Der Volvo 9700 DD in Heilbronn vor der ehemaligen Busschmiede von Drögmöller. Foto: Volvo Bus

Respekt, gleich nach der Online-Vorstellung am 4. Februar schickte Volvo Bus einen der neuen Doppeldecker mit 4 Metern Höhe der 9000er-Baureihe auf die Ostseefähre mit Ziel Kiel. Von dort ging es über die Autobahn nach Heilbronn. Heilbronn? Ja, da war doch was, was an Volvo und Doppeldecker erinnert! Das in den sozialen Netzwerken kommunizierte Foto des neuen 9700 DD vor dem Backsteingebäude in der Koepfstraße weckt Erinnerungen. Der Name Drögmöller steht heute noch an dem Gebäude (das fehlende R ist noch da, wird nur vom Bus verdecket!), fast mahnend in großen Buchstaben behauptet sich die Traditionsmarke noch, möchte man meinen. Auch das Logo aus den Initialien des Firmengründers strahlen noch über dem Schriftzug. Bis Mitte der 60er Jahre baute der Heilbronner Bushersteller hier Omnibusse, bis zum Schluss wurde dieser Teil noch als Reparaturwerk genutzt. Doch dann verlagerte Volvo im Rahmen der hausinternen Umstrukturierung die Volvo Busse Deutschland GmbH nach Ismaning, der Heilbronner Bustandort war, wie die Traditionsfirma Drögmöller, endgültig Geschichte. Aus der Froschperspektive aufgenommen wohnt dem Foto so etwas wie Respekt inne. Und will vielleicht zugleich deutlich machen, dass die Werte jetzt beim neuen Doppeldecker der Schweden, der in Finnland bei Carrus Delta Oy gebaut wird, zu finden sind? Vielleicht ist es auch ganz einfach nur so etwas wie eine Hommage, wer weiß. Drögmöller war sozusagen die schwäbische, nein, vielleicht sogar die deutsche Edelschmiede für Omnibusse. An diesem Image hat Firmengründer Gotthard Drögmöller auch fleißig gepfeilt, sein Motto “Ich will nicht der Größte sein, aber der Beste” hat er zeitlebens immer für sich bei seinen Entscheidungen beherzigt. Doppeldecker konnten die Heilbronner, keine Frage. Sogar die beiden Prototypen (ein Fahrzeug wurde nicht ganz fertig gestellt) des O 404 DD für Mercedes-Benz wurden bei Drögmöller als Auftragsarbeit gebaut. Der hauseigene Meteor-Doppeldecker leuchtete in der Busbranche wie die gleichnamigen Sternschnuppen auf, Unternehmer, die einen Meteor einsetzten, sollen – wie ihre Fahrgäste – aufgeleuchtet sein, mehr Luxus auf zwei Ebenen ging nicht. Den eigennen  Doppeldecker präsentierte Drögmöller 1981 – der E 440 Meteor wurde bis 1994 gebaut. Mehrere Doppeldecker wurden exportiert und den lokalen Gegebenheiten angepasst, wie sich an den E 440 Meteor-Fahrzeugen für Japan zeigte, denn die waren statt 4.000 nur 3.800 Millimeter hoch. Mit Blick auf die Stückzahlen blieben Doppeldecker von Drögmöller aber immer etwas Besonderes: 58 Stück wurden bis 1994 gebaut. Wie flexibel man in Heilbronn auf Kundenwünsche eingehen kann, zeigten die Schweizer-Ausführungen des Meteor. Aufgrund der eidgenössischen Achslastbestimmungen kam kein Bauteil wie gewohnt von ZF, sondern von Daimler zum Einsatz, mit deren Durchtriebsachse war der Doppeldecker dann auch in der Schweiz zulassungsfähig. Bis Drögmöller den Omnibus-Olymp erobert hatte, dauerte es aber, wie ein Rückblick zeigt: 1920 startete Gotthard Drögmöller mit Pkw-Karosserien in Einzel- und Kleinserienfertigung. 1930 kamen erste Omnibusse hinzu, zunächst auf Lastwagen-Fahrgestellen. Schnell war die Kooperation zu Daimler/Mercedes-Benz da, nicht nur wegen der örtlichen Nähe, sondern wegen des Anspruchs an ein Premiumprodukt. Seit 1935 kooperierten Drögmöller und Daimler, eine Zeit lang verkauften die großen Schwaben sogar die Heilbronner Luxusbusse im Ausland. Nach dem Krieg wurde die Fabrik wieder aufgebaut, die Produktion wuchs. Immer eng verbunden mit Komponenten aus dem Hause Daimler. Mitte der 60er Jahre entstand dann der Neubau in der Lichtenberger Straße, in der Koepfstraße wurde das Reperaturwerk eingerichtet. Die Bande zu Daimler wurde immer enger, seit Mitte der 60er Jahre wurden nur noch auf Fahrgestelle von Daimler bzw. Mercedes-Benz als Basis für die edlen Karosserien von Drögmöller verwendet. Einen ganz besonderen Namen machte sich Drögmöller mit der sogenannten Theaterbestuhlung, d.h. mit nach hinten ansteigender Bestuhlung. Keine Frage, dieses Merkmal war nahezu einzigartig und erlaubte den Fahrgästen an Bord im wahrsten Sinne mehr Ausblick, auch über die Köpfe der vor ihnen sitzenden Mitreisenden. Mit der oft gelobten Verarbeitungsqualität hob sich ein Drögmöller-Omnibus immer von der Konkurrenz ab, da waren sich Unternehmer, Journalisten und Wettbewerber durchaus einig. Doch die hatte ihren Preis. Zusammen mit den geringen Stückzahlen, die Jahresproduktion lag etwa bei 100 Omnibussen, musste kommen, was kommen musste: Zur IAA Nutzfahrzeuge 1994 war Drögmöller ein Teil von Volvos Bussparte. Ab sofort hörten die Heilbronner Busse auf neue Namen, sachlich skandinavisch wurde aus dem Europullmann E 325 der Volvo B 12-500, der zur Fachmesse in Hannover statt eines Motors von Daimler mit einem Volvo Sechszylinder-Turbodiesel TD 123 ES vorgestellt wurde. Auch wenn die Karosserieform erhalten blieb, unter dem schmucken Blechkleid war der Wandel längst vollzogen. Schon ein Jahr später hörte der Standort Heilbronn auf den Namen Volvo Bus Deutschland GmbH. Das Engagement der Heilbronner Busschmiede wurde mit dem begehrten Titel “Coach of the Year 1996” belohnt, der Volvo B12-600 mit Theaterbestuhlung überzeugte nach wie vor. 2001 gläntze Drögmöller dann noch einmal, die vollkommen neu konstruierte Baureihe 9900 blieb auch optisch mit den ansteigenden Sitzreihen und der schrägen Verglasung das Flaggschiff aus Heilbronn, das aber auch schon in Polen im dortigen Werk von Volvo Bus gefertigt wurde. Im Jahr 2005 wurde die Produktion eingestellt und das Volvo-Buswerk in Heilbronn geschlossen. Nur die Werkstatt, Kundendienst und Gebrauchtbusverkauf sowie Vertrieb blieben bis 2010 in Heilbronn. Im Oktober 2019 dann wieder der Umzug: Die Volvo Busse Deutschland GmbH will so das Kundenerlebnis bei der Spezifizierung und Auslieferung ihrer Reisebusse stärken, deshalb wurde die Reisebus-Kompetenz wieder in Heilbronn angesiedelt. Mit dem neuen Auslieferzentrum für Volvo-Reisebusse im Zentrum der baden-württembergischen Wirtschaftsregion verfügt das Unternehmen dort auch wieder über eine neue Betriebsstätte, die von A bis Z auf die Belange der Reisebuskunden ausgerichtet ist. (VolvoBus/Schreiber/omnibus.news)

Von 1981 bis 1994 hatte Drögmöller den E 440 Meteor im Angebot. Foto: Drögmöller

Bei Drögmöller wurden als Auftragsarbeit zwei O 404 DD für Mercedes-Benz gebaut, nur ein Doppeldecker wurde aber komplett auf die Räder gestellt. Foto: Daimler

1994 übernahm Volvo die Edelschmiede Drögmöller, der Karosseriebau wurde 2005 eingestellt, die Volvo-Busproduktion nach Polen verlegt. Zum RDA-Workshop 2017 zeigte Volvo diese Hommage an Drögmöller… Foto: Volvo Bus

 

Teilen auf: