Erfolgreich autonom unterwegs: Ein umgebauter Linienbus der Marke Iveco aus der Großserie. Foto: Iveco Bus

Keine Frage, eines der Zukunftsthemen ist neben der Elektromobilität das autonome Fahren. Nicht nur für Mini- und Midibusse, sondern auch für Solofahrzeuge mit den bisher etablierten Maßen von gut 12 Metern. Iveco Bus und EasyMile sowie weitere Partner schlossen kürzlich erfolgreich Tests mit einem vollständig fahrerlosen Standardbus-Prototyp unter realen Bedingungen ab.

Die Testphase erfolgte im Rahmen des STAR-Projekts (Rapid Autonomous Transport System), an dem mehrere Partner beteiligt sind. Der Bus hat seine Eignung für den autonomen Betrieb auf Schnellbusspuren (BRT) und auf Privatgrundstücken bewiesen.

Das markiert einen richtungsweisenden Meilenstein bei der Entwicklung des autonomen Verkehrs in Europa. Die Studie „Connected and Automated Transport“ der Europäischen Kommission nennt vernetzte und automatisierte Verkehrssysteme als „entscheidend für die Erhaltung und Konsolidierung der globalen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Verkehrsindustrie”.

Der 12 Meter lange Bus kann bis zu 100 Fahrgäste bequem und sicher befördern. Zu den in den Bus eingebauten Technologien gehören Sicherheitskontrollen und eine Navigationssoftware. EasyMile steuerte außerdem eine der fortschrittlichsten Flottenmanagementlösungen bei, die zweckbestimmt auf autonome Fahrzeuge ausgelegt ist.

Das gemeinsam von EasyMile und Iveco Bus auf Basis der Großserie entwickelte Fahrzeug wurde auf dem Testgelände von Transpolis sowie auf den eigenen Testgeländen ausgiebig getestet und weiterentwickelt. Die Tests fanden zu allen Jahreszeiten und unter unterschiedlichsten Witterungsbedingungen statt, um Spitzenleistungen zu erzielen.

Das in den Bus eingebaute autonome Fahrsystem (ADS für autonomous driving system) ermöglicht es, an Haltestellen mit einem Abstand von weniger als zehn Zentimetern konstant anzudocken. Dies ist besonders wichtig, da es die Zugänglichkeit, insbesondere für Rollstuhlfahrer, verbessert. Die vom Bus im selbstfahrenden Modus erreichten Höchstgeschwindigkeiten zeigten, dass die Technologie auch bei 40 km/h gut funktioniert. Weitere Tests ergaben, dass insbesondere die multimodale Lokalisierungstechnologie des Softwareanbieters auch bei autonomen Geschwindigkeiten über 70 km/h wirksam ist. Dank der V2X-Fähigkeiten (Vehicle-to-Infrastructure) kann der Bus Ampelphasen vorhersehen, was ein reibungsloses Anhalten und Anfahren sowie einen geringeren Energieverbrauch bedeutet. Die Präzision beim Manövrieren und Anhalten ermöglicht auch das automatische Parken im Depot.

„Wir sind sehr stolz auf diese neue Zusammenarbeit mit Iveco Bus, die auf unser erfolgreiches gemeinsames STAR-Projekt aus dem Jahr 2017 folgt. Sie zeigt auch, wie ausgereift unsere Technologie ist. Die Technologie für autonomes Fahren bringt eine Reihe von Vorteilen für den Busbetrieb mit sich, von zusätzlicher Sicherheit über optimiertes Parken bis hin zu verbesserten Dienstleistungen für die Fahrgäste an Bord. Gemeinsam freuen wir uns darauf, diese neue innovative Lösung den öffentlichen Verkehrsbetrieben anzubieten”, sagt Benoit Perrin, General Manager von EasyMile.

EasyMile und Iveco Bus haben sich 2017 im Rahmen des STAR-Projekts mit Sector, Transpolis, ISAE-SUPAERO, der Université Gustave Eiffel, Inria und Michelin zusammengeschlossen, um die Technologie zur Automatisierung der Busse zu entwickeln. Ziel der Zusammenarbeit war die Entwicklung des ersten fahrerlosen, autonomen Standardbus-Prototypen im Jahr 2021, der sich unter realitätsnahen Bedingungen betreiben lässt.

„Iveco Bus ist als Hersteller, der schon lange auf die Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen setzt, stolz auf die Ergebnisse dieses Projekts für selbstfahrende Busse der Stufe 4. Die durchgeführten Tests bestätigen unter anderem eine Geschwindigkeit von 40 km/h im selbstfahrenden Modus. Diese Tests sind eine weitere und notwendige, aber nicht finale Stufe des Projekts, die wir gemeinsam mit unseren Partnern weiter vorantreiben. Die Sicherheits- und Managementfunktionen des Fahrzeugs ermöglichen es uns nun, die nächste Phase zu planen, nämlich die Tests unter Betriebsbedingungen”, erklärt Stéphane Espinasse, Präsident der Marke Iveco Bus.

Aktuell bereiten die Projektpartner den Schritt für die zweite Phase vor – den Betrieb des Busses in einer Stadt unter realen Bedingungen. Subventioniert wird das Projekt von der französischen Regierung über das FUI-Programm (Fonds Unique Interministériel). Das Projekt wird von CARA – European Cluster for Mobility Solutions, Aerospace Valley und NFI (Nouvelle France Industrielle) geleitet und unterstützt sowie von der Region Occitanie, der Banque publique d’investissement (Bpifrance), der Region Auvergne-Rhône-Alpes und Grand Lyon métropole finanziert. (IvecoBus/EasyMile/PM/Sr)

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