Ein leichtes Plus im Reisebusmarkt zeichnet sich wieder nach den ersten 3 Quartelen des Jahres 2022 ab. Foto: Chatrou; Grafik: omnibus.news

Bushersteller haben unisono ihre Erwartungen im Reisebusgeschäft nach den Lockdown-Phasen 2020, die insbesondere das Tourismusgeschäft hart getroffen haben, nach unten korrigiert. Der Markt ist massiv eingebrochen, nachdem er sich in den Jahren davor einigermaßen stabilisiert und 2019 ein Hoch erlebt hatte.

Analysten wie die des Kraftfahrtbundesamts, Wim Chatrou von Chatrou CME Solutions oder auch die der European Automobile Manufacturers’ Association (ACEA) haben in den Anfängen der Pandemie und dann auch durch Putins Angriffskrieg auf die Ukraine deutliche Rückgänge zwischen 30 und 60 Prozent und bis zum völligen Erliegen prognostiziert.

Busreiseverbote und weitere Einschränkungen während der Pandemie führten in den vergangenen zwei Jahren zu erheblichen Einnahmeverlusten, die nur teilweise durch staatliche Hilfen kompensiert werden konnten. Dann kam Putins Angriffskrieg, der zu einer weiteren Belastungsprobe für die Reisebusunternehmer wurde.

Die überwiegend familiengeführten Traditionsbetriebe der deutschen Busbranche klagen aktuell über erhebliche Treibstoff- und Energiekostensteigerungen, einen schwachen Buchungsverlauf sowie die immer noch uneinheitlichen Coronaregeln für Busreisen in Deutschland, wie der RDA Internationaler Bustouristik Verband e.V. ermittelt hat.

Um aber einen Wiederbeginn mit neuen Reisebussen besonders schnell möglich zu machen, bietet MAN „Bus to Go“ an: Fahrzeuge sind bereits fertig produzierte und daher besonders schnell verfügbare Busse. Durch die Vorkonfiguration sowie die bereits abgeschlossene Produktion sind diese Busse innerhalb von zehn Werktagen einsatzbereit.

Ziel ist es, Busunternehmen im gerade wieder anlaufenden Reisebusmarkt dabei zu unterstützen, auf Auslastungsspitzen oder auf kurzfristige Ausfälle schnell reagieren zu können, wie der Hersteller zu seinem Engagement mitteilte. Für den postpandemischen Erholungsprozess der Busreisebranche ein toller Ansatz.

Auch Daimler Buses bot den Kunden etwas Besonderes, bestellte Reisebusse mussten nicht zum vereinbarten Termin abgenommen werden, die Bestellung konnte geschoben werden. Viele Reisebusse, die europaweit bei den Herstellern vom Band liefen, füllten zunächst Parkplätze, weil der Abverkauf stagnierte. 

Und der Fahrermangel? Noch eine Baustelle, auch für den Markt der Reisebusse. Neben der Energiepreisverteuerung und dem Ausbleiben langfristiger Reisebuchungen als Folgen des Kriegs erholt sich dieses Segment auch rein statistisch gesehen deutlich langsamer als erhofft.

Bei einem Vergleich der Neuzulassungen der Reisebusse in den ersten neuen Monaten der Jahre 2021 und 2022 zeigt sich, dass die Zahl der Neuzulassungen angestiegen ist: Von 399 in 2021 auf 433 in 2022 – ein zweistelliger Zuwachs! Die Zulassungszahlen für Linien- und Überlandbusse für diesen Zeitraum sind hingegen mit -24 und -29 Prozent rückläufig.

Und wer noch weiter zurückblickt, der sieht, dass die Zahlen, die es in den Jahren 2019 und 2020 gab, über denen lagen, die jetzt erreicht wurden. Die Welt der Reisebusse ist im Wandel, auch mit Blick auf den Antrieb des Reisebusses der Zukunft. Doch die ist noch weit weg, die Hersteller sind sich einig, dass der E-Reisebus nicht vor 2030 auf der Straße sein wird.

Nicht nur die fehlende Ladeinfrastruktur ist ein Grund dafür, auch der Wandel des Reisebus-Konzeptes. Mehrere Bushersteller arbeiten schon am Reisebus der Zukunft. Dafür werden Visionen u.a. mit Studenten entwickelt. Und die nächste Generation verfolgt ganz neue Ansätze. Fakt ist, dass der klassische Antrieb genauso wie die Gefäßgröße für bis zu 50 Fahrgäste der Vergangenheit angehören wird. (CME/KBA/omnibus.news/Sr)

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