Javier Calleja präsentierte die Weltpremiere: Der Urbino 18 hydrogen ist da, olé! Foto: Schreiber

Im Heck des Urbino 18 hydrogen gibt es ohne Motorturm einfach mehr Platz. Foto: Schreiber

Blick zurück: Seit 2014 ist Solaris im Segment der H2-Busse aktiv, wie Pawel Mankowski, der das Team Hydrogen Technologies bei Solaris leitet, erklärte. Foto: Schreiber

Wenn man etwas im wahrsten Sinne Bewegendes für die Buswelt zu berichten und zu zeigen hat, dann werden Journalisten geladen. Spanier rufen laut Olé, Deutsche käme ein Hurra! über die Lippen. Wenn dann noch Verkehrsbetriebe und Entscheidungsträger vor Ort sind, geht es um Überzeugungsarbeit.

Die ist aber fast gar nicht nötig, mit dem neuen Urbino 18 hydrogen trifft Solaris den Nerv der Zeit und liefert das, auf was die Busbranche lange gewartet hat: Eine Gefäßgröße mit 18 Metern und lokal emissionsfreiem Antrieb. Respekt, so wie der Urbino 12 hydrogen wird in Kürze auch ein Gelenkbus serienreif aus der Produktion an Kunden gehen.

Eine Woche vor der IAA, auf der Solaris als bedeutender Bushersteller nicht vertreten ist, und noch vor der InnoTrans, auf der Solaris die Weltneuheit natürlich ausstellen wird, wurde der Gelenkbus mit Brennstoffzelle gezeigt. Nicht nur in Krakau vor den geladenen Gästen, sondern mehr oder weniger für bzw. in der ganzen Welt, denn dank eines Live-Streams konnte jeder Bus-Interessierte der Präsentation folgen.

Bislang schien es so, als würden die Linienbusse mit Brennstoffzelle eine Nische, eine kleine Nische besetzen. Nach einem echten Knaller vor drei Jahren scheint dieses Segment aber nun zu wachsen, wie die Marktbeobachtungsanalyse von Chatrou CME Solutions zeigt.

2014 wagte Solaris erste Gehversuche mit einem Urbino electric samt Brennstoffzelle. Acht Jahre später präsentiert der polnische Bushersteller, der heute unter das Dach der spanischen CAF-Gruppe gehört, wieder einen Elektro-Gelenkbus mit Brennstoffzelle, die Zeit ist reif.

Das Geschäft mit Wasserstoff- bzw. Brennstoffzellenbussen bedient Solaris seit 2019, da kam der Urbino 12 hydrogen auf den Markt. Im letzten Jahr kamen 170 neue Fahrzeuge hinzu, im ersten Halbjahr 2022 hat Chatrou CME Solutions insgesamt 49 Neuzulassungen in diesem Segment nachgewiesen.

In Summe sind in Europa jetzt 310 Omnibusse im Einsatz, die die benötigte Energie für das elektrische Fahren aus einer Brennstoffzelle beziehen. Der neue Urbino 18 hydrogen kann bis zu 140 Passagiere befördern und hat nach Angaben von Solaris eine Reichweite von 350 km.

Mit dem 18 Meter langen Urbino hydrogen reagieren wir auf die steigende Nachfrage nach Bussen dieses Typs auf dem Markt, sagte Javier Calleja, der Vorstandsvorsitzende von Solaris. Wenn man ihn bittet, den Bus mit 3 Worten zu beschreiben, sagt er: Gelungen, gewachsen und gefragt.

Auf die Frage, wo der Urbino 18 Wasserstoff als erstes auf der Straße sein wird, sagte Calleja: Wer jetzt kauft, kann dann als erster Verkehrsbetrieb eine Premiere für sich ankündigen – zu laufenden Verkaufsgesprächen wollte sich der Geschäftsführer nicht äußern. Er fügte aber hinzu, dass die ersten Auslieferungen dieses neuen Busses bereits im zweiten Quartal 2023 möglich sind.

Noch etwas war Javier Calleja wichtig: Der Urbino 18 hydrogen kann als Omnibus der Klasse II typgenehmigt werden, was den Einsatz im Überlandverkehr ermöglicht. Und wie bei den Bussen von Solaris üblich, haben die Kunden die Möglichkeit, ihn nach ihren individuellen Wünschen auszustatten.

Das Herzstück des Wasserstoffbusses Urbino 18 ist eine hochmoderne Brennstoffzelle, die als Miniatur-Wasserstoffkraftwerk fungiert, wie es Pawel Mankowski, Leiter des Wasserstofftechnologie-Teams von Solaris erklärt. Der in Tanks auf dem Dach mitgeführte Wasserstoff wird von der Brennstoffzelle in Strom umgewandelt, der dann auf den Antriebsstrang übertragen wird.

Beim neuen Gelenkbus hat Solaris auf den herkömmlichen Motorraum verzichtet, der dadurch eingesparte Platz ermöglichte es, die Fahrgastkapazität des Fahrzeugs zu erhöhen. So können insgesamt 53 Sitze eingebaut werden, davon 20 im Niederflurbereich.

Durch den Wegfall des Motorraums wurde auch mehr Platz auf dem Dach geschaffen, wo die Wasserstofftanks mit einer Gesamtkapazität für 51,2 kg montiert wurden. Das Herz des Busses ist auch hier verbaut, die neue 100 Kilowatt-Brennstoffzelle von Ballard. Kürzlich erst vorgestellt muss sie nicht mehr beheizt werden.

Die Lebensdauer gibt Solaris mit 25.000 Stunden an, Ballard selbst hingegen mit 30.000 Stunden. Sensoren an mehreren Stellen sollen die nach aussagen von Solaris sichere Technik noch sicherer machen. Wenn es Fehler gibt, dann wären die leider immer menschlicher Natur, so die Aussage des Busherstellers. Hauseigene Batterien mit einer Kapazität von rund 60 kWh, die im Fahrzeug verbaut sind, dienen als Hilfsstromquelle, z. B. beim Beschleunigen, sowie als Speicher für zurückgewonnene Energie.

Die Frage, wie die großen Mengen an erneuerbarem Wasserstoff kostenmäßig konkurrenzfähig produziert werden sollen, ist für Javier Calleja eigentlich kein Thema. Klar ist, und das wünscht sich der Geschäftsführer von Solaris, dass das mit politischen Instrumenten geschehe.

Erst wenn die Kostenlücke zwischen erneuerbarem Wasserstoff und fossilen Alternativen verringert oder am besten noch geschlossen wird, können die fixierten Ziele auch erreicht werden. Solaris verweist in diesem Zusammenhang auf eine Parallele und das Gesamtpaket, das man anbieten würde.

Nach einer Analyse des geplanten Einsatzes mit Linienlängen, Umläufen und Fahrzeuggrößen würde man während der Beratung auch das Laden mit dem Kunden erarbeiten, denn, so Javier Calleja, ein partnerschaftliches Miteinander führe bei dieser Antriebsart zu den besten Ergebnissen.

Und wenn man das große Ganze sieht, dann gehöre auch die Politik mit ins Boot, um für Bushersteller wie Solaris, die die Fahrzeuge in Eigenregie serienreif gemacht hätten, diese auch verkaufen könnten. Solaris ist mit fast 70 Wasserstoffbusse bei Kunden in Italien, Deutschland, den Niederlanden, Schweden und Polen europaweit gut vertreten.

Neue Auslieferungen an Kunden u.a. in Spanien, Frankreich, der Tschechischen Republik und der Slowakei werden in Kürze beginnen, dafür hätte man Verträge für weitere 100 Fahrzeugen abschließen können. Und die meisten Verkehrsbetriebe fragen hätten dabei schon länger nach einem Gelenkbus gefragt, wie Javier Calleja erklärt.

Bei Solaris ist man zuversichtlich, dass das Geschäft mit Wasserstoffbussen weiter wachsen wird. Was insbesondere Javier Calleja so zuversichtlich macht? Die gute Auftragslage beim Urbino 12 hydrogen und die vielen Anfragen nach einem Urbino 18 hydrogen. Der ist nun lieferbar, was den Spanier stolz macht. (Solaris/omnibus.news/Sr)

Solaris bietet den Urbino 18 jetzt auch als hydrogen-Version an. Foto: Schreiber

Ab auf das Dach: Soalris “versteckt” große Teile der Antriebstechnik hinter Blenden auf dem Dach. Foto: Schreiber

Hauseigene Batterien mit einer Kapazität von rund 60 kWh, die im Fahrzeug verbaut sind, dienen als Hilfsstromquelle. Foto: Schreiber

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