Seite wählen

Der Sustainable Bus Award 2027 macht damit deutlich: Die Dekarbonisierung des Omnibusverkehrs folgt nicht zwangsläufig einem einzigen technischen Weg. Entscheidend ist vielmehr, welcher Antrieb zum jeweiligen Fahrprofil, zur Infrastruktur und zum wirtschaftlichen Einsatz des Fahrzeugs passt. Foto: Solaris/BYD/Irizar; Montage: SBY

Brennstoffzelle, Batterie und Plug-in-Hybrid: Die Gewinner des Sustainable Bus Award 2027 könnten bei den Antrieben kaum unterschiedlicher sein. Die Auszeichnung zeigt damit vor allem eines: Für unterschiedliche Einsatzprofile werden unterschiedliche Lösungen gebraucht. Beim Sustainable Bus Award 2027 ist omnibus.news das deutsche Jurymitglied. In diesem Jahr gingen die Auszeichnungen an drei Fahrzeuge mit drei unterschiedlichen Antriebskonzepten.

In der Kategorie Urban setzte sich der Solaris Urbino 18 Hydrogen New Generation mit Brennstoffzellenantrieb durch. In der Kategorie Intercity wurde der BYD B12.b HF mit Batterieantrieb ausgezeichnet. Bei den Reisebussen, Kategorie Coach, gewann der Irizar i6S Efficient Scania PHEV mit Plug-in-Hybridantrieb. Damit zeichnete die Jury nicht einen bestimmten Antrieb als grundsätzlich nachhaltigste Lösung aus. Vielmehr spiegeln die drei Gewinner unterschiedliche Anforderungen im Stadt-, Überland- und Reiseverkehr wider.

Der Solaris Urbino 18 Hydrogen New Generation steht für den Einsatz der Brennstoffzellentechnik im hochkapazitiven Stadtverkehr. Wasserstoff wird an Bord in einer Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt. Die Lösung ermöglicht große Reichweiten und kurze Tankzeiten, ohne dass die gesamte benötigte Energie in einer entsprechend großen Traktionsbatterie gespeichert werden muss. Gerade bei Gelenkbussen mit hohen täglichen Laufleistungen kann das ein entscheidender Faktor sein.

Die Brennstoffzelle ist dabei nicht als universelle Alternative für jeden Stadtverkehr zu verstehen, sondern als Option für Einsatzprofile, bei denen Reichweite, Fahrzeugkapazität und kurze Standzeiten eine wichtige Rolle spielen. Der BYD B12.b HF zeigt dagegen, wie weit die Batterieelektrifizierung inzwischen in den Überlandverkehr hineinreicht. Der Hochbodenbus ist für längere Fahrten ausgelegt und soll nach Herstellerangaben Reichweiten von bis zu 655 Kilometern ermöglichen.

Zum Konzept gehört die von BYD entwickelte Blade Battery auf LFP-Basis. Die Batterie ist in die Fahrzeugstruktur integriert. Für den Antrieb kommen Radnabenmotoren zum Einsatz. Damit steht der B12.b HF für eine Entwicklung, die noch vor wenigen Jahren vor allem im Stadtverkehr denkbar schien: Auch bei Intercity-Bussen können batterieelektrische Fahrzeuge zunehmend längere Umläufe übernehmen. Beim Irizar i6S Efficient Scania PHEV hat sich die Jury wiederum für eine andere Lösung entschieden.

Der Reisebus kombiniert einen Verbrennungsmotor mit einem elektrischen Antrieb und einer 89-kWh-Batterie. Je nach Fahrzeugkonfiguration sind nach Angaben von Scania bis zu 70 Kilometer elektrische Reichweite bei der dreiachsigen beziehungsweise bis zu 80 Kilometer bei der zweiachsigen Variante möglich. Die Batterie kann von 20 auf 80 Prozent in rund 44 Minuten geladen werden. Für einen Reisebus bedeutet das eine Kombination aus elektrischem Fahren auf geeigneten Teilstrecken und der Reichweite des Verbrennungsmotors auf langen Fahrten.

Zusätzlich kann der Verbrennungsmotor je nach Ausführung mit HVO betrieben werden. Interessant ist damit weniger die Frage, welcher Antrieb beim Sustainable Bus Award 2027 gewonnen hat. Einen solchen gemeinsamen Sieger gibt es nicht. Die drei Auszeichnungen zeigen vielmehr, dass die Antriebswende im Busverkehr einsatzprofilabhängig bleibt. Ein hoch ausgelasteter Gelenkbus im Stadtverkehr hat andere Anforderungen als ein Intercity-Bus mit langen Umläufen.

Ein Reisebus wiederum muss häufig mehrere hundert Kilometer am Stück zurücklegen und kann nur begrenzt auf Ladeinfrastruktur entlang der Strecke zurückgreifen. Die Jury des Sustainable Bus Award berücksichtigte deshalb neben der Antriebsarchitektur unter anderem Energieeffizienz, Gesamtbetriebskosten, Wartung, Lebenszyklus, Umweltwirkungen und den konkreten Nutzen für den Betreiber. Die Auswahl für 2027 lässt sich damit als Momentaufnahme der aktuellen Entwicklung lesen:

Wasserstoff, Batterie und Plug-in-Hybrid stehen derzeit nebeneinander – und bedienen jeweils unterschiedliche Einsatzszenarien. Für die Busbranche ist das durchaus bemerkenswert. Während batterieelektrische Antriebe ihre Einsatzbereiche zunehmend vom Stadt- in den Überlandverkehr ausweiten, bleibt die Brennstoffzelle für bestimmte hochintensive Verkehre interessant. Der Plug-in-Hybrid wiederum kann insbesondere im Reiseverkehr eine Brücke zwischen elektrischem Fahren und den Anforderungen langer Strecken bilden.

Der Sustainable Bus Award 2027 macht damit deutlich: Die Dekarbonisierung des Omnibusverkehrs folgt nicht zwangsläufig einem einzigen technischen Weg. Entscheidend ist vielmehr, welcher Antrieb zum jeweiligen Fahrprofil, zur Infrastruktur und zum wirtschaftlichen Einsatz des Fahrzeugs passt. (SustainableBusAward/omnibus.news/Sr)

Teilen auf: