De Agostini hat in Ungarn eine Sammelserie mit einem Ikarus 260-Modellbus im Maßstab 1/12 gestartet. Foto: DeAgostini

Alle vier Wochen gibt es ein neues Heft mit Bauteilen und Werkzeug. Foto: DeAgostini

Im Maßstab 1/12 lassen sich sogar die Türen vorbildgerecht “auf- und zufalten”. Foto: DeAgostini

Keine Fotomontage, der Ikarus 260 misst wirklich stolze 91,4 Zentimeter! Wahnsinn, oder? Um in den Genuss dieses Modellbusses zu kommen, muss man aber in Ungarn wohnen oder dort einen Freund haben, der sich den Ikarus 260 im Maßstab 1/12 in einzelnen Bauteilen vom De Agostini Verlag zuschicken lässt. Eine verrückte Idee, insgesamt werden es 130 Aussendeungen sein, dann hat man den schmucken Ikarus 12-fach verkleinert auf dem Schreibtisch stehen. Ungarn als Heimatland des Ikarus ist sicherlich treffend gewählt, doch an die Modellbuswelt außerhalb Ungarns denkt man bei De Agostini nicht. Ähnlich war es seinerzeit mit einer Sammelserie von Atlas Editions, hier gab es gleich mehrere Fertigmodelle im Maßstab 1/72 – auch diese Linien- und Reisebusse mit Vorbild Ikarus blieben den Ungarn vorbehalten. Das große Vorbild gehört zur legendären 200er Baureihe, die bei Aufbau und einer relativ geringen Anzahl verschiedener Baugruppen den modularen Gedanken der Ikarus-Ingenieure in den Mittelpunkt rückte, um unterschiedliche Ausführungen vom Stadt- über den Vortort-, Überland- und Reisebus zu erlauben. Das Konzept ging auf, die 200er-Bauereihe brachte es auf über 200.000 Einheiten. Das Baumuster 260 wurde von 1971 bis 2002 in Budapest gefertigt und entsprach dem fast baugleichen Reisebus Typ 250. Den 11 Meter langen Stadtlinienbus mit Unterflurmotor gab es auch als 12m langes Fahrzeug, dann mit der Typenbezeichnung 263. Als Rechtslenker wurde er als 261 bezeichnet. Die Vielfalt der 260er war groß: Der 260.27 war ein Vorortbus mit mehr Sitzplätzen, der 260 ABC ein rollendes Geschäft und der 260 CH die Exportversion des Stadtbusses. Als Antrieb verbauten die Ungarn einen RABA-MAN D 2156 HM 6 U mit 141 kW. Sogar ein 260T war im Angebot, doch der Trolleybus wurde nicht in Serie gefertigt. In der ehemaligen DDR kam der Ikarus 260 über Lieferungen im Rahmen des RGW-Abkommens auf die Straße, nach dem Fall der Mauer waren noch 1.910 Ikarus 260 in den neuen Bundesländern im Einsatz. Aber auch weltweit war der Stadtbus der 200er-Baureihe im Einsatz, Anfang der 90er Jahre wurde der 260 beispielsweise noch in einer großen Stückzahl nach Istanbul geliefert. Der Modellbus von DeAgostini kommt, wie für Modelle einer Sammelserie üblich, aus China. Alle Bauteile sind fein graviert und detailliert, in der Summe ergibt sich ein nicht nur mit Blick auf die Maße beeindruckendes Modell, das mit Details glänzen wird: Alles wird sehr originalgetreu wiedergegeben, ob Motor, Bremsen, Türen oder der abgetrennte Fahrerplatz, es fehlt kein Detail! Wie immer bei einer solchen Sammlserie steigert sich der Preis, die erste Ausgabe, die für 190 HUF oder umgerechnet 50 Cent angeboten, enthält den Kühlergrill und den Kühlerrahmen sowie Scheinwerfereinfassungen, die Tankklappe und das vordere Nummernschild. So geht es dann Stück für Stück weiter, manche Ausgaben enthalten auch das benötigte Werkzeug und immer eine entsprechende Broschüre mit Hintergrundinformationen zur Geschichte des Ikarus 260 sowie eine mehrseitige Bauanleitung. Alle Teile sind auch schon lackiert, so dass man eigentlich nur die nötige Geduld bis zur Fertigstellung aufbringen muss, denn es gibt alle vier Wochen eine neue Ausgabe. Wer die Sammelserie abonniert und nicht am Kiosk kauft, erhält im Laufe der Zeit zusätzlich noch mehrere Poster, ein T-Shirt mit 260er-Motiv, einen kleinen Modellbus des 260 im Maßstab 1/72 und die direkte Verbindung zum De Agostini-Kundenservice. Da erfährt man dann auch, dass das Abonnement auch als Premium-Ausgabe bestellt werden kann: Monatlich ist es umgerechnet gut einen Euro teuer, dafür gibt es dann zusätzlich nicht nur eine originalgetreue Bushaltestelle im Maßstab 1/12, sondern auch das Fahrzeugtypenschild des großen Vorbildes aus Metall sowie eine Präsentationsfläche, wie es seitens De Agostini heißt. In der Summe kommt der Ikarus 260-Fan dann im normalen Abonnement auf knapp 900 Euro, denn nach der Startausgabe steigt der Preis auf 1.490 HUF (gut vier Euro) und dann 2.490 HUF (knapp sieben Euro) an.Der Ikarus 260 ist aber nicht der erste große Modellbus dieser Art, in Frankreich gab bzw. gibt es vom Hachette Verlag einen TN6 C2 in der dieser Größe, in Großbritannien von Hachette Partworks einen AEC Routemaster in 1/12. Für den deutschen Markt sieht De Agostini derzeit kein Angebot vor, es werde auch keinen Testverkauf in dieser Baugröße geben, wie es aus Italien heißt, denn “es sei kein Bedarf vorhanden.” (DeAgostini/omnibus.news/Sr)

Teilen auf: