Macht aktuell in den sozialen Medien die Runde und zeigt, dass Verbände und Initiativen nicht gemeinsame Sache machen. Foto: Matchbus/Jumpertz

Die Buswelt ist klein, klein und überschaubar. Groß scheint der Graben zu sein, der aktuell in eben dieser kleinen Buswelt da ist. Verbände auf der einen Seite, Initiativen, teilweise mit Mitgliedern der Verbände, auf der anderen Seite. Die Kluft wird stündlich größer, in den sozialen Medien ist ein Kampf entfacht, der längst die rationale Ebene verlassen hat. Offene Briefe, verbale Entgleisungen und Beschimpfungen, es scheint, als sei das Ziel verloren – zugunsten eines neuen Kampfes gegen einen Gegner, mit dem man doch viel effektiver gemeinsame Sache machen sollte. Toll, wenn die unterschiedlichen Initiativen 450 Omnibusse in Berlin auf die Straße bringen, um ein Zeichen zu setzen. Toll, wenn dann auch die Verbände noch eine Bus-Demo mit 300 Fahrzeuge ankündigen. Leider geschieht dies zeitversetzt, aber, auch steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein. Und der muss in Berlin in Bewegung kommen, damit die ganze Busbranche überleben kann. Wenn es geht um Existentielles geht, dann ist manchem Busunternehmer das sprichwörtliche Hemd näher als die Hose. Verständlich, denn es ist längst nicht mehr nur “Fünf vor Zwölf”, erste Insolvenzen stehen im Raum, die dramatische Lage der überwiegend familiengeführten Busunternehmen ist aber zum Glück mittlerweile in den Medien und auch in Berlin angekommen. Spannung liegt in der Luft, die Stimmung ist deshalb so gereizt, weil die Not immer größer wird und kein Ende in Sicht ist. 170 Millionen Euro stellt der Bundesverkehrsminister in Aussicht, bei rund 4.000 privaten Busunternehmen in Deutschland gut 40.000 Euro pro Betrieb. Zu wenig wurde nach Bekanntwerden der möglichen Unterstützung sofort gesagt, wenn doch monatlich allein solche Beträge auflaufen. Doch das Geld vom Statt sei ausschließlich für fahrzeugbezogene Kosten von Reisebussen aufgrund des immer noch bestehenden Busreiseverbotes gefordert werden – so Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO). Aktuell wird immer noch Lobbyarbeit geleistet, um ein gesondertes Hilfsprogramm (Rückzahlungsfons/Soforthilfen) für die Bustouristik zu erwirken. Mancher Schnellschuss als Reaktion auf den vorgelegten Hygieneplan und so mancher negativer Kommentar in den sozialen Medien wären vielleicht nicht geschrieben worden, wenn man sich nicht auf eine Meinung aus eben diesen Medien berufen hätte, die zu schnell, zu emotional verfasst wurden. Keine Frage, die Stimmung ist aufgeladen und sehr emotional. Doch warum sehen die einzelnen Initiativen und die Macher von #honkforhope nicht, dass alle dasselbe Ziel haben? Mittlerweile bestätigen mehrer Busunternehmer, dass die Botschaft in Berlin angekommen ist und Abgeordnete in der Heimat sie in ihrem Wahlkreis auf dem Betriebshof besucht haben. Bislang waren Busse genauso wie Bildung in Berlin kein Thema, wieso sollte man auch Geld für Busse und Schulen ausgeben? Im Bundestag mehren sich jetzt aber erste Stimmen, statt Kaufanreize für Pkws zu finanzieren das Geld doch lieber Bedürftigen wie den Busunternehmen zu geben. Die Initiatoren der #honkforhope-Kampagne haben mit einem offenen Brief den Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) angegriffen, der als Spitzenverband die deutsche Busbranche vertritt. Zu wenig sei geschehen, so Alexander Ehrlich und Joachim Jumpertz als die Köpfe hinter der Kampagne. Kontinuierliches Lobbying auf EU, Bundes- und Länderebene wird dem BDO bescheinigt, zusammen mit Umfragen und Offenen Briefen sowie aufgestellten Forderungen und einer Hilferuf-Broschüre aber zu wenig. Immerhin stehen aber schon 170 Millionen Euro an Unterstützung im Raum, der Bundesverkehrsminister empfing eine Delegation des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer. Fast zeitgleich machten die Initiatoren der #honkforhope-Kampagne auf die Bittschrift “Rettet das Busgewerbe in Deutschland” aufmerksam, die an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages übergeben wurde. Und sie fuhren mit einem Buskonvoi durch Berlin, mit einer schriftlichen Bestätigung der Berliner Polizei, dass der Plan von #honkforhope sich im Rahmen der StVO bewege und daher nicht genehmigungspflichtig gewesen wäre. Wo steht oder besser sitzt eigentlich der Gegner? Nicht auf der anderen Seite des Grabens, sondern oben auf dem Berg. Den gilt es nun zu erklimmen – gemeinsam! Wenn dann der Verband wiederum den Initiativen und seinen Mitgliedern schreibt und um “eine aufmerksame Lektüre” bittet oder von “sich einmal die Mühe machen” spricht, um dann zum Schluss appellativ “aktive und konstrutive Beteiligung” sowie das Verlassen des “destruktiven Kurses” fordert, dann ist das zwischen den Zeichen mehr denn je ein Hilferuf, miteinander zu agieren. Jetzt ist es an der Zeit, trotz oder wegen unterschiedlicher Ansätze und Vorgehensweisen, gemeinsam für eine Sache zu kämpfen. Ein Schlussstrich muss her, die Zukunft für den Bus zuzulassen ist das Ziel, das private Initiativen genauso wie Verbände fordern. Wenn alle Beteiligten ihre Kompetenzen und ihr Knowhow bündeln würden, dann ist das Hupen wirklich nicht mehr zu überhören. Jetzt gegenseitig auf Konfrontationskurs zu gehen ist überflüssig, denn für alle Beteiligten der Buswelt ist das Leben schon anstrengend genug. (BDO/#honkforhope/Matchbus/Schreiber)

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