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Rietze MB O 305

Rietze kündigt als formneuheit den MB O 305 mit StülB-Front an, außerdem dem noch den O 530 G ohne „Hörnchen“. Grafik: Rietze

Mercedes-Benz O 305 G

Mercedes-Benz Typ O 305 G mit modifizierter Stirnfront für die Essener Verkehrsbetriebe, 1982. Foto: Daimler

Der Modernisierungsschub, der um die Mitte der 60er-Jahre einsetzt, ist in erster Linie der Initiative der Verkehrsunternehmen zu verdanken. Selbst in hohem Maße von der Zufriedenheit ihrer eigenen Kunden, der Fahrgäste, abhängig, versprechen sich die Verkehrsbetriebe von einer Standardisierung der Linienbusse auch wirtschaftliche Einsparungen, nicht zuletzt aufgrund einer Reduktion der Kosten für Wartung, Unterhalt und Ersatzteil-Lagerhaltung. Doch auch den Herstellern fällt es nicht immer leicht, sich auf die neue Konzeption einzustellen, auch wenn sie sich beeilen, dem Kundenwunsch zu genügen. Bis dahin hatte jeder hinsichtlich Abmessungen, Motorisierung und Ausstattung seine eigenen Ideen verfolgt, die mit der neuen Linie nicht immer leicht in Einklang zu bringen sind. Marktführer Daimler-Benz hatte erst 1965 die neue Modellreihe O 302 vorgestellt. Angesichts der verhältnismäßig geringen Stückzahlen für einzelne Segmente wie den Überlandverkehr gedachte das Mannheimer Werk, sämtliche Einsatzbereiche, vom Stadtbus bis hin zum komfortablen Reisebus, mit einer einzigen Baureihe zu bedienen. Doch das Modell entspricht nun anfangs ja keinesfalls den Forderungen, mit denen der VÖV zwei Jahre später an die Öffentlichkeit tritt. Zudem bildet sich aber noch um die Jahreswende 1967/68 ein weiterer Arbeitskreis aus Vertretern von Bahn und Post sowie den Bundesverbänden des deutschen Personenverkehrsgewerbes und den nicht bundeseigenen Eisenbahnen. Dieser Arbeitskreis stellt sich die Aufgabe, seinerseits nach dem Modell des VÖV-Standardbusses Richtlinien für einen Standard-Überlandlinienbus (StÜLB) zu erarbeiten. 1969 stellt er seine Empfehlungen vor. Bereits im folgenden Jahr präsentiert Daimler-Benz auf der Essener Ausstellung „Schiene und Straße“ einen entsprechenden Prototyp, und im Februar 1973 läuft die Serienfertigung des Standard-Überlandlinienbusses O 307 an. Rietze macht seinem Namen als DER Modellbushersteller mit der neuesten Ankündigung wieder alle Ehre: Mit den Neuheiten 09.-10.2016 kommt die 87-fache Verkleinerung des Mercedes-Benz O 305 ins Programm! Da war doch was? Ja, richtig, auch Brekina bietet den O 305 an. Rietze setzt aber auf runde Scheiben und die StülB-Front, also keine Dublette. Nach den durchweg positiven Erfahrungen mit dem Einheitsbus nach VÖV-Vorgaben wurden Forderungen laut, auch für den Überlandverkehr auf einheitliche Standards zu setzen. Ein Arbeitskreis erarbeitete ein Lastenheft für den Standard-Überlandlinienbus. 1973 wurde eine besondere Richtlinie zum Bau herausgegeben, der deutlichste Unterschied zum Einheits-Linienbus: Der StülB war länger (11,7 Meter), was ein Vergleich der Modellbusse und Brekina und Rietze auch im kleinen Maßstab zeigen dürfte. Der StülB bot zudem mehr Sitzplätze: Insgesamt 53 bei einem Sitzteiler von 720 Millimetern. Außerdem hatte der StülB einen mit 900 Millimetern höheren Wagenboden und damit Platz für Kofferräume. Besonders auffällig war aber die abgerundetere Front mit den vertikal an den Seiten gebogenen Windschutzscheiben. Weil die Frontgestaltung des StÜLB-Busse optisch ansprechender war als die der Standard-Linienbusse, wurden dem Kundenwunsch entsprechend auch die VÖV-Stadtbusse dann wahlweise mit dem Frontdesign des StÜLB angeboten. Einen solchen O 305 von Mercedes-Benz kündigt Rietze nun als 87-fache Verkleinerung an. Gleich drei Farbvarianten sind zum Start des neuen Modellbusses erhältlich: Den Essener O 305 als EVAG mit Jägermeister-Werbung, den O 305 in den Farben der Ludwigsburger Verkehrslinien und den O 305 als RVK Köln mit Werbung für Marktkauf. Eine weitere Formneuheit für die Auslieferung 09.-10.2016 ist der Mercedes-Benz O 530 G, der Citaro-Gelenkbus, den Rietze jetzt als Dreitürer ohne die seitlichen „Hörnchen“ auf dem Dach an der Front aufgelegt hat. Neu auflegen dürfte Rietze dann wohl auch einen O 305 G, den es bisher noch nicht gibt. Damit wäre das Rietze-Angebot an Linienbus-Klassikern dann – mit StülB-Front – im wahrtsen Sinne eine runde Sache…
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