Zur IAA 2016 zeigt Setra eine TopClass mit einer 1+1 Bestuhlung, die Idee zeigten die Ulmer schon 1992 mit der speziell ausgebauten Studie auf Basis der Baureihe 300. Foto: Setra

Das Jahr 1991 war das Startjahr für die Baureihe 300 von Setra. Es begann mit den Typen S 309 HD, S 315 HD und S 315 HDH. Zu den auffälligsten Merkmalen der neuen Busse gehörten die markante Schwinge hinter dem Cockpitbereich sowie das völlig neuentwickelte Integralspiegelsystem, die der Baureihe 300 ihr einzigartiges „Gesicht“ verliehen. Die beheizbaren und von innen verstellbaren, „abgeknickten“ Spiegelarme, die anfangs als „Maikäferfühler“ bezeichnet wurden, vermittelten dem Fahrer – in Verbindung mit der sichtoptimierten A-Säule – eine sehr gute Sicht entlang beider Seiten des Busses. Ein weiteres wesentliches Merkmal der neuen Baureihe 300 war das ergonomisch gestaltete Cockpit. Auch in punkto Sicherheit war bei der Baureihe 300 nur das Beste gut genug: Antiblockiersystem und Antriebs­schlupfregelung (ABS/ASR) gehörten ebenso zur Serienausstattung wie ein Retarder von Telma oder Voith. Um die Übersicht über die Modellpalette zu erleichtern, begann mit der Baureihe 300 die Gliederung des Omnibus-Angebots in drei Gattungen, die bis heute Gültig­keit haben und die Fahrzeuge begrifflich eindeutig definieren: Die Luxus-Reisebusse tragen nunmehr die Bezeichnung TopClass, die ComfortClass steht für die ökonomischen Reisebusse und entsprechend ihrer multifunktionalen Anwendungsmöglichkeiten sind schließlich Überlandlinienbusse unter dem Begriff MultiClass zusammengefasst.

Ganz variabel präsentierte sich der Fahrgastraum. Foto: Setra

Weil alles neu war, wagten sich die Ulmer mit der so genannten Setra-Studie im Jahr 1992 ein Stück in die Zukunft: Auf Basis des S 315 HDH bot die Studie auf 12 m Länge “nur” 22 Sitzplätze und neue Ideen: Die Designer hatten ganz frei von Zwängen eine Innenausstattung kreieren dürfen, die auch ganz ohne Rücksicht auf Kosten und eine mögliche Serienfertigung gestaltet werden konnte. Neben einer Videoanlage mit 2 Programmen und einer Radioanlage mit 6 Programmen – was vor 26 Jahren durch aus schon eine kleine Sensation war – bot die Studie noch einen Catering-Service, wie man ihn aus dem Flugzeug kannte. Aus Umweltschutzgründen wurde damals schon kein Einweggeschirr verwendet… Außerdem verfügte der S 315 HDH über eine Zapfanlage sowie eine Geschirrspülmaschine. Die Doppelsitze im Heckbereich waren um 360° schwenkbar, ganz im Sinne der Idee drehte sich damals im wahrsten Sinne alles um diese Studie. Der S 315 HDH wurde 1991 gemeinsam mit den Hochdeckern S 315 HD und S 309 als Flaggschiff der neuen Setra-Generation der Baureihe 300 in der Ulmer Donauhalle präsentiert. 1992 wurde der S 315 HDH dann zum “Coach of the Year 1993” gewählt und 1997 um die dreiachsige Version mit 13,7 m Länge ergänzt. Ein Jahr später folgte der S 315 HDH-2, der aber dann nur 12 m lang war. Die Studie wurde nach mehreren Auftritten zurückgebaut und als “normal ausgestatteter” Reisebus der 300er Baureihe verkauft.

Multi-Media anno 1992. Foto: Setra

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