Anzeige



Das “Monument” steht nun für kurze Zeit am Brandenburger Tor in Berlin. Foto: Tillmann

 Im März 2015 errichten ZivilistInnen in Aleppo während des Krieges zu ihrem Schutz Barrikaden aus aufgerichteten Omnibussen, um sich so besonders vor Scharfschützen zu schützen. Der Künstler Manaf Halbouni hat das verarbeitet dieses Motiv in seiner Anti-Kriegs-Skulptur „Monument“. Die drei hochkant stehenden, ausrangierten Busse sind seit Freitag im Rahmen des dritten Berliner Herbstsalons des Maxim-Gorki-Theaters vor dem Brandenburger Tor ausgestellt. Die künstlerisch verwerteten Linienbusse, die schon in Dresden für Aufregung sorgten, stehen nun vor dem Brandeburger Tor.Zum ausgewählten Ort merkt der Künstler an: „Hier an diesem Ort wurde nach dem Krieg etwas aufgebaut. Ich möchte die Hoffnung vermitteln, dass dies irgendwann auch in Syrien so sein wird.“ Die aus drei senkrecht auf den Hecks stehenden Bussen erstellte Installation des deutsch-syrischen Künstlers Manaf Halbouni steht seit Samstag für zwei Wochen in Berlin und ist eines der zentralen Werke des sogenannten 3. Berliner Herbstsalons des Maxim-Gorki-Theaters. Das Denkmal namens „Monument“ sorgte in Dresden für große Diskussionen: Der deutsch-syrische Künstler Manaf Halbouni will mit seinem Kunstwerk ein Zeichen für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit setzen. Das wurde in Dresden aber so nicht verstanden, über die hochkant aufgestellten Omnibusse wurde bekanntlich tumultartig gestritten. Für die einen ist es „spektakulär“, für die anderen „entartete Kunst“. Fakt ist: Die Installation des Künstlers stand direkt vor der Frauenkirche, schon das war für viele Menschen eine Provokation. Manaf Halbouni ließ sich von einem Foto inspirieren, das vor zwei Jahren um die Welt ging. „Ich habe die Bilder damals gesehen und gedacht: Wahnsinn, was Menschen tun, um sich vor Angriffen zu schützen“, so Halbouni.Der Bürgerkrieg in Syrien ist eine seit 2011 andauernde, bewaffnete Auseinandersetzung verschiedener Gruppen, die mit fortschreitender Dauer zunehmend unter Beteiligung internationaler Mächte stattfindet, die eigene ethno-religiöse, wirtschaftliche und geopolitische Interessen verfolgen. Und so vielfältig wird auch die Diskussion um das Kunstwerk geführt. Auslöser des Konflikts in Syrien war ein friedlicher Protest gegen das autoritäre Regime Assads im Zuge des Arabischen Frühlings Anfang 2011. Es kam zu einer wachsenden Einflussnahme des Auslands, neben dem Zustrom von Waffen kämpften auch immer mehr ausländische Freiwillige und Söldner in Syrien. Die ursprüngliche Motivation der Opposition, die Demokratisierung Syriens zu erreichen, rückte in den Hintergrund. Die aufgestellten Omnibusse rückten das Ereignis und die andauernde Gewalt wieder in Erinnerung. Die von Halbouni benutzten Omnibusse sind nicht die „Originale“ aus Aleppo. Die Busse des Kunstwerkes wurden bei einem Gebrauchtwagen-Händler gekauft. In der künstlerischen Auseinandersetzung sieht Halbouni auch Verbindungen zu Dresdner Zivilisten, die sich 1945 ebenfalls vor Angriffen schützen mussten. Insofern will der Künstler sein „Monument“ auch als Mahnmal für Dresdens Bomben-Opfer verstanden wissen. Viele wollen Halbouni aber überhaupt das Recht absprechen, Kunst für Dresden zu machen. Die Diskussion auf dem Neumarkt wurde mitunter populistisch geführt, nur wenige Menschen wissen, dass der Vater des Künstlers ein Syrer ist, seine Mutter eine Dresdnerin und er somit in Dresden verwurzelt ist. Halbouni wurde in Damaskus geboren, hat als Kind viel Zeit in der Stadt an der Elbe verbracht – seit 2008 lebt er in Dresden. Manaf Halbouni hat Kunst studiert, war Meisterschüler in Dresden und ist inzwischen mit renommierten Projekten in der Welt der Kunst befasst. Die Installation gehörte zu den Aktionen, mit denen die Stadt Dresden der Zerstörung am 13. Februar 1945 gedacht hat. Und das ist bis heute ein ideologisch hart umkämpftes Datum, denn bis kurz vor Kriegsende verbreiteten die Nationalsozialisten den Opfermythos einer „unschuldigen Stadt“, den auch bei der Einweihung des „Monuments“ rechte Bewegungen immer wieder neu aufleben lassen wollten. Als in Dresden über Kunst gesprochen wurde, hatten die Kritiker meist nur ein Argument: Das Gedenken an die Dresdner Bombentoten von 1945 würde durch das Monument geschmälert werden, denn die Aufmerksamkeit würde auf die Toten von Aleppo gelenkt werden. Anfangs wurde auch kritisch angemerkt, dass die Omnibusse umkippen könnten… Die auf einem betonierten Sockel aufgestellten Omnibusse werden durch Stahlstreben gehalten, Statiker und Architekten haben das Kunstwerk begleitet. Das Sichern fand auf einer ganz anderen Ebene statt: Die aufgestellten Omnibusse wurden durch die Polizei vor den Gegner gesichert, die schon die Einweihung massiv gestört hatten. Nun steht das “Monument” vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Die Aufstellung des Mahnmals, so heißt es seitens des Kunsthauses Dresden als Besitzer der Installation, solle die an der Frauenkirche begonnene Debatte zu Grundprinzipien der Demokratie und Kultur an einem anderen historischen Ort fortsetzen. Schon jetzt darf man gespannt sein, wie in der Hauptstadt über das Kunstwerk diskutiert werden wird. „Wir wissen alle, dass Kunst nicht Wahrheit ist. Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit begreifen lehrt, wenigstens die Wahrheit, die wir als Menschen begreifen können.“, so Pablo Picasso.

Erst Dresden (Foto oben), jetzt Berlin: Die Installation “Monument” des Manaf Halbouni. Foto: Schreiber

Teilen auf: