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Lesenswert: „Der Obus in Oldenburg“ von Klaus-Dieter Stolle. Foto: Schreiber

Die niedersäsische Stadt Oldenburg hatte das erste zusammenhängende O-Bus-Netz in Deutschland. Bereits im September 1936 rollten die ersten Linienbusse im wahrsten Sinne ganz drahtig auf den Straßen Oldenburgs. Bis 1957 prägten die O-Busse das Straßenbild. Am 26.10.1957 verkehrte dann der letzte O-Bus in Oldenburg. Zur Blütezeit war der drahtige Linienbus beliebt, im Jahr 1948 benutzten 9,8 Millionen Fahrgäste die O-Busse. In der Nordwest-Zeitung aus Oldenburg ist nachzulesen: „Zugegeben, der Trolli klettert manchmal auf die Gehsteige und kommt den Schaufenstern gefährlich nahe. Aber eben nur nahe. Und er tut das so leise und diskret, wie es nur ein Trolli kann. Ohne ihn wäre Oldenburg nicht Oldenburg.“ Das ist ja fast eine Liebeserklärung! Das Buch „Der Obus in Oldenburg“ von Klaus-Dieter Stolle erinnert an diese Zeit. Das gut recherchierte Buch aus dem Verlag Kenning hat 112 Seiten mit 124 Fotos und 21 Skizzen, misst 17×24 cm und ist gebunden. Der Autor erinnert in seinem Buch an daran, dass der Einstieg  in den öffentlichen Nahverkehr gar nicht glatt verlaufen war: Der frühe Versuch mit einer Pferdebahn war 1889 gescheitert, weil zu wenige damit fahren wollten. Eine elektrische Straßenbahn kam für die Oldenburger Stadtväter niemals ernsthaft in Betracht, und die Bremer Vorortbahnen gaben in der Stadt an der Hunter ab 1925 mit ihren Benzinautobussen nur ein kurzes Gastspiel. Der Mann, der schließlich Busgeschichte schrieb, war Theodor Pekol: Er verhalf der Stadt zu einem leistungsfähigen Stadtbusverkehr. So gut, dass die Fahrgastzahlen rasch ansteigen. Mit dem modernen Konzept, für das sich Pekol und Stadt entschieden, wurde Oldenburg 1936 die erste Stadt im Deutschen Reich mit einem zusammenhängenden Obusliniennetz. Der O-Bus wurde ein großer Erfolg. 21 Jahre lang prägten die Fahrleitungen und mattgrünen, kantigen Pekol-Busse das Bild. Auf einem Netz mit 18 Kilometer Streckenlänge brachte „Trolli“ seine Fahrgäste vom Markt in alle Stadtteile. Dann aber entwarf Pekol, der als innovativer Buskonstrukteur bekannt war, einen Leichtmetallomnibus, der dem in die Jahre gekommenen O-Bus wirtschaftlich weit überlegen war. „Strom aus“ titelte die Nordwest-Zeitung seinerzeit.

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