Kein Personal, also bleiben die Busse – wie hier am Standort Oldenburg – auf dem Hof. Foto: Weser-Ems-Bus

Zum Schulstart der niedersächsischen Schülerinnen und Schüler gab es vor allem im Nordkreis große Probleme mit den Schulbussen. Auch die Erstklässler waren wenige Tage später zu ihrem Schulbeginn von Busausfällen und -verspätungen betroffen. Kein Personal, also auch keine Busse auf der Straße – so die Aussage der Verantwortlichen der Weser-Ems-Bus GmbH gegenüber der Tageszeitung Achimer Kurier. Die weißroten Weser-Ems-Busse erreichen seit Schulbeginn die Haltestellen nur verspätet oder auch teilweise gar nicht, wie die Tageszeitung in den letzten Ausgaben berichtet. Auch würden ganze Linien nicht bedient. Die Leserkommentare sind entsprechend: “Kaum zu glauben, dass ein Unternehmen der Deutschen-Bahn-Gruppe innerhalb von fünf Tagen nicht in der Lage ist, die zugesagte Beförderung von Schülern sicherzustellen.“ Ein Vater merkt humorvoll an, dass der plötzliche Schulbeginn ja so überraschend gekommen sei… Die Situation ist für die Verantwortlichen im Landkreis mehr als ärgerlich und nicht akzeptabel, doch die Bürokraten geben sich machtlos. Dass das bekannte und renommierte Unternehmen mit der Situation überfordert ist, scheint unglaublich. Trotz langer und ausreichender Vorlaufzeit keine Busse, nicht einmal die Information an den Landkreis, dass Busse nicht fahren würden – das Verhalten wird zu einem Imageverlust führen. Wie hilflos Weser-Ems-Bus agiert, wird deutlich, wenn Eltern immer wieder die Hotline anrufen und dort nur die Auskunft erhalten, dass man keine Auskunft über die Beförderungssituation geben könne. Im August 1988 erfolgte die Ausgliederung des GBB Weser-Ems aus dem Geschäftsbereich der Deutschen Bahn. Als eines von vier Pilotprojekten der Privatisierung wird die Weser-Ems Busverkehr GmbH gegründet. Am 1.10.1988 nimmt sie offiziell ihren Betrieb auf, heute befördert das Unternehmen täglich allein 60.000 Kinder und Jugendliche zur Schule und wieder nach Hause – so die Werbung auf der Website. Täglich verlassen sich auch Pendler auf die weiß-roten Überlandbusse und die Sprinter-Flotte mit den schnellen Verbindungen, jährlich fahren über 36 Millionen Fahrgäste mit den Bussen der Weser-Ems-Bus GmbH zu einer der 7.000 Haltestellen. Jetzt hat sich Weser-Ems-Bus nicht mit Ruhm bekleckert, denn nachdem das günstigste Angebot für das Linienbündel abgegeben wurde, wird das nicht eingehalten, wofür das Unternehmen bekannt ist bzw. war. Subunternehmer sollen kurzfristig abgesprungen seien, so eine nicht bestätigte Aussage. Das könnte stimmen, denn viele private Busunternehmer, die nach der verlorenen Ausschreibung nicht zum Zuge gekommen sind, mussten Fahrer entlassen, um weiter existieren zu können. Mittlerweile hat sich die Politik eingeschaltet: Der zuständige Landrat Peter Bohlmann sieht das Unternehmen Weser-Ems-Bus in der klaren Verantwortung. „Um mit Nachdruck die vereinbarte Leistung einzufordern und auch unterstützend tätig zu sein, befindet sich der Landkreis seit Donnerstagmorgen im ständigen Kontakt mit dem Hauptauftragnehmer“, sagte Bohlmann gegenüber der Tageszeitung Achimer Kurier. Von Weser-Ems-Bus gab es am Anfang dieser Woche eine  Stellungnahme: „Das ist nicht nur für unsere Fahrgäste sehr ärgerlich, sondern auch für uns. Als neuer Partner in der Region bedauern wir unser eingeschränktes und unzuverlässiges Angebot sehr.“ Und weiter: „Leider rechnen wir auch in den nächsten Wochen mit vereinzelten Fahrtenausfällen und Verspätungen.“ Auf der Website des Landkreises heißt es zur Vergabe des Linienbündels: „Bedingt durch die Neuvergabe und die Verbesserungen kommt es zu Fahrzeitverschiebungen, die teilweise auch die Schülerbeförderung betreffen.“ Jetzt melden sich weitere Landkreise: Von Verbesserungen sei auch im Landkreis Osterholz nichts zu spüren, wo Weser-Ems-Bus ebenso mit Startproblemen kämpft. Und auch der Ortsbürgermeister von Posthausen, Reiner Sterna, ist unzufrieden. Er schickte einen offenen Brief an den Landrat und kritisierte die aktuelle Situation: „Wenn die Schüler aus Ottersberg kommen, haben diese über eine halbe Stunde Wartezeit bis zur Weiterfahrt nach Giersdorf und Grasdorf.“ Ein weiteres Ärgernis seien die neuen Bushaltestellen in Giersdorf, Grasdorf und Hintzendorf. Die befänden sich nun auf den Grünstreifen zwischen Graben und Straßen, direkt an der Fahrbahn. Das führe zu gefährlichen Situationen. (…) Wenn ich mir vorstelle, dass man aus dem Bus aussteigt und fast im Graben landet. (…) Kinder stehen am unmittelbaren Fahrbahnrand und die Autos fahren mit Tempo 100 daran vorbei“ – unhaltbare Zustände, man darf gespannt sein, wie sich die Situation in der nächsten Wochen verbessert. Mittlerweile sind viele Eltern dazu übergegangen, ihre Kinder selbst oder mit dem Taxi in die Schule zu fahren bzw. fahren zu lassen. Die Kosten für Taxis oder eine private Beförderung reichen sie beim Kundendialog der Weser-Ems-Bus ein, wo die Erstattung zeitnah und problemlos stattfinden soll. Vor einem solchen Szenario, wie es sich hier gerade in Niedersachsen abspielt, hatten nicht nur der Gesamtverband Verkehrsbewerbe Niedersachsen, sondern auch der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer unlängst immer wieder gewarnt. In Niedersachsen wurde die Vergabepraxis gegen private Busunternehmen von der rot-grünen Riegierung unterstützt. Jetzt wird im Oktober neu gewählt. Das Thema ÖPNV wird mit Sicherheit im Wahlkampf zu finden sein.

 

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