Die Bürgermeisterin Roms, Virginia Raggi, hat mit politischer Unterstützung und konkreten Plänen die ATAC vor der Pleite bewahrt. Foto: Raggi

Lange Zeit stand es schlecht um die Agenzia del trasporto autoferrotranviario del Comune di Roma (ATAC). Der Verkehrsbetrieb in Rom war de facto pleite, ein Konkurs unausweichlich. Doch das konnte sich die Stadt Rom nicht erlauben, denn sie ist Bürge der ATAC. Also musste ein Plan her. Marco Rettighieri sollte die ATAC retten, bekam aber zu wenig Unterstützung – von den Mitarbeitern und den Verantwortlichen aus der Politik. Nachdem er das Handtuch hingeworfen hatte, kam Bruno Rota. Die Römer hofften, dass der erfahrene Manager den ÖPNV nach Mailand auch in Rom wieder zurück auf den Pfad der Tugend bringen könnte. Doch Rota konnte Rettighieri nur den Rücken stärken, in Rom schien das Aus besiegelt. Das städtische Busunternehmen wies ein Defizit von 1,5 Milliarden Euro auf, wie in den Tageszeitungen Roms und Papieren der Parteien übereinstimmend zu lesen war. Und das, obwohl die ATAC jedes Jahr mit über einer halben Milliarde Euro subventioniert wurde. Trotzdem präsentieren die Verantwortlichen am Ende des Jahres immer wieder ein neues Defizit. Dann kam mit der neuen Bürgermeisterin Virgina Raggi die Wende. Langsam, für viele Römer zu langsam, aber immerhin, jetzt gibt es die ersten neuen Omnibusse. Und eine Privatisierung scheint vom Tisch, die ATAC will sich selbst retten, um nicht verkauft zu werden. Seit Anfang des Jahres will die ATAC zeigen, dass sie auch anders kann. Pläne wurden geschrieben, die nicht nur die Gläubiger, sondern auch die Politik gnädig stimmen sollten. Und das Vorhaben klappt, nicht für die Prämien für die Mitarbeiter scheinen Wirkung zu zeigen. Die ersten Zahlen jedenfalls sind positiv: Laut einer Statistik erschien im ersten Quartal 2017 mehr als jeder zehnte ATAC-Mitarbeiter nicht zur Arbeit! Im zweiten Quartal 2018 seien die Fehlzeiten der Angestellten im Vergleich zum ersten Quartal 2018 noch weiter rückläufig. Und auch die Einnahmen steigen, seit man auf klassische Automaten auch auf eine Fahrschein-App setze: Im Juli 2018 wuchsen die Einnahmen beispielsweise um + 7,5 % gegenüber Juli 2017. Geht doch! Unterstützung bei der Anschaffung neuer Linienbusse bekommt die ATAC aus dem “Programma nazionale di rinnovo straordinario del parco materiale rotabile su gomma”. Rund 60% der Kosten der neuen Omnibusse übernimmt der Staat. Zusammen mit den Rabatten, den man beim Großeinkauf bekäme, wäre das zu stemmen. Insgesamt sind neun Lose mit 1.550 Linienbussen ausgegeben worden, den Zuschlag erhielten ausschließlich italienische Anbieter: Ob Iveco oder Industria Italiana Autobus, die Aufträge bleiben in der Heimat. Während Iveco bekannt ist, ist mit Industria Italiana Autobus ein Neuling dabei. 2015 von Finmeccania und Del Rosso gegründet, wurden die Produktionsstätten von BredaMenarinibus in Bologna übernommen. Und mit dem Kauf des ehemaligen Iveco-Buswerkes Valle dell’Ufita in Flumeri kann das Unternehmen auf die sprichwörtlichen Wurzeln im italienischen Busbau zurückgreifen. Spätestens mit der Vereinbarung mit Rampini zur Entwicklung der Elektromobilität und Komponenten für den Busbau wurde klar, dass man zukunftsorientiert denkt und handelt. Das dürfte dann auch den einen oder anderen Stern der populistischen und linksliberalen Partei der amtierenden Bürgermeisterin Virginia Raggi zum Leuchten bringen. “Mit zunächst 227 neuen Bussen ist ein entscheidender Schritt zur Wiederbelebung des öffentlichen Nahverkehrs in Rom gelungen”, so Raggi. Und Paolo Simioni, CEO von ATAC, ergänzt: “Die Erneuerung der Flotte ist die Grundlage, um die Ziele des ATACS-Rehabilitations- und Revitalisierungsplans zu erreichen. Mit der Bestellung der Busse über Consip (einem vom italienischen Ministerium für Wirtschaft und Finanzen gegründetem Unternehmen) werden die Prognosen und Pläne erreicht werden.” Cristiano Cannarsa, Chief Executive Officer von Consip, kommentiert: “Consip ist die Schnittstelle für die Verbindung von italienischen Firmen, um durch Rationalisierung öffentliche Ausgaben zu reduzieren. Der Kauf von 227 Bussen macht dies deutlich und ist ein wichtiger Impuls für Stadt, die lokale Industrie und das nötige Wachstum.” Während der Anteil des öffentlichen Nahverkehrs in nahezu allen großen europäischen Städten seit Jahren stetig zunimmt, ist er in Rom rückläufig. Beziehungsweise er war es wohl, wenn die Revitalisierung klappt – am Jahresende steht die große Gläubigerversammlung an. Wenn auch die den von Finanz- und Rechtsberatern erstellten Plänen sowie den mittlerweile auf deren Grundlage erwirtschafteten Zahlen zustimmen, kann es weitergehen.

Die ATAC in Rom hat sich neu aufgestellt und scheint den drohenden Konkurs abzuwenden. Foto: Schreiber

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