Andreas Renschler machte auf der IAA 2016 in Hannover keinen Hehl daraus, dass die Nutzfahrzeugsparte unter dem Dach von Volkswagen weiter expandieren werde. Foto: Schreiber

Die ehemalige Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN), einer der letzten großen Traditionskonzerne, hört als eigenständiges Unternehmen auf zu bestehen und wird in der Muttergesellschaft Traton aufgehen. Was die deutsche Börsenzeitung schon vor fast einem Jahr vermutete, ist nun endgültige Gewissheit: Der Börsenkandidat Traton verstärke seinen Zugriff auf die MAN SE und könne die Gesellschaft damit von der Börse nehmen – für Finanzexperten war diese Aussage schon damals keine Spekulation, sondern eine Tatsache. Nun ist es amtlich. Seit der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zwischen Traton und MAN mit Wirkung zum 1. Januar 2019 beendet worden ist besteht ein faktisches Konzernverhältnis. Die Volkswagen AG hält mittels der Traton SE, in der das Nutzfahrzeuggeschäft mit den Marken MAN, Scania und VW gebündelt ist, mit 94,36 % die Mehrheit der Stammaktien an der MAN SE. Die Traton SE will die MAN SE von der Börse nehmen und die Aktien einziehen. Die noch verbliebenen Minderheitsaktionäre sollen eine angemessene Barabfindung erhalten, wie der Konzern in München mitteilte. Mit einem Anteil von mehr als 90 Prozent hat die Traton SE das Recht, ein so genanntes Squeeze Out zu beschließen. Der Schritt sei nötig, um die Konzernstruktur weiter zu optimieren, wie es seitens der Traton SE zur Begründung heißt. Künftig wird MAN Truck & Bus also ohne Umwegdirekt über die MAN SE der Traton SE unterstehen. Genauso wie die schwedische Marke Scania. Und die ie bisher von der MAN SE gehaltene Beteiligung an Scania werde an die Traton SE übergehen, wie es in diesem Zusammenhang aus München heißt. Mit dem Rückzug von MAN von der Börse und dem gleichzeitig beschlossenen Delisting der Oberklasse-Tochter Audi vereinfache VW seine Strukturen, wie das Handelsblatt schreibt. Mit Volkswagen, Traton und MAN seien bisher Mutter-, Tochter und Enkelgesellschaft an der Börse gelistet. So könne nicht nur der Verwaltungsaufwand deutlich verringert werden, sondern mit dem Wegfall der MAN SE als Zwischenholding könne Traton nun auch Entscheidungen schneller umsetzen, wie es in der Mitteilung der Traton SE weiter heißt. Der Vorstand der Traton Se hat daher dem Vorstand von MAN in der letzten Woche den Vorschlag zur Aufnahme von Verhandlungen über einen Verschmelzungsvertrag sowie das förmliche Verlangen übermittelt, das Verfahren zur Durchführung eines verschmelzungsrechtlichen Squeeze-outs einzuleiten. Die Traton SE ist eine Tochtergesellschaft der Volkswagen AG und gehört mit ihren Marken MAN, Scania, Volkswagen Caminhões e Ônibus und RIO zu den weltweit führenden Nutzfahrzeugherstellern. Im Jahr 2019 setzten die Marken der Traton Group insgesamt rund 242.000 Fahrzeuge ab. Das Angebot umfasst leichte Nutzfahrzeuge, Lkw und Busse, an 29 Produktions- und Montagestandorten in 17 Ländern. Zum 31. Dezember 2019 beschäftigte das Unternehmen in seinen Nutzfahrzeugmarken weltweit rund 82.700 Mitarbeiter. (Traton/Volkswagen/Handelsblatt/PM/Sr)

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