise bis zu 480 kWh nutzbarer Batteriekapazität und bis zu 330 kW Dauerleistung angeboten werden. 

Damit besitzt Scania inzwischen technisch die Voraussetzungen, auch einen Reisebus mit Hochboden-Fahrgestell batterieelektrisch auszurüsten. Ob daraus nun auch ein elektrischer Touring wird, ist allerdings noch offen. Auch im Stadt- und Überlandverkehr ist Scania keineswegs aus dem Busgeschäft verschwunden. Ein interessantes Beispiel ist der Fencer, den Scania gemeinsam mit Higer anbietet. Die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Hersteller reicht bis zur Premiere des ersten Touring im Jahr 2009 zurück und besteht damit seit rund 17 Jahren.

Die damalige Partnerschaft war ausdrücklich als globales Konzept angelegt: Higer brachte die Aufbaukompetenz ein, Scania Fahrgestell, Antrieb und internationale Markterfahrung. Der Touring war der erste gemeinsame Schritt dieser Kooperation. Die Entwicklung zeigt: Scania verschwindet keineswegs aus dem Busgeschäft. Scania verändert seine Rolle im Busgeschäft. Der Hersteller versucht nicht mehr, in Europa mit einer möglichst breiten eigenen Karosseriepalette gegen Anbieter wie MAN, Daimler Buses oder Iveco anzutreten.

Stattdessen konzentriert sich Scania auf Bereiche, die traditionell zu den Kernkompetenzen des Unternehmens gehören: Fahrgestell, Antrieb, Elektrifizierung, Modularität und Service. Der Touring nimmt dabei eine besondere Stellung ein. Seit seiner Premiere 2009 ist er ein sichtbares Ergebnis der Zusammenarbeit mit Higer und gleichzeitig ein wichtiger Bestandteil der europäischen Reisebusstrategie von Scania. Nun steht offenbar die nächste Entwicklungsstufe bevor. Am 7. Oktober soll der neue Scania Touring vorgestellt werden.

Die Teaser verraten bereits den Namen Touring und den Hinweis „Super“. Vom Antrieb selbst ist auf den bislang veröffentlichten Bildern allerdings nichts zu sehen. Gerade das macht die Premiere spannend: Was verbirgt Scania unter der neuen Karosserie? (Scania/omnibus.news/Sr)

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