
Die neue Form ist allerdings nicht nur eine Designfrage. Scania spricht von einer aerodynamisch optimierten, tropfenförmigen Karosserie. Foto: Scania

Scania hat die neue Generation des Touring vorgestellt. Foto: Scania

Je nach Konfiguration sind Gepäckräume oberhalb der Radkästen vorgesehen. Foto: Scania
Scania hat die neue Generation des Touring vorgestellt. Nach 17 Jahren erhält der Reisebus ein grundlegend überarbeitetes Erscheinungsbild, einen neuen Fahrer- und Fahrgastraum, mehr Gepäckkapazität und die neue Super-Antriebsplattform. Gleichzeitig bestätigt Scania bereits die nächste Stufe: Der neue Touring soll künftig auch als Plug-in-Hybrid und batterieelektrisch angeboten werden. Der Scania Touring gehört seit seiner Premiere 2009 zum Reisebusprogramm des schwedischen Herstellers. Damals entstand das Fahrzeug aus der strategischen Zusammenarbeit zwischen Scania und dem chinesischen Aufbauhersteller Higer.
Scania lieferte Fahrgestell und Antrieb, Higer die Aufbaukompetenz. An diesem Grundprinzip hält Scania auch bei der neuen Generation fest. Am auffälligsten ist zunächst das neue Design. Die Karosserie wurde vollständig neu gestaltet und trägt nun deutlich stärker die aktuelle Scania-Designsprache. Eine markante Wabenstruktur findet sich unter anderem in der Front, an den Scheinwerfern, Nebel- und Abbiegeleuchten sowie an Heck und Motorraumklappe. Die neue Form ist allerdings nicht nur eine Designfrage. Scania spricht von einer aerodynamisch optimierten, tropfenförmigen Karosserie.
Abgerundete Übergänge und ein integrierter Dachspoiler sollen den Luftwiderstand reduzieren und damit den Energieverbrauch senken. Gleichzeitig sollen Windgeräusche und Vibrationen im Innenraum zurückgehen. Optional ersetzt ein digitales Kamerasystem die konventionellen Außenspiegel. Die Kameras verbessern laut Scania die Sicht auf das Fahrzeugumfeld und reduzieren gleichzeitig den Luftwiderstand. Die Bildschirme befinden sich im Bereich der A-Säulen. Die Außenbeleuchtung ist vollständig auf LED-Technik umgestellt.
Die Heckleuchten erhalten ebenfalls ein neues Erscheinungsbild; zusätzliche, hoch angeordnete Brems- und Blinkleuchten verbessern die Erkennbarkeit des Reisebusses. Auch der Fahrerplatz wurde grundlegend überarbeitet. Ein wesentlicher konstruktiver Eingriff ist die um 90 Millimeter nach hinten versetzte B-Säule. Zusammen mit einer größeren elektrisch bedienbaren Seitenscheibe, einer überarbeiteten Frontscheibe und der neu gestalteten Tür soll sich das Sichtfeld des Fahrers deutlich verbessern.
Hinzu kommt das sogenannte Scania City Safe Window im unteren Bereich der Vordertür. Es soll insbesondere die Sicht auf Fußgänger und Radfahrer neben dem Fahrzeug verbessern. Der Fahrer erhält außerdem die neue digitale Smart-Dash-Umgebung. Das zentrale Display bündelt unter anderem Fahrzeuginformationen, Navigation, Medien, Telefonie und das Bild der Rückfahrkamera. Apple CarPlay und Android Auto werden ebenfalls unterstützt. Beim Fahrerassistenzsystem setzt Scania unter anderem auf Abstandsregelung, vorausschauende Geschwindigkeitsregelung, Spurhaltefunktionen mit aktivem Lenkeingriff, Spurwechsel-Kollisionsvermeidung, Totwinkelüberwachung sowie Aufmerksamkeits- und Müdigkeitserkennung.
Je nach Ausstattung kommen weitere Funktionen wie Notbremsassistent, Verkehrszeichenerkennung und Reifendrucküberwachung hinzu. Eine wichtige Neuerung für Reisebusbetreiber ist die größere Gepäckkapazität: Das Volumen der Unterflur-Gepäckräume steigt bei dreiachsigen Verbrennerfahrzeugen laut Scania um bis zu 14,5 Prozent. Auch die Gepäckablagen im Innenraum wurden neu entwickelt und bieten durch ihre größere Tiefe rund 40 Prozent mehr Stauraum. Zusätzlich können je nach Konfiguration Gepäckräume oberhalb der Radkästen vorgesehen werden.
Damit reagiert Scania auf einen Bereich, der bei Reisebussen unmittelbar über die Alltagstauglichkeit entscheidet: mehr Gepäck, ohne dafür Sitzplätze oder Fahrgastkomfort opfern zu müssen. Auch der Fahrgastraum wurde vollständig neu gestaltet. Angeboten werden neue Kiel Avance X-Sitze in den Ausführungen Comfort und Luxury. Die Sitze verfügen serienmäßig über eine seitliche Verstellung. Neue Farben und Materialien, eine überarbeitete Fahrgastbeleuchtung und eine Ambientebeleuchtung sollen den Innenraum moderner erscheinen lassen.
Jeder Sitz kann mit USB-C-Anschluss ausgestattet werden. Die Serviceeinheiten wurden ebenfalls überarbeitet. Breitere und tiefere Stufen sowie eine LED-Beleuchtung der Einstiege sollen das Ein- und Aussteigen erleichtern. Damit wurde nicht nur das Design, sondern auch die Ergonomie des Reisebusses weiterentwickelt. Eine der wichtigsten technischen Neuerungen steckt allerdings unter der Karosserie. Der neue Touring wird mit der Scania-Super-Antriebsplattform angeboten. Sie umfasst insbesondere die neuen 11- und 13-Liter-Motoren.
Scania gibt gegenüber der Vorgängergeneration je nach Konfiguration typischerweise acht bis zehn Prozent weniger Kraftstoffverbrauch an. Gleichzeitig soll die Super-Plattform eine einfachere Wartung und eine um rund 25 Prozent längere Lebensdauer ermöglichen. Für den Touring reicht die Leistungsspanne von 360 bis 500 PS. Die 11-Liter-Super-Motoren decken dabei 350, 390 und 430 PS ab, während der 13-Liter bis 500 PS angeboten wird. Scania zeigt selbst zwei unterschiedliche Konfigurationen als Beispiele:
Einen 10,99 Meter langen Zweiachser mit 350 PS starkem Super-11-Motor und ZF-Getriebe sowie einen 14,70 Meter langen Dreiachser mit 500 PS starkem Super-13-Motor und Scania Opticruise. Der neue Touring bleibt eine ausgesprochen breit angelegte Reisebusfamilie. Für Linkslenker sind Zweiachser mit 10,9, 12,3 und 13,0 Metern vorgesehen. Bei den Dreiachsern stehen Varianten mit 13,2, 13,9 und 14,7 Metern zur Verfügung. Bei Rechtslenkern ist das Angebot etwas eingeschränkter: Hier nennt Scania 10,9 und 13,0 Meter als Zweiachser sowie 13,2 und 13,9 Meter als Dreiachser.
Die Karosserie ist je nach Ausführung 2,50 beziehungsweise 2,55 Meter breit und rund 3,80 Meter hoch. Besonders interessant ist jedoch, was Scania noch nicht anbietet. Denn der neue Touring ist von Beginn an für weitere Antriebsvarianten vorbereitet. Scania kündigt ausdrücklich eine schrittweise Einführung weiterer Antriebsplattformen an. Den Anfang soll dabei die batterieelektrische Variante machen. Damit wird aus der neuen Touring-Generation mehr als lediglich ein neuer Diesel-Reisebus. Die technische Grundlage dafür existiert bereits.
Scania hatte auf der Busworld 2025 in Brüssel seine neue High-Floor-BEV-Plattform vorgestellt. Sie wurde ausdrücklich auch für Reisebusse entwickelt und kann bis zu rund 534 kWh installierte Batteriekapazität, etwa 480 kWh nutzbare Energie und bis zu 330 kW Antriebsleistung aufnehmen. Scania nennt für die Plattform Reichweiten von bis zu 600 Kilometern – abhängig von Aufbau, Einsatz und Bedingungen. Beim neuen Touring macht Scania allerdings noch keine detaillierten Angaben zu Batteriegröße, Reichweite oder Ladeleistung der späteren Serienversion.
Vor dem batterieelektrischen Touring dürfte die Plug-in-Hybridtechnik eine interessante Rolle spielen. Scania hat mit dem Irizar i6S Efficient PHEV bereits einen Reisebus mit dieser Technologie im Programm. Die Plattform kombiniert den 13-Liter-Scania-Super-Motor mit einem elektrifizierten Getriebe und zwei Elektromaschinen mit jeweils 145 kW. Die Batterie verfügt über 89 kWh. Je nach Konfiguration und Einsatz sind rund 70 bis 80 Kilometer rein elektrische Fahrt möglich. Der PHEV-Ansatz ermöglicht damit beispielsweise emissionsfreies Fahren in Städten oder Umweltzonen, ohne auf die Reichweite eines klassischen Reisebusses verzichten zu müssen.
Trotz aller Neuerungen bleibt das Grundkonzept des Touring erhalten. Der Aufbau entsteht weiterhin im Rahmen der langjährigen Zusammenarbeit mit Higer. Scania bringt Fahrgestell, Antrieb, Elektronik, Sicherheitstechnik und Servicekompetenz ein. Das passt zur neuen Busstrategie des schwedischen Herstellers. Scania hatte seine Busaktivitäten in den vergangenen Jahren deutlich verändert und die eigene Karosserieproduktion in Słupsk eingestellt. Die schwedische Marke konzentriert sich seither stärker auf Fahrgestelle, Antriebe, Elektrifizierung und die Zusammenarbeit mit spezialisierten Aufbauherstellern.
Der Touring ist damit geradezu ein Beispiel für diese neue Scania-Strategie: Scania definiert die technische Plattform und das Gesamtsystem, während ein Partner den Aufbau produziert. Mit der neuen Generation macht Scania aus dem Touring mehr als einen modernisierten Reisebus. Das Fahrzeug verbindet ein komplett neues Erscheinungsbild mit besserer Aerodynamik, mehr Gepäckraum, einem deutlich weiterentwickelten Fahrerarbeitsplatz, neuen Assistenzsystemen und mehr Komfort. Gleichzeitig bildet die neue Super-Antriebsplattform die technische Basis für eine weitere Effizienzsteigerung.
Noch wichtiger ist jedoch der Blick nach vorn: Der neue Touring ist für mehrere Antriebskonzepte vorbereitet. Nach dem Super-Diesel sollen Plug-in-Hybrid und vor allem batterieelektrische Antriebe folgen. Damit könnte der Touring in den kommenden Jahren genau das verkörpern, was Scania mit seiner neuen Busstrategie erreichen will: kein klassischer Omnibushersteller mit möglichst vielen eigenen Karosserien, sondern ein Systemanbieter für Fahrgestell, Antrieb, Elektrifizierung, Sicherheit und Service – gemeinsam mit spezialisierten Aufbaupartnern. (Scania/omnibus.news/Sr)

Auch der Fahrerplatz wurde grundlegend überarbeitet. Ein wesentlicher konstruktiver Eingriff ist die um 90 Millimeter nach hinten versetzte B-Säule. Foto: Scania

Scania spricht bei der neuen Touring-Generation von einer aerodynamisch optimierten, tropfenförmigen Karosserie. Foto: Scania