Der Größenvergleich mit dem Modellbus von Rietze (Maßstab 1/87) macht deutlich, wie groß der Mercedes-Benz Tourismo von GMS MArket ist. Foto: Petzoldt

Noch besser lassen sich die Größenverhältnisse erkennen, wenn man den Modellbus in einer Sammlung von Busminiaturen sieht. Foto: Petzoldt

Platz brauche man schon, wie Bertram Petzoldt zu seinem Foto des Tourismo-Modellbusses anmerkt. Inspiriert vom Ikarus-Modellbus in 1/12 vom DeAgostini-Verlag, über das omnibus.news am 2. März berichtet hat, hat Bertram Petzoldt sich gleich an seinen Mercedes-Benz Tourismo erinnert. Im Maßstab 1/14 misst der Modellbus aus türkischer Herstellung knappe 90 Zentimeter. Die inhabergeführte Manufaktur, die unter GMS Market oder Güner Reklam firmiert, sitzt im türkischen Ort Aydin,  gut 100 Kilometer südöstlich von Izmir gelegen. Die kleine aber feine Modellbusschmiede hat sich auf die Herstellung exklusiver Omnibus- und LKW Modelle in den Maßstäben 1/10 (z.B. Travego) oder 1/14 (z.B. Tourismo) oder 1/24 (z.B. MB Travego und Toursimo, MAN Lion) spezialisiert. Das Kunststoffmodell des 14-fach verkleinert zweiachsigen Tourismo hat eine komplette Inneneinrichtung, wie Betram Petzoldt in Anlehnung an die Informationen zum Ikarus 260 mitteilt. Sein Modellbus hätte die in der Türkei nicht selten anzutreffende 2+1 Bestuhlung im Detail verkleinert an Bord. Zwar lassen sich – auch wieder im Vergleich zum Ikarus 260 aus der DeAgostini Sammelserie – beim Tourismo von GMS Market die Türen nicht öffnen, aber, und jetzt zeigt sich der Vorteil einer Manufaktur, der schmucke Modellbus erhielt im Innenraum noch eine LED-Beleuchtung. Und, ja, auch die Scheinwerfer sind in LED-Technik ausgeführt und runden den absolut perfekten Auftritt souverän ab, wie Betram Petzoldt anmerkt. Gebaut wird das große Vorbild, wie alle Reisebusse mit Stern, bei Mercedes-Benz Türk A. Ş. In diesem Jahr das Unternehmen das 25-jährige Bestehen ihrer hochmodernen Omnibusfertigung im Istanbuler Stadtteil Hoşdere – auf der europäischen Seite der Metropole am Bosporus, in Ostthrakien (Region Marmara). Die Mercedes-Benz Türk hat je ein Standbein in Europa und Asien: das Omnibuswerk in Istanbul-Hoşdere und das Lkw-Werk im zentralanatolischen Aksaray. „Für Daimler Buses ist Hoşdere ein sehr wichtiger Standort, von dem aus zwei Drittel der gefertigten Omnibusse nach Europa sowie in den Nahen und Mittleren Osten exportiert werden. Der Standort hat im europä­ischen Produktionsverbund von Daimler Buses eine enorm große Bedeutung. Das unterstreichen auch die vom Konzern seit der Gründung in 1967 bis heute getätigten Investitionen in die türkische Tochtergesellschaft mit insgesamt 885 Millionen Euro für die Werke in Istanbul und Aksaray,“ wie Hartmut Schick, anlässlich des 20-jäjrigen Jubiläums und in seiner damaligen Funktion als Leiter von Daimler Buses im September 2015 in Istanbul bei einem Werkrundgang erzählte. Begonnen haben die türkischen Aktivitäten der Marke Mercedes-Benz ganz am 3. Dezember 1966, denn da gründete die Daimler-Benz AG mit zwei türki­schen Teilhabern die Otomarsan A. Ş. (Otobüs ve Motorlu Araclar Sanayi). Dieses Unternehmen hatte damals ein Omnibuswerk in Istanbul-Davutpaşa, in dem von 1968 an Mercedes-Benz Linienbusse O 302 in Lizenz gefertigt wurden. Nach der Aufstockung der Geschäftsanteile durch die Daimler-Benz AG im Jahr 1989 auf 50,3 Prozent, wurde aus der türkischen Beteiligungsgesellschaft am 11. November 1990 die Mercedes-Benz Türk A. Ş. Das operative Geschäft der Mercedes-Benz Türk führt seit 2020 Britta Seeger. Im Sommer 1995 begann die hochmoderne Omnibusfabrik im Istanbuler Stadtteil Hoşdere mit stolzen 30.000 m2 überdachter Produktionsfläche und einer damaligen Jahres­kapazität von 2.000 Fahrzeugen zu produzieren. Das Werk wurde in den vergang­enen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Heute deckt Hoşdere die gesamte Prozesskette der Omnibusproduktion vom Rohbau, kathodischer Tauchlackierung, Innenausbau, Lackierung und Montage ab. Es ist ein fester und ganz wesentlicher Bestandteil des internationalen Entwicklungs- und Produktionsverbunds von Daimler Buses. Die Verantwortlichen bei Daimler hatten schon frühzeitig auf die Globalisierung und deren Möglichkeiten in der Produktionsstrategie gesetzt. In den 1990er Jahren hatte man die strategische Bedeutung der Türkei für die Nutzfahrzeugproduktion und den zu erreichenden attraktiven Inland-Nutzfahrzeugmarkt erkannt, seitdem gilt der Standort als Drehscheibe zwischen Europa und Asien. Den Durchbruch als anerkannter Omnibushersteller schaffte Hoşdere mit dem, na klar, Tourismo! 1994 konnte der Mercedes-Benz O 403 an den Start gehen. Dieser Mercedes-Benz Omnibus wurde damals mit der Bezeichunung O 403 in der Türkei für den Inlandsmarkt produziert. Für den Exportmarkt war dieser Omnibus als Mercedes-Benz O 350 Tourismo verfügbar. Zur Eröffnung des Werkes Hoşdere war der Tourismo dann ganz genau am 10. Juni 1995 auch ein echter Star, der in Anwesenheit des türkischen Staatspräsidenten Süleyman Demirel auf die Bühne gefahren wurde. In der Kanzlei von Betram Petzold, der als Fachanwalt für Arbeits- und Sozialrecht in der Kanzlei auch die Räumlichkeiten des Landesverbandes Sächsischer Omnibus- und Touristikunternehmen e. V. hat, ist der maßstabgerechte verkleinerte Tourismo in der Glasvitrine nicht nur ein Hingucker, sondern auch so etwas wie Star, der im Rahmenlicht steht. (Daimler/MBTürk/Schreiber/omnibus.news/Sr)

Der erste neue Tourismo, Vorbild für den Modellbus, ist 2017 in Hoşdere vom Band gelaufen. Foto: Daimler

Daimlers Busfabrik in der Türkei liegt im Istanbuler Stadtteil Hoşdere. Foto: omnibus.news

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