Vom 31. Januar bis 4. Februar 2018 findet in Nürnberg die Spielwarenmesse statt. Foto: Spielwarenmesse

Vom 31. Januar bis 4. Februar 2018 findet in Nürnberg die Spielwarenmesse statt. omnibus.news wird im Vorfeld der Messe bis zum 27. Januar flankierend einen Messe-Ticker zur Verfügung stellen, der nach und nach erste Modellbus-Neuheiten präsentiert. Danach bleibt es dann spannend, die direkten Tage vor Messebeginn gibt es keinen News-Ticker mehr, denn es folgt mit Messeauftakt täglich etwas aus Nürnberg. Es könnte ein fast paradiesischer Ort für Modellbus-Fans sein, doch leider kommen nur Händler rein. Auch das hat, wie das Spielzeug selbst, Tradition: Seit Mitte des 13. Jahrhunderts hat sich in Nürnberg eine Spielzeugindustrie aufgebaut, die bis heute mit namhaften Marken und verschiedensten Produkten für leuchtende Augen und Herzklopfen sorgt. Und das nicht nur bei Kindern. Immer detaillierter wurden vor allem Modellfahrzeuge, um dem wachsenden Anspruch der Sammler gerecht zu werden. Aus Kostengründen wurde die Fertigung nach und nach aus der fränkischen Metropole in die Volksrepublik China verlagert. Und hier folgt die Produktion bekanntlich ganz anderen Spielregeln: Staatlich verordnete Lohnerhöhungen und steigende Rohstoffkosten lassen die Preise für Modellfahrzeuge immer weiter steigen. Zusammen mit den Transportkosten muss man sich fragen, wann ein bezahlbares Ende in Sicht sein wird? Zusätzlich sorgt sich die Branche um die Produktionsstätten vor Ort, denn viele chinesische Produzenten haben vor diesem Hintergrund bereits Insolvenz angemeldet. Einige Hersteller reagierten kurzfristig und verlagerten die Produktion in andere Billig-Lohn-Länder oder, besonders erfreulich, auch wieder zurück nach Deutschland. Andere werden in China bleiben müssen und vor Ort nach Alternativen suchen. Dementsprechend sind die vielen angekündigten und nicht ausgelieferten Modellbusse, die in den letzten Jahren auf der Spielwarenmesse präsentiert wurden, nicht verwunderlich. Auch der vermehrte Einsatz von Resin als Werkstoff zeigt, dass sich die Branche um Lösungen bemüht. Resin scheint, mit Blick auf die bisher aufgelegten Kleinserien und Omnibusse mit Nischencharakter, dass das nicht nur ein Weg aus der Krise sein könnte, sondern auch ein ganz neuer Markt. Apropos Markt, Richard Gottlieb ist ein weltweit renommierter Berater und Kommentator im Bereich Spielzeug und Spielen und verfasst den Toys & Play Futurist Letter. Der Gründer des Beratungsunternehmens Global Toy Experts und Herausgeber der Global Toy News hält auf der Spielwarenmesse einen Vortrag mit dem Titel “Die Welt von morgen und die Zukunft des Spielens”. Für die Spielwarenmesse hat er Prognosen zur Zukunft der Spielwarenbranche, die bis ins Jahr 2022 reichen, erstellt. Vor den Prognosen informiert der Experte über den Stand der Dinge: Dem stationären Handel geht es nicht gut – das gilt ganz besonders für die Big Player. Toys “R” Us ist insolvent und der ein oder andere fragt sich, ob der stationäre Handel in seiner jetzigen Form überhaupt noch eine Zukunft hat. Welcher Einzelhändler nun welche Maßnahmen einleiten wird und wie die dann aussehen werden, steht in den Sternen. Der E-Commerce hat dagegen einen Lauf und das nahezu exponentielle Wachstum von Amazon geht immer weiter. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass gerade die großen Onlinehändler dem stationären Handel neues Leben einhauchen könnten, weil sie mit neuen Ideen und Strategien wie z.B. Ladengeschäften, die ganz ohne Mitarbeiter auskommen, frischen Wind in den Markt bringen. Die Verbraucher von heute und insbesondere die Millenials zieht es im Gegensatz zu ihren Babyboomer-Eltern oder ihren Großeltern nicht mehr zum Einkaufen in die Läden. Sie sparen sich lieber die Mühen und Kosten, bevor sie im Laden dann doch nichts Passendes finden. Einfacher ausgedrückt: Online-Shopping spart Zeit und ist einfach effizienter. Wer im Netz einkaufen will, muss kreditwürdig sein und Zugang zum Internet haben. Die Vertreter der Unterschicht haben weder das eine noch das andere. Deswegen gehören Billiganbieter und Ein-Euro-Läden zu den Lichtblicken für den stationären Handel, denn sie sind schlicht und ergreifend Zufluchtsorte für die digital und wirtschaftlich Abgehängten. Darum sprießen diese Geschäfte auch wie Pilze aus dem Boden und geben dem ohnehin schon dynamischen Markt für Niedrigstpreisprodukte weiteren Auftrieb, indem sie den Beziehern niedrigster Einkommen möglichst viel für ihr Geld bieten. China mausert sich zu einem der führenden Absatzmärkte für Spielwaren. So sagt Euromonitor z.B. voraus, dass China die USA bis 2021 beim Spielzeugkonsum abgelöst haben wird. Wie sieht also die Spielwarenbranche nach Ansicht des Experten im Jahr 2022 aus?

  1. In den Führungsetagen wird es immer weniger Babyboomer und Vertreter der Generation X geben. An ihre Stelle treten die Millenials. Mit ihren neuen Ideen, die frei von den Handelspraktiken des vergangen Jahrhunderts sind, werden sie sowohl Handel als auch Produktion grundlegend verändern.
  2. China wird als Absatzmarkt für Spielwaren die weltweite Nummer 1 sein. Stellen Sie sich also auf häufige Reisen ins Reich der Mitte ein – die US-Spielwarenproduzenten jedenfalls werden weiter in den chinesischen Markt investieren.
  3. Amazon wird in den USA und vielen anderen Ländern weltweit der größte Spielwarenhändler sein.
  4. Toys “R” Us wird unter neuer Leitung stehen und weniger und kleinere Filialen haben. Gleichzeitig wird der unabhängige Einzelhandel sich zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für den US-Platzhirsch entwickeln.
  5. Generell wird der unabhängige Fachhandel wieder stärker werden, weil viele Händler in den Lagen Geschäfte eröffnen werden, die von Toys “R” Us aufgegeben wurden.
  6. Die Zeit der Selbstbedienung im Handel ist vorbei – das Einkaufserlebnis wird wieder von persönlichem Kontakt und Interaktion geprägt sein.
  7. Der 3D-Druck wird sich noch weiter entwickeln und den herkömmlichen Produktionsstätten das Leben schwer machen. Die Kunden werden sowohl im Netz als auch im Laden die Möglichkeit haben, personalisierte Produkte zu bestellen.
  8. Bereits heute bieten Unternehmen wie AMC und IMAX digitale Games und Entertainment in ihren Spielstätten in den USA an. Es ist damit zu rechnen, dass die Konkurrenz in diesem Bereich härter wird. Es werden immer mehr Anbieter auf den Markt drängen, die Spielerlebnisse anbieten, die zuhause nicht möglich sind.
  9. Lizenzen werden nach wie vor sehr wichtig sein, aber durch das Überangebot an Sendungen (YouTube, Netflix, Disney Channel, NBC Universal, Nickelodeon und viele andere mehr) und die Tatsache, dass Blockbuster in immer kürzeren Abständen in die Kinos kommen, wird es unheimlich schwierig sein, auf das richtige Pferd zu setzen.
  10. Alle außer Disney werden Einbußen bei den Lizenzgebühren hinnehmen müssen und es wird eine Marktbereinigung in der Entertainmentbranche geben.

Spannende Punkte, die die Branche dieses Jahr in Nürnberg diskutieren kann. Auf 170.000 Quadratmetern werden im Jahr 2018 mehr als eine Million Produkte präsentiert – kein Zweifel, Nürnberg und damit die Spielwarenmesse ist die Weltleitmesse für die Spielwarenbranche. Für die Modellfahrzeughersteller soll es langfristig Veränderungen geben, im Vorfeld der Messe war von einem neuen Konzept zu hören, wasrückblickend auch nicht verwunderlich ist. Trotz eines neuen Rekords im letzten Jahr mit 2.871 Ausstellern schrumpfte der Flächenanteil, auf dem Modellfahrzeuge und damit Omnibusse im kleinen Maßstab zu sehen waren. Man darf gespannt sein, was Ende Januar in diesem Jahr in Nürnberg zu sehen sein wird. omnibus.news wird flankierend zur Messe über Modellbus-Neuheiten berichten und im Anschluss einen Messebericht mit Fotos der ausgestellten Modellbusse online stellen. Wenn Sie schon von einer Modellbus-Neuheit gehört haben, dann freut sich omnibus.news über einen Tipp – einfach ein E-Mail an omnibus.news schicken!

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