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Ein Stück rollende Kulturgeschichte: Die Chiva. Foto: van Unen

Ein Stück rollende Kulturgeschichte: Die Chiva. Foto: van Unen

Aktuell wird in Kolumbien immer noch um den Status der Chiva gekämpft, weil sie nicht immer den geforderten Sicherheitsstandards entsprechen. Aber ein kultureller Wert ist ihr nicht abzusprechen. Verschiedene Organisationen bieten mit der Chiva (spanisch für Ziege) speziell auch für Touristen Sonderfahrten an, um das Kulturgut populär zu machen. So hat IXO für die Sammelserie „Autobuses del Mundo“ für Kolumbien auch ganz treffend eine Chiva ausgewählt. Im Maßstab 1/72 hat IXO eine farbenfrohen Chiva hergestellt. Für den Hachette Verlag und dessen Sammelserie Autobus et Autocars du Monde gibt es die Chiva jetzt auch im Maßstab 1/43, wie Konrad Pernetta vom Modellbusmarkt Oberammergau mitteilt. Als Vorbild orientierte man sich an einem US-Ford F-600 aus dem Jahr 1990, der einen lokalen Aufbau erhielt. In der gebirgigen Landschaft der Anden macht der Bus seinem Namen nämlich alle Ehre, während moderne Kleinbusse eine Zwangspause einlegen müssen, fährt die Chiva ohne Störungsmeldungen seitens der Elektronik einfach weiter. Die wunderschön bunt bemalten und mit unterhaltsamen oder religiösen Sprüchen verzierten Chivas fahren bis in die entlegensten Dörfer und sind somit ein äußerst wichtigstes Beförderungs- und Transportmittel. Die Kleinstadt Andes in den kolumbianischen Bergen ist sozusagen das Zentrum der Chivas. Wie an keinem anderen Ort wird hier die Chivas-Kultur gelebt. Hier wird auch vereinzelt von “buses de escalera”, also Bus mit Leiter gesprochen, denn die Chivas transportieren auf dem Dach alles, was vom Stadt ins Dorf oder vom Dorf in die Stadt muss. Und diese Sachen werden über eine Leiter auf das Dach gebracht. Im kolumbianischen Hinterland sichern die Chivas das Überleben. Jeder Fahrer liebt seine Chiva, was auch die persönliche Bemalung zeigt. In Andes gibt es sogar den Beruf des Chiva-Malers. So sind beispielsweise Alejandro und Humberto Serna als Chiva-Maler in ganz Kolumbien gefeierte Stars. Ganz traditonell führen sie das fort, was der Vater einst begann und ihnen vererbet. Nach zwei Monaten ist eine Chiva fertig und so individuell bemalt, dass der Besitzer beim Abholen fast immer Tränen in den Augen hat. Die Optik einer Chiva ist übrigens für die Fahrgäste entscheidend, nur ansprechende Chivas finden viele Fahrgäste. Und auch für die jährliche Chivas-Parade in Medellin ist die Bemalung entscheidend, wenn man hier gewinnen will. Doch auch im täglichen Wettbewerb müssen sich die Chivas mehr denn je behaupten, denn mit modernen Bussen oder auch Jeeps können die veralteten und nicht gerade komfortablen Chiavs auf Lkw-Basis nicht mehr mithalten. Die Chiva in 43-facher Verkleinerung ist ab sofort beim Modellbusmarkt Oberammergau erhältlich.

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