„Ich freue mich sehr, dass das Projekt RABus in die zweite Phase übergeht. Mit den Ergebnissen von RABus lassen sich wichtige Kenngrößen wie Wirtschaftlichkeit, verkehrliche Auswirkungen sowie Akzeptanz für die Landesstrategie rückschließen, um den gesetzten Zielen bis 2030 näher zu kommen.“, so Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann. Foto: Kästle

Verkehrsminister Winfried Hermann hat am 30.9.21 den Startschuss für die zweite Phase des Forschungsprojektes RABus gegeben. Im Rahmen des Projektes „Reallabor für den Automatisierten Busbetrieb im ÖPNV in der Stadt und auf dem Land“ wird der Einsatz großer, vollautomatisierter Busse wissenschaftlich erforscht und auch real erprobt. Es entstand aus dem Strategiedialog Automobilwirtschaft BW.

Der Schwerpunkt der zweiten Phase von RABus liegt auf den Weiterentwicklungen der Fahrfunktionen der Shuttles. In Mannheim zählt dazu der fahrerlose Betrieb (Level-4), in Friedrichshafen betrifft es das Befahren des Überlandanteils mit akzeptablen Geschwindigkeiten. Bis Mitte 2024 sollen die Shuttles den ansässigen ÖPNV ergänzen. Um im jeweiligen Umfeld ein angepasstes und gleichzeitig sicheres Fahrverhalten zu erreichen, sollen die Fahrzeuge im regulären Verkehr „mitschwimmen“ können – innerorts mit mindestens 40 und außerorts mit mindestens 60 Stundenkilometern.

Zusammen mit Torsten Gollewski, Executive Vice President Autonomous Mobility Systems bei ZF Friedrichshafen, enthüllte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann das Shuttle-Design für die beiden Reallabore anlässlich des DVWG DACH-Kongresses in Friedrichshafen. Das Design lehnt sich an die Mobilitätsmarke „bwegt“ des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg für den öffentlichen Personennahverkehr an. Minister Hermann übergab den Zuwendungsbescheid über sieben Millionen Euro an die Projektleiterin beim Konsortialführer Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren (FKFS), Dr. Ulrike Weinrich.

Verkehrsminister Hermann: „Ich freue mich sehr, dass das Projekt RABus in die zweite Phase übergeht. Mit den Ergebnissen von RABus lassen sich wichtige Kenngrößen wie Wirtschaftlichkeit, verkehrliche Auswirkungen sowie Akzeptanz für die Landesstrategie rückschließen, um den gesetzten Zielen bis 2030 näher zu kommen.“

Weinrich sieht für RABus optimale Bedingungen: „Mit dem kürzlich erlassenen Gesetz zum autonomen Fahren haben wir die rechtliche Sicherheit, die Shuttles auf die Straße zu bringen – und durch die Förderung des Landes auch die finanzielle.”

Nach den derzeitigen Planungen sollen die ersten hochautomatisierten Busse, zunächst noch mit menschlichen „Aufpassern“ an Bord, im Sommer 2022 erstmals durch FRANKLIN rollen. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen die Fahrzeuge, die auf einer zwei Kilometer langen Strecke zwischen der Haltestelle Platz der Freundschaft und insgesamt zehn kompakten Haltestellen im neuen Stadtteil pendeln, dann aus einer eigens eingerichteten Leitstelle überwacht werden. Bevor es losgehen kann, müssen in FRANKLIN allerdings noch einige Vorbereitungen getroffen werden. Ab Anfang 2022 werden im Stadtteil beispielsweise an verschiedenen Punkten entlang der Route kleine Magnetsensoren als Wegweiser für die Shuttlebusse eingebaut.

„Autonom fahrende Shuttle-Busse, wie wir sie jetzt im Zuge des Projekts RABus in FRANKLIN zum Einsatz bringen wollen, haben das Potential, eine grundlegende Herausforderung für den ÖPNV zu bewältigen. Sie können die sogenannte letzte Meile abdecken und die Fahrgäste von ihrem Ausgangspunkt zu den Bus- und Bahnhaltestellen und wieder zurückbringen“, erklärt Mannheims Erster Bürgermeister und ÖPNV-Dezernent Christian Specht in diesem Zusammenhang.

Mit seinen sechs Metern Länge, einer Breite von 2,20 und einer Höhe von 2,80 Metern bietet das Shuttle Platz für bis zu 22 Personen. Ausgestattet mit einer Vielzahl an Sensoren wird das vollelektrische, autonome Shuttle des Konsortialpartners ZF Friedrichshafen AG mit akzeptablen Geschwindigkeiten im Mischverkehr eingesetzt.

„Dieses Projekt kann nicht nur von den ÖPNV an sich richtungsweisend sein. Es ist auch für uns als Unternehmen von großer Bedeutung. Wir haben als rnv im Branchenvergleich bereits wiederholt unsere Innovationskraft unter Beweis gestellt und wollen auch weiterhin bei Zukunftstechnologien ganz vorne dabei sein“, sagt Martin in der Beek, technischer Geschäftsführer der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv). „Dabei ist technologischer Fortschritt kein Selbstzweck. Echte Innovation zeichnet sich dadurch aus, dass moderne Technologien und neue Konzepte intelligent miteinander verknüpft werden, um einen echten Mehrwert zu schaffen. Mit dem Projekt RABus können wir eine der letzten Fähigkeitslücken im ÖPNV schließen“, so in der Beek.

Ob Fahrgäste ein fahrerloses Busshuttle nutzen und wie sich die Ergebnisse des Forschungsprojekts landesweit übertragen lassen, wird vom Konsortialpartner Karlsruher Institut für Technologie wissenschaftlich untersucht und beurteilt. Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH und der Stadtverkehr Friedrichshafen GmbH mit DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee GmbH bewerten außerdem die Wirtschaftlichkeit des Fahrbetriebs. (FKFS/StadtMannheim/MFVBW/ZF/PM/Sr)

Bei einem Pressetermin stellte Winfried Hermann den autonom fahrenden Shuttlebus jetzt vor. Foto: Kästle

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