Daimler Buses kündigt coronabedingt einen Produktionsstopp der Reisebusse im Werk Neu-Ulm an. Foto: Daimler, Montage: omnibus.news

Angebot und Nachfrage, aktuell ist das Angebot an Reisebussen groß, die Nachfrage klein bzw. gar nicht vorhanden. Schnell kommen Betriebswirtschaftler nach einem Blick auf Angebots- und Nachfragefunktionen sowie den daraus resultierenden grafisch dargestellten Kurven zu dem Schluss, dass sich etwas ändern muss. Daimler Buses zieht rechtzeitig die Reißleine und ordnet für die Busproduktion in Neu-Ulm für Dezember einen Produktionsstopp an, bis es wieder nennenswerte Aufträge gibt. Die Corona-Pandemie hat der Reisebus-Konjunktur in Europa einen Absturz beschert, der Fernbus-Boom in Deutschland scheint die besten Zeiten erreicht zu haben, Busunternehmern fehlt nicht nur das Geld für neue Omnibusse, sondern Geld, um überhaupt weiter existieren zu können. Staatliche Hilfen stehen im Raum, erreichen die Busunternehmer aber nicht in dem Rahmen, wie es jetzt nötig wäre. Die Reisebus-Branche liegt am Boden. Das merkt auch Daimler Buses, im EvoBus Werk Neu-Ulm gibt es keine vollen Auftragsbücher und keine hohe Auslastung mehr. Das Drama kündigte sich mit dem Ausbreiten der Corona-Pandemie im Frühjahr an: “Seit März verzeichnen wir bei Reisebussen praktisch keinen Auftragseingang mehr”, sagte Michael Klein, Leiter der Daimler-Bus-Produktion, der Rhein-Neckar-Zeitung gestern. War die Produktion sonst bis zum Jahresende komplett belegt, steht nun Kurzarbeit an. Aber nur in Neu-Ulm, denn dort entstehen die Reisebusse des Konzerns. Das Werk Neu-Ulm wurde 1991 durch die Karl Kässbohrer Fahrzeugwerke GmbH gegründet. Durch die Verschmelzung der Mercedes-Benz Omnibusproduktion mit der Kässbohrer Marke Setra wurde das Werk 1995 Teil von Daimler Buses bzw. der 100-prozentigen Tochtergesellschaft EvoBus GmbH. Im Werk Neu-Ulm findet die Endmontage für Reisebusse der Marke Setra statt. Gleichzeitig ist Neu-Ulm das Kompetenzcenter Lackierung für den gesamten westeuropäischen Produktionsverbund. In der hier ansässigen Sitzfertigung entstehen Überland- und Reisebussitze. Von den insgesamt 3.800 Mitarbeitern am Standort Neu-Ulm sollen aber nur etwa 1.200 betroffen sein, wie die Zeitung anmerkt. Dank standortübergreifender Tätigkeiten in Neu-Ulm (zentrale Lackierung und Sitzfertigung) könnten nämlich viele Mitarbeiter weiterhin ausgelastet werden. In Mannheim, wo die Linienbusse produziert werden, sei die Auslastung derzeit noch weitgehend stabil, wie Till Oberwörder, der den Geschäftsbereich Busse bei Daimler verantwortet, gestern in der Rhein-Neckar-Zeitung erklärt. Nach Angaben der Zeitung soll er die Mitarbeiter auf schwierige Zeiten eingestimmt haben. “Wir beobachten aber eine Abschwächung der Auftragslage,” so wird Oberwörder zitiert. Um mögliche Folgen zu benennen, sei es noch zu früh. Kurzarbeit sei aktuell in Mannheim nicht geplant, sagte Michael Klein, gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung. Mit Blick auf die Reisebusse wird Klein in der Zeitung wie folgt zitiert: “Manches Bus-Unternehmen hat seine Bestellung angesichts der Corona-Pandemie sogar storniert”. Ein Blick auf die Zahlen der neu zugelassenen Omnibusse in Deutschland bestätigt einen Trend, der jetzt die Bushersteller zum Handeln zwingt. Der Absatz von Reisebussen sei in den ersten neun Monaten 2020 um 60 Prozent zurückgegangen, erklärte Till Oberwörder gegenüber der Tageszeitung. Und weil die Reisebusbranche am Boden liegt, teilweise Fahrverbote im aktuellen Lockdown angeordnet sind, ist auch eine  Besserung vorerst nicht in Sicht. (DaimlerBuses/RheinNeckarZeitung/Sr)

 

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