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Pforzheim hat keine eigenen Linienbusse mehr. Foto: VK Modelle / Montage: omnibus.news

Pforzheim hat keine eigenen Linienbusse mehr. Foto: VK Modelle / Montage: omnibus.news

Die Stadt Pforzheim ist zur Zeit in aller Munde: Mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember übernimmt die Bahntochter Südwestbus den ÖPNV in Pforzheim. Das neue Unternehmen hat angekündigt, mit 76 Linienbussen im Stadtverkehr unterwegs zu sein. Jährlich wolle man 3,6 Millionen Kilometer zurückgelegen. Das Karlsruher Unternehmen hatte sich gegen den bisherigen Betreiber Stadtverkehr Pforzheim (SVP) durchgesetzt. Für die nächsten zehn Jahre ist nun die Bahntochter am Zug. Seit heute ist das neue Kundencenter im DB Reisezentrum des Pforzheimer Hauptbahnhofs die erste Anlaufstelle für die ÖPNV-Kunden in Sachen Fahrkartenkauf, Tarifinformationen, Fundsachen, Beschwerden und Anregungen. Die rund 240 von der Schließung des städtischen Unternehmens betroffenen Mitarbeiter hatten mehrfach gegen die Entscheidung protestiert. Es gab auch andere Anbieter, aber: Das Angebot des Unternehmens Pebus – ein Zusammenschluss regionaler Verkehrsanbieter – sei verspätet eingegangen und hätte nicht berücksichtigt werden können, wie aus Pforzheim berichtet wird. Der Betreiberwechsel in Pforzheim wurde von Protesten begleitet. „Die Entscheidung spiegelt nicht unseren Wunsch wider“, so Pforzheims Oberbürgermeister Gert Hager (SPD). Die Stadt hätte den ÖPNV lieber gemeinsam mit einem strategischen Partner betrieben.Am Anfang war die Elektrische in Pforzheim für viele Menschen das einzige Mittel zur Fortbewegung, bis dann im letzten Jahrhundert das Automobil mit dem Versprechen unbegrenzter Freiheit seinen Siegeszug antrat. So entsprach es dann auch dem Zeitgeist, dass 1964 die Straßenbahn eingestellt und diese Dienstleistung vollständig auf den Omnibus umgestellt wurde. Der K1 war der erste in Pforzheim von der Stadt eingesetzte Bus und er hatte seine eigene Geschichte: So kam er als finanzieller Ausgleich für einen nach Stuttgart ausgeliehenen und dort in Folge eines Unfall schwer beschädigten Straßenbahnzuges nach Pforzheim, wie in der Firmenchronik zu lesen ist. Hersteller war Krauss-Maffei,  ein 12-Zylinder-Maybach-Motor mit extrem hohem Kraftstoffverbrauch zeichnete den Bus aus: So verbrauchte der mit einem Benzinmotor ausgestattete Bus ca. 100 Litern auf 100 Kilometern. Über 100 Jahre hatte der städtische ÖPNV in Pforzheim Bestand, 2011 feierte man das mit den Kunden. Die Rechtslage in Sachen eigenwirtschaftlicher Anträge ist eindeutig: Das Personenbeförderungsgesetz lässt keinerlei Möglichkeit zu, sie zu verhindern. Die Absicht, den Stadtlinienverkehr in einem wettbewerblichen Verfahren auszuschreiben und zu vergeben, musste die Stadt europaweit vorabbekanntmachen. „Nach dem Personenbeförderungsrecht haben eigenwirtschaftliche Anträge im Grundsatz immer Vorrang vor gemeinwirtschaftlichen Verkehren – sprich Verkehren, die durch die öffentliche Hand ausgeschrieben und vergeben werden. Dies gilt zumindest sofern die Vorgaben zu Qualität und Leistungsumfang aus der Vorabbekanntmachung durch den Antragsteller rechtlich verbindlich zugesichert und eingehalten werden“, so Bernd Mellenthin, Leiter des Eigenbetriebs Pforzheimer Verkehrs- und Bäderbetriebe. Das Regierungspräsidium hat einen Antrag von Südwestbus auf „eigenwirtschaftlichen Betrieb“ des Pforzheimer Stadtlinienverkehrs genehmigt. Damit wird nicht mehr die Stadttochter Stadtverkehr Pforzheim (SVP) durch die Stadt fahren, sondern die Bahntochter. Der Deutsche Städtetag hat in diesem Zusammenhang schon mehrfach mit Kritik reagiert und eine Änderung der Ausschreibungsregeln gefordert. Sonst drohe laut Städtetag eine „Zwangsprivatisierung“ des Öffentlichen Nahverkehrs in vielen Städten.

 

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