Was ist beim Klimatisieren eines Busses in Zeiten von Corona zu beachten? Foto: MAN

Beim Betrieb von Stadt-, Überland und Reisebussen hat die Gesundheit von Fahrgästen und Fahrern höchste Priorität. Das gilt im Zeitalter des Corona-Virus umso mehr. Neben den allgemein geltenden Abstands- und Hygienevorschriften kommt dabei der richtigen Nutzung der Klimaanlagen eine erhöhte Aufmerksamkeit zu. MAN Truck & Bus gibt Busbetreibern und -fahrern wichtige Handlungsempfehlungen. Egal ob in Supermärkten, Banken oder am Arbeitsplatz in Produktionshallen und Büros – überall gelten zurzeit Maßnahmen, die vor der Ansteckung mit dem Corona-Virus schützen sollen. Auch in Linien-, Überland- oder Reisebussen hat die Gesundheit von Fahrgästen und Fahrern höchste Priorität. Neben den allgemein geltenden Abstands- und Hygienevorschriften kommt dabei der richtigen Nutzung der Klimaanlagen eine erhöhte Aufmerksamkeit zu. Heinz Kiess, Leiter Produktmarketing Bus bei MAN Truck & Bus, erklärt worauf Busbetreiber und -fahrer jetzt besonders achten sollten, um die Gefahr einer Ansteckung im Fahrgastraum zu minimieren.

Heinz Kiess: „Um eine mögliche Virenverteilung im Fahrgastraum durch die Klimaanlage des Busses zu reduzieren, sollten Fahrer und Busbetreiber verschiedene Maßnahmen beachten. Die Klimaanlage soll zum einen möglichst nur im Frischluftmodus und ohne die Umluftfunktion genutzt werden. Auch sollte die Anlage nicht per Taster manuell deaktiviert werden, da sich so nur der Klimakompressor, aber nicht das Gebläse abschaltet. Um eine Reduzierung der Frischluftmenge im Fahrgastraum zu vermeiden, sollte zudem die Gebläsedrehzahl nicht manuell abgesenkt werden. Bei Bussen mit Servicesets empfehlen wir, diese vor Fahrtantritt zu schließen. Das kann das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste weiter steigern. Denn die Fahrgäste werden nicht direkt angeblasen und die Luft kommt nur aus den Belüftungsöffnungen im Dachkanal. Um die Luftreinheit zu erhöhen, sollten auch die Pollenfilter der Aufdachanlage sowie der Frontbox regelmäßig und in kürzeren Abständen ausgetauscht werden.”

: Wie funktioniert generell eine Klimaanlage in Bussen?

Heinz Kiess: „Die Solltemperatur im Fahrgastraum wird über Heizelemente geregelt, die sich im Fahrgastraum sowohl unter den Sitzen als auch an den Seitenwänden befinden. Auch die Frontbox und Aufdach-Klimaanlage tragen zur Herstellung der Solltemperatur bei. Je nach Umgebungsbedingungen wird über diese durch die so genannte Fahrgastraumregelung der Frisch- und Umluftanteil geregelt. Die Luft wird hierbei über serienmäßig verbaute Pollenfilter, teils auch mit Aktivkohlesätzen, gefiltert. Weiter wird die Abluft über separate Kanäle abgeleitet. In diesen Kanälen wird bei aktiver Lüftung die verbrauchte Luft aus dem Innenraum permanent abgeführt und somit eine lückenlose Luftzirkulation sichergestellt.”

: Wie groß ist das Ansteckungsrisiko über die Klimaanlage?

Heinz Kiess: „Theoretisch ausschließen lässt sich eine mögliche Ansteckung mit dem Corona-Virus über die Klimaanlage im Bus nicht – aber wir schätzen dieses Risiko als sehr gering ein. Andere Faktoren, vor allem das Missachten der allgemein geltenden Abstands- und Hygienevorschriften bergen ein weitaus größeres Ansteckungsrisiko. Deshalb sollten auch in Bussen die von Ländern international und den Bundesländern regional vorgeschriebenen sowie empfohlenen Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden. Außerdem sollten Busfahrer und Bus-Betreiber darauf achten, dass vor allem Haltestangen und Haltegriffe regelmäßig desinfiziert werden. Besondere Hygiene und Desinfektionsmittel an den Einstiegen sind sehen wir ebenfalls als sehr sinnvoll an.”

: Gibt es weitere Schutzmaßnahmen insbesondere für Fahrer?

Heinz Kiess: „Um speziell die Fahrer besser zu schützen, denken aktuell viele Hersteller und Betreiber über eine Trennung der Fahrerkabine hin zum Fahrgastraum durch eine Plexiglasscheibe oder ähnliches nach. Teilweise sind solche Lösungen bereits im Einsatz. Wir verzeichnen dazu eine steigende Nachfrage insbesondere aus dem Markt bei Stadtbussen. Für unsere neue Stadtbusgeneration sind wir soweit, dass wir in Kürze eine Schutzscheibe für den Fahrerarbeitsplatz ab Werk als Sonderausstattung und über den After Sales zur Nachrüstung anbieten können. Für alle anderen Fahrzeuge wie Überlandbusse im Einsatz bei Kunden haben wir auch Anfragen. Diese können wir individuell im MAN Bus Modification Center in Plauen schnell zur Umsetzung bringen. Beim Reisebus gibt es bereits einige Ideen, die wir derzeit in enger Abstimmung mit Busunternehmern diskutieren. International gibt es derzeit auch kaum einheitliche Regelungen und Vorgaben – daher versuchen wir über die Ländergrenzen hinweg, gute Ideen zu diskutieren und diese dann auch umzusetzen.”

(MAN/PM/Schreiber)

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