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Bettina Lange und Jens Lottmann vom Stadtverkehr Lübeck mit Jacob Stahl, Prof. Thomas Franke, Daniel Herrmann, Markus Gödker und Vivien Moll von der Arbeitsgruppe Ingenieurpsychologie der Universität zu Lübeck (v.l.n.r.). Foto: Univesität Lübeck / Kube

Ja, Reichweiten-Angst dürfte ein Neologismus werden oder vielleicht schon sein, denn im Zusammenhang mit Elektromobilität steht die Reichweite eindeutig im Fokus. Und für die Verkehrsbetriebe ist es eben die Reichweite, die sie beim Einsatz von Elektrobussen beschäftigt. Gerade in den Wintermonaten stellt sich für viele Betreiber die Frage, wie weit der Elektrobus denn wohl fahren wird, eine Reichweiten-Angst macht vielerorts die Runde… Dem will die Universität Lübeck jetzt mit einem besonderen Forschungsvorhaben entgegentreten. Die Wissenschaftler kooperieren hierfür mit dem Stadtverkehr in Lübeck, wo, keine Frage, auch Elektrobusse im Einsatz sind. Vor dem Hintergrund, dass wohlmöglich bald nur noch Elektrobusse in unseren Städten fahren werden, erforscht Prof. Dr. Thomas Franke, Professor für Ingenieurpsychologie am Institut für Multimediale und Interaktive Systeme der Universität zu Lübeck, die Herausforderungen der begrenzten Reichweite. Am 1. Februar startete das Projekt „Nutzerzentriertes Reichweitenmanagement Elektrobusse“ (NuR.E). Gemeinsam mit dem Projektleiter Elektromobilität beim Stadtverkehr, Jens Lottmann, stellte Prof. Franke Ziele und Durchführung des Projekts ganz passend in einem Elektrobus vor dem Audimax der Universität vor. Die Elektrifizierung der Busflotten in Schleswig-Holstein ist ein wichtiger Baustein für Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Allerdings stellt die Reichweitenproblematik eine Barriere für die breite Einführung dieser Technologie dar. So bestehen für Nutzer im Alltagsbetrieb Unsicherheiten bezüglich der tatsächlich nutzbaren Reichweite. Auch fehlen Systeme, welche Fahrern im Alltag die Verlängerung der Reichweite so einfach wie möglich machen. „Ein substanzieller Teil der theoretisch verfügbaren Reichweitenressourcen von Elektrofahrzeugen geht durch verschiedene psychologische Faktoren verloren“, so Prof. Thomas Franke. „Es ist für die Nutzer oft unnötig schwer, die Reichweite sicher abzuschätzen und bei Bedarf zu verlängern“. An diesem Punkt setzt das Projekt Nur.E an. Gemeinsam mit den Fahrern und den Mitarbeitern in der Leitstelle werden Visualisierungskonzepte entwickelt, die Nutzer optimal in ihren Arbeitsabläufen unterstützen sollen. Dem Fahrer soll beispielsweise der Reichweitenverlauf in Bezug auf die nächsten Haltestellen angezeigt werden, so dass er nicht selbst die Restreichweite des Busses zur zurückzulegenden Linienstrecke ins Verhältnis setzen muss. Der aktuell verfügbare Sicherheitspuffer wird ihm direkt angezeigt. In einem anschließenden Feldversuch wird der entwickelte Prototyp eines Reichweitenassistenzsystems dann getestet. Der Stadtverkehr Lübeck hat seit Juni vergangenen Jahres zwei Elektro-Busse im kontinuierlichen Linieneinsatz. „Wir waren sehr erfreut über die Anfrage der Universität zu Lübeck“, sagte Bernd Raasch, Betriebsleiter des Stadtverkehrs. „Die gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse werden für uns und andere Verkehrsunternehmen von großer Bedeutung für den Einsatz von Elektro-Fahrzeugen im Linienbetrieb sein“, ergänzte Jens Lottmann, Projektleiter Elektromobilität beim Stadtverkehr. Die Lübecker Ingenieurpsychologen freuen sich über den Austausch mit möglichen weiteren Interessenten für das System, um die entwickelten Ansätze im Kontext handlungsintegrierte Reichweitenassistenz perspektivisch auf noch mehr Anwendungsfälle anpassen und erweitern zu können. Das Projekt NuR.E wird von der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein (EKSH) über zwei Jahre mit insgesamt 150.000 Euro gefördert. In ihrem Programm „Hochschule – Wirtschaft – Transfer“ (HWT) fördert die Gesellschaft Projekte, in denen eine für das Land Schleswig-Holstein relevante Fragestellung zu Themen wie Energieproduktion, Energieverbrauch oder Energieeffizienz bearbeitet wird. Die Arbeitsgruppe Ingenieurpsychologie arbeitet an der Schnittstelle von Mensch – Technik – Interaktion. Dabei werden insbesondere Akzeptanz, Erlebnis und Verhalten von Nutzern bei der Anwendung neuer Technologien aus dem Bereichen Energie, Mobilität oder Gesundheit näher betrachtet.

Mögliche Darstellung der Reichweite. Grafik: Universität Lübeck / Stahl

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