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Schuco legt den Kässbohrer Setra S6 in 1/18 in einer neuen Farbgebung noch einmal auf. Foto: Hämel

1955 sorgte Kässbohrer auf dem Automobilsalon in Genf mit dem S6 für Aufsehen. Rechtzeitig zum 60. Jubiläum stellte Schuco den S6 in 18-facher Verkleinerung auf der Spielwarenmesse 2014 vor. Der kleine Kässbohrer Setra S6 von Schuco ist mehr als nur ein Modellbus, er ist mit 235 Bauteilen und einem Detailreichtum eine Hommage an das große Vorbild. Und in der Welt der Miniaturen mit satten 1,7 Kilogramm ein im wahrsten Sinne (ge)wichtiges Modell. Welche Faszination die Miniatur versprüht, wird spätestens beim Blick ins Innere jedem Betrachter deutlich: Ob Griff und Fensterkurbel an der Fahrertür oder Pedalerie im Fußraum, Lenkradschaltung und Armaturentafel oder Radio, es gibt, wie selbst die Batterie neben dem Motor zeigt, nichts, was es nicht in der 18-fachen Verkleinerung gibt. Keine Frage also, dass Schuco den S6 in diesem Jahr auf der Spielwarenmesse in einem neuen Gewand zeigt: Blau statt Rot, was dem schmucken Modellbus aber keinen Abbruch tut. Mit 21 Sitzplätzen plus Fahrerplatz zeigt Schuco, dass man sich dem Modell mit der nötigen Sachkenntnis genähert hat: Anfangs boten die Ulmer den S6 mit 25 Fahrgastsitzen an. Im Laufe der Zeit reduzierte Kässbohrer den Clubbus auf 21, weil komfortablere Sitze verbaut wurden. Komfort wurde dem kleinsten Ulmer von Anfang an nachgesagt: Pkw-ähnlich sei er gewesen, so urteilten die Tester seinerzeit übereinstimmend. Das Besondere am Setra S6 war zweifelsohne die Einzelradaufhängung aller Räder mit Schwing­achsen vorn und hinten. Dieses Prinzip beruhte auf zwei mit dem Aufbau verbunden­en Achsträgern, an denen zwei Dreiecklenker befestigt waren. Diese Konstruktion verlieh dem S6 wesentliche Merkmale des modernen Automobil­baus. Ein weiterer Komfortgewinn gelang den Ulmern durch die Gummifederung mit Teleskop-Stoßdämpfern, die zusammen mit der gering abgefederten Masse und einem tief liegenden Schwer­punkt für eine sichere Straßenlage sorgte. Optimal war in diesem Zusammenhang auch das Verhältnis von Radstand (3,50 m), Überhang (1,51 m) und Spurweite (1,85 m und 1,70 m hinten aufgrund der Doppelbereifung). Der Vergleich zum Pkw wurde vielleicht auch durch die Idee begünstigt, den Motor, das Getriebe, das Differential und die Hinterachse zu einer Einheit zusammenzufassen. Für den Antrieb wurde ein 4-Zylinder Henschel-Motor vom Typ 517 D 4 K (das K stand für Kässbohrer) verwendet. Er leistete 85 PS bei 2.500 U/min und hatte einen Hubraum von 4.084 Kubikzentimetern. Später wurde dieser Motor durch ein 100 PS leistendes Aggregat ersetzt. Als Getriebe wurde ein teilsynchronisierte 5-33 von ZF eingebaut. Geschaltet wurde über eine Lenkradschaltung, eine Variante, die sonst im Omnibus auch nicht üblich war. Das Gepäck auf dem Dach zu transportieren war hingegen üblich. An dieser Lösung kam auch der S6 nicht vorbei, denn das Fassungsvermögen des Kofferraumes lässt sich mit 1,6 Kubikmetern durchaus als knapp bezeichnen. Auch die so genannte Dachgalerie, die über eine heckseitig angeordnete, klappbare Leiter erreicht wurde, hat Schuco – man wundert sich nicht – mit einer klappbaren Leiter funktionstüchtig nachgebildet. Für diese Baugröße nicht verwunderlich sind hingegen die vielen beweglichen Teile wie Türen und Klappen, die bisher unbekannte Einblicke freigeben. So wie Otto Kässbohrer seinerzeit mit dem S6 erfolgreich die Nische der Clubbusse besetzte, so scheint Schuco mit dem S6 auch eine Nische in der Modellbuswelt gefunden zu haben: Nach einem Modellbus in 43-facher Verkleinerung folgte noch die 87-fache und dann eine 32-fache Miniatur. Kässbohrer verkaufte bis zum Produktionsende 1964 insgesamt 1.169 Fahrzeuge, vom Modell wird es 3.000 Stück geben. Mit dem S6 in 18-facher Verkleinerung zeigt Schuco, dass selbst ein kleiner Bus auch ein ganz großer sein kann. Rüdiger Schreiber

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